Prepper-Bewegung in den USA Bereit für welchen Weltuntergang auch immer

Stand: 20.12.2012 12:56 Uhr

Auf der ganzen Welt bereiten sich Menschen auf das nahende Weltende vor. In den USA betreibt das eine Gruppe hoch professionell: Die Preppers. Sie haben in ihren Wohnungen so viele Lebensmittel gebunkert, dass sie damit bis zu einem Jahr überleben könnten - auch nach der Katastrophe.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles.

Tony wohnt in einem typischen Vorstadthäuschen am Rande der Millionenstadt Los Angeles, im Schatten einer Autobahntrasse. Der 45-jährige Soldat teilt sich eine Vier-Zimmer-Wohnung mit seiner Frau, seinen fünf Kindern - und der Ausstattung für den Katastrophenfall.

Tony hat in seiner Wohnung Vorräte für ein Jahr gesammelt
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Tony hat in seiner Wohnung Vorräte für ein Jahr gesammelt

Das sind unter anderem 220 Kilo Salz, 180 Kilo Zucker, 180 Kilo Bohnen, dazu Mehl, Reis und Konservendosen - ein Jahr lang könnte Tony seine Familie damit durchbringen. Dafür muss die aber auch auf die Hälfte der Wohnfläche verzichten. Säckeweise lagert das Zeug in der Küche, in eng gestellten Reihen von Stahlregalen. Es sieht aus wie im Lager eines Tante-Emma-Ladens. Im Wohnzimmer nebenan steht eimerweise Trockennahrung, die zwischen Sofa und Fernseher eingeklemmt ist. Seit mehr als einem Jahr ist Tony dran an der Vorbereitung, er hat 50.000 Dollar investiert. Draußen vor der Tür zeigt er mir stolz sein Wohnmobil und seinen Laster.

Die Ladefläche ist vollgestopft mit Stromgeneratoren, Kabelrollen und Gasmasken. Tony wirkt nicht durchgeknallt, ihm geht es um den Schutz seiner Familie. Klar kennt er auch den Maya-Kalender und die Prophezeiung des Weltuntergangs für den 21. Dezember. Aber er glaubt an den Tag danach, und dafür macht er das hier, sagt er: "Wenn man in den Medien sieht, was rund um die Welt passiert, die Katastrophen in Japan, Haiti und so weiter. Da denke ich mir: Ich muss ich vorbereiten auf das, was hier droht, egal, ob es am 21. Dezember passiert oder nicht."

Notfällplane für den Ernstfall

Trockennahrungsvorrat in Tonys Wohnzimmer
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Trockennahrungsvorrat in Tonys Wohnzimmer

Sogar eine Gruppe hat er gegründet. Insgesamt 65 Leute sind das. Sie alle leben im Großraum Los Angeles und haben per E-Mail und Telefon Ablaufpläne entwickelt, bei welcher Art von Katastrophe sie wohin fliehen. Egal ob Erdbeben, Sonneneruptionen, Vulkanausbrüche oder Tsunamis: Tony ist vorbereitet.

Was in Deutschland vielleicht etwas merkwürdig anmutet, ist in den USA gar nicht so ungewöhnlich. Tausende dieser Preppers wie Tony gibt es im ganzen Land. Onlinehändler bieten Überlebenspakete an, mit Nahrung und Tabletten für die Wasseraufbereitung - sie kosten rund 3000 Euro. Die Vorbereitung auf den Katastrophenfall hat vielen Amerikanern schon das Leben gerettet, in dem Land der Hurrikans und Erdbeben, bei denen tagelang der Strom ausfällt und Straßen nicht passierbar sind.

Nicht jeder darf mitmachen

Ingenieure, Krankenschwestern und Elektriker sind in Tonys Gruppe. Wer rein will, muss einen Antrag stellen und beweisen, dass er im Ernstfall für die Gemeinschaft nützlich wäre. Soldat Tony hat das Spezialgebiet Sicherheit. Und genau deshalb hat er die Gruppe gegründet und kümmert sich nicht nur um die eigene Familie. "Diese Leute wissen, was sie tun", sagt Tony. Und so könne er auch er nachts gut schlafen. Den 21. Dezember will er deshalb mit seiner Familie verbringen. Vielleicht sei das ja doch nur ein ganz normaler Tag im Kalender.

Die Vorweihnachtszeit will er genießen, am liebsten vor dem Weihnachtsbaum. Der steht nämlich schon im Wohnzimmer, gleich neben den drei Dutzend Eimern Trockennahrung.

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