Getreide

Welternährungskonferenz in Rom Antworten auf Hunger und Übergewicht

Stand: 19.11.2014 03:51 Uhr

805 Millionen Menschen hungern, 500 Millionen Menschen sind fett. Ernährung ist ein globales Problem mit vielen Facetten. Antworten will die Welternährungskonferenz geben, die heute begonnen hat. Das Abschlussdokument zieht bereits viel Kritik auf sich.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Das ist eine dieser Konferenzen der Superlative: Vertreter aus rund 190 Ländern sind nach Rom gekommen, Minister aus etwa 100 Ländern treffen sich am Sitz der FAO, gleich neben dem Circus Maximus in Rom, um ein höchst komplexes Thema zu besprechen: Ernährung.

Dabei geht es nicht nur um die 805 Millionen Menschen, die weltweit immer noch Hunger leiden. Ihnen gegenüber stehen zum Beispiel rund 500 Millionen, die fettleibig sind. Und entsprechend wird nicht nur über zu wenig Nahrung diskutiert, sondern auch über die falsche.

Vier Jahre Arbeit am Abschlussdokument

Weil das Thema so komplex ist, waren auch die Vorbereitungen nicht gerade einfach: Ganze vier Jahre hat die Arbeit am Abschlussdokument gedauert. "Es müssen die Bedingungen eines jeden Landes berücksichtigt werden, jeder Region", sagt Mario Lubetkin, der Kommunikationsdirektor der Welternährungsorganisation FAO. "Man kann nicht sagen, dass Afrika und Europa gleich sind, was die Frage der Ernährung angeht. Aber beide haben Probleme, die gelöst werden müssen. Deshalb müssen wir einen Prozess der Kooperation, des Austausches beginnen. Mit klaren Punkten, wie wir das Thema in Zukunft angehen können."

Logo der FAO
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Am Sitz der FAO findet die erste Welternährungskonferenz seit 22 Jahren statt.

Unterschiedliche Länder, unterschiedliche Akteure - und unterschiedliche Interessenlagen. Während sich zum Beispiel die Vertreter der Agrarindustrie gegen jede Form der Regulierung wehren, haben Hilfsorganisationen versucht, möglichst konkrete Verpflichtungen durchzusetzen. Die sogenannte "Römische Erklärung", die bereits heute Vormittag verabschiedet werden soll, geht ihnen meist nicht weit genug.

"Vieles unter den Teppich gekehrt"

Flavio Valente, der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation FIAN bringt es auf den Punkt: "Diese Vorschläge haben positive Aspekte. Aber das Problem ist, dass sie viele Dinge unter den Teppich gekehrt haben", sagt er. Aber wer den Teppich nicht angehe, löse auch das Problem nicht. "Denn der Teppich ist da und die ganze Sache ist eine potenzielle Zeitbombe: Wir stehen vor Entscheidungen, die sehr schwierig sind, weil die Regierungen auf der Konsensebene verhandeln. Das heißt, die schauen nicht auf die Extreme, und wenn man das nicht tut, hat das seine Risiken", sagte Valente. "Denn es ist ja nicht einfach nur weit weg - es ist sehr nah bei uns."

Denn wie wir in Europa konsumieren, hat Einfluss auf die Landwirtschaft weit weg. In Südamerika werden kleine Bauern vertrieben, um Land für die Produktion von Palmöl zu gewinnen, mit dem wir unsere Autos tanken. So hängt auch beim Thema Ernährung alles mit allem zusammen.

Es gibt eine lange Liste von Fragen, die wohl auch in Rom nicht abschließend beantwortet werden: "Welche Auswirkungen haben bilaterale Handelsverträge, diese großen Verträge, die WTO-Regeln auf die Menschen und auf ihre Ernährung? Welche Auswirkungen hat das große industrielandwirtschaftliche System, das Nahrung für Kühe produziert und für Autos, das mehr Nahrung dafür produziert als für die Menschen?"

Agrarkonzerne stehen für Geschäfte mit dem Hunger

In den Augen vieler Experten müssten gerade die kleinen Bauern unterstützt werden, denn sie leisten, zum Teil auf winzigen Flächen, rund 80 Prozent der weltweiten Nahrungsproduktion. Große Agrarkonzerne stehen da eher für das große Geschäft - auch mit dem Hunger.

Wenn die gemeinsame Erklärung verabschiedet ist, beginnt in Rom die Zeit der Lippenbekenntnisse. An den Reden der Delegierten wird man ablesen können, wie ernst es die Staaten meinen. Und dafür, dass es nicht zu unkonkret wird, wird nicht zuletzt der Papst sorgen. Franziskus spricht am Donnerstag. Es wird erwartet, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche den Delegierten die Leviten lesen wird.

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