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Einigung auf Klima-Fahrplan beim UN-Gipfel in Durban
Weltklimavertrag soll kommen - aber erst 2020
Die UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban hat einen Fahrplan für ein neues globales Klimaschutzabkommen beschlossen. Nach tagelangen Diskussionen stimmten die Delegierten aus mehr als 190 Staaten dem gemeinsam erarbeiteten Text zu. Der sogenannten "Durban Platform" zufolge soll das neue Abkommen bis 2015 abgeschlossen und 2020 wirksam werden. Es enthält verschiedene Formen der rechtlichen Verbindlichkeit.
Anders als beim Kyoto-Protokoll, dessen Verpflichtungen bislang nur für 37 Industriestaaten gelten, sollen bei dem neuen Vertrag alle Länder mit dabei sein, auch die Vereinigten Staaten und die großen Schwellenländer Indien und China.
Kyoto-Protokoll wird verlängert
Mit der Einigung soll auch das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verlängert werden, um die Zeit bis zu dem neuen Vertrag zu überbrücken. Zum Kyoto-Prozess bekennen sich aber nur Staaten, die 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen ausmachen.
Konferenz verabschiedet Fahrplan für neues Klimaschutzabkommen
tagesthemen 22:45 Uhr, 11.12.2011, Ulli Neuhoff, ARD Johannesburg
Kyoto bis 2017 oder 2020?
Die Einigung sieht vor, dass im kommenden Jahr entschieden wird, wie viel länger das Kyoto-Protokoll gelten soll. Im Gespräch ist entweder 2017 oder 2020. Bis Mai nächsten Jahres sollen die Industriestaaten ihre Minderungsziele für diese zweite Phase einreichen.
Mit der Einigung in Durban wurde außerdem die Einrichtung eines Klimafonds beschlossen.
Umweltminister Norbert Röttgen bezeichnete das Ergebnis der Konferenz als Bestätigung der europäischen Strategie auf dem Klimagipfel. Die EU habe richtig verhandelt, sagte der CDU-Politiker am Ende der Konferenz. Zuvor hatte er in den Tagesthemen erklärt, dass ein verbindliches Abkommen "ein großer Erfolg" wäre.
"Historische Entscheidung in Durban"
Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane bezeichnete das Ergebnis des Klimagipfels von Durban als "historischen Meilenstein" im Kampf gegen die Klimaerwärmung. "Wir haben einen gewaltigen Schritt vorwärts gemacht", sagte die Präsidentin der Konferenz.
UN-Klimachefin Christiana Figueres sprach ebenfalls von einer "historischen Konferenz". Die Entscheidungen hätten den Weg geebnet, "um ein breit angelegtes Klima-Regime aufzubauen". Zudem gebe es nun die Instrumente, um den Entwicklungsländern bei der Anpassung an den Klimawandel und bei der Nutzung alternativer Energiequellen zu helfen.
EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard sprach von einer großen Leistung: "Wir haben einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht", erklärte Hedegaard. Die Strategie der EU, auf einen konkreten Fahrplan für ein neues Klimaabkommen zu pochen, habe funktioniert. Sie lobte zugleich die "sehr konstruktive Atmosphäre" der Verhandlungen.
Reaktionen auf den Weltklimagipfel
Bis sich der UN-Klimagipfel in Durban auf einen Weg zu einem neuen Klimavertrag einigen konnte, wurde hart gerungen. Die Reaktionen auf das Ergebnis fallen sehr unterschiedlich aus.
Greenpeace ist unzufrieden
Enttäuscht zeigte sich dagegen die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Der Kompromiss sei unter dem Druck von Indien und China abgeschwächt worden und führe nicht zu einem international verbindlichen Klimaschutzvertrag, "sondern zu einem nur lose bindenden Abkommen", sagte Klimaexperte Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland. Die Konferenz habe mit ihrem Beschluss "in letzter Minute ein Schlupfloch für die USA und fossile Industriekonzerne unter Mithilfe von Indien geschaffen".
Die 17. Klimakonferenz war wegen der komplizierten Verhandlungen um einen Tag verlängert worden. Die EU hatte im Verbund mit rund 100 weiteren Staaten eine kompromisslose Strategie verfolgt. Wenn Blockierer sich nicht zu einem Fahrplan für ein rechtlich verbindliches Abkommen bis 2015 bekennen, drohten sie damit, den Klimagipfel platzen zu lassen. Indien bekannte sich schließlich zu einer verbindlichen Regelung.
Stand: 11.12.2011 05:18 Uhr
