Mütze mit Aufschrift "Make Women Great Again" | Bildquelle: REUTERS

Protest in den USA Amerikanischer Weltohnefrauentag

Stand: 08.03.2017 10:02 Uhr

Der Weltfrauentag soll in den USA ein besonderer werden - einer ganz ohne Frauen. Dazu rufen Aktivisten auf, um auf Vorurteile verschiedenster Art aufmerksam zu machen. Überhaupt werden Frauen in den USA gerade immer mehr zum Symbol des Widerstands.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Der Weltfrauentag - das soll in den USA ein Tag ohne Frauen werden. Sie wollen streiken, um zu zeigen, wie eine Welt ohne Frauen aussehen würde. Streiken, um auf ungleiche Gehälter, Diskriminierung, sexuelle Belästigung, auf Rassismus und die Rechte von Einwanderern aufmerksam zu machen. Büros bleiben geschlossen, Lehrerinnen wollen nicht unterrichten und Frauen einen Tag lang nicht shoppen, um ihre wirtschaftliche Macht zu zeigen.

In Washington soll es einen Marsch zum Weißen Haus geben. Der Tag soll die Fortsetzung des Women's March werden, der Millionen am Tag nach Donald Trumps Amtseinführung auf die Straße gebracht hat.

Die Frauen werden in den USA gerade mehr und mehr zum Symbol des Widerstands. In Washington hängen viele Protestplakate: Eine Muslimin mit Kopftuch über der "Alle sind willkommen" steht. Oder drei Frauengesichter mit einer schwarzen Frau im Kopftuch in der Mitte. Darüber der Slogan: "Wir gehören alle hierher. Wir werden einander verteidigen."

Weckruf des Aktivismus

Die Frauen sind vorne dabei bei einer neuen Welle des Aktivismus, die derzeit in den USA anrollt. Trumps Präsidentschaft scheint fast ein Weckruf zu sein. Und die Frauen bieten vielen anderen einen Andockpunkt, sich mit ihnen zu verbinden. Sie reduzieren ihren Protest nicht nur auf ihr Anliegen. Beim Women's March waren viele Plakate gegen den Klimawandel, gegen Rassismus und für Einwanderer zu sehen.

Es ist keine Frage des Alters - bei den Protesten marschierten zum Teil drei Generationen zusammen - eine Großmutter trug dann etwa ein Plakat mit der Aufschrift "Now you’ve pissed off grandma" - "Jetzt hast Du’s Dir mit Oma verscherzt."

Die anderen Amerikanerinnen

Doch Vorsicht vor der Schlussfolgerung, dass diese Frauen alle Amerikanerinnen repräsentieren. Es gibt durchaus auch die anderen Amerikanerinnen. Die, die im Wahlkampf Trump unterstützt haben und die ihm auch heute noch zujubeln. Sie leben in der Mehrheit sicher nicht in Washington, New York oder San Francisco - aber eben in vielen kleineren Orten quer übers Land verteilt.

Dass Trump in der Vergangenheit Frauen belästigt haben soll, mit Chauvi-Sprüchen um sich wirft und sagt, er könne jede haben und ihr einfach so zwischen die Beine fassen - das tun viele dieser Frauen als Lügen ab. Über seine Prahlereien zucken sie mit den Schultern: Das sei doch typisch Mann und kein Grund, sich weiter aufzuregen. Auch das ist Alltag in Amerika. Kritik am US-Präsidenten perlt an diesen Frauen ab. Sie werden wohl den Kopf schütteln über all die Frauen, die am Weltfrauentag solidarisch rot tragen. Es ist nicht ihre Welt.

Der Weltfrauentag wird dieses Jahr in den USA ganz sicher anders als in anderen Jahren. Und doch ist er eigentlich nur das ganz normale Leben: Es lassen sich nun einmal nicht alle Frauen über einen Kamm scheren. Man sollte es einfach gar nicht erst versuchen.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 08. März 2017 um 00:03 Uhr.

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