Internationale Raumstation | Bildquelle: dpa

Internationale Raumstation ISS-Privatisierungspläne in der Kritik

Stand: 18.05.2018 07:17 Uhr

Wenn es nach der Trump-Regierung geht, könnte die Internationale Raumstation nur noch wenige Jahre im Dienst sein. Dagegen regt sich breiter Widerstand in allen Parteien.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Der Mond, der Mars - die Trump-Regierung hat große Ziele für die US-Raumfahrtbehörde NASA. Geopfert werden soll dafür die Internationale Raumstation ISS. Die Regierung will den Betrieb nur noch bis zum Jahr 2025 finanzieren. Dann sollen private Unternehmen für Stationen im erdnahen Weltraum sorgen.

Der zuständige NASA-Direktor William Gerstenmaier sagte, die NASA wolle sich aus diesem Gebiet nicht zurückziehen - sie wolle die nötigen Kapazitäten mieten: "Wir sehen ein Interesse von Unternehmen am erdnahen Weltraum. Es gibt eine Ahnung, dass man dort Geld verdienen kann." Nun müsse man herausfinden, wie das zu ermöglichen sei. "Wir müssen den richtigen Zeitpunkt finden, wann die Regierungsstation herunter gefahren wird und private Stationen ihre Arbeit beginnen."

Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation | Bildquelle: AP
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Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS). Die NASA lässt sich die Forschung auf der ISS pro Jahr drei bis vier Milliarden Dollar kosten.

Keine neue Idee

Dass sich private Unternehmen um den erdnahen Weltraum kümmern, ist keine neue Idee. Schon jetzt fliegen Unternehmen für die NASA Fracht zur ISS. Bald sollen SpaceX und Boeing auch Astronauten dorthin bringen. Bislang müssen die Amerikaner für viel Geld Plätze bei den Russen mieten. Der Betrieb einer Raumstation ist aber eine ganz andere Hausnummer. Die NASA lässt sich das zurzeit drei bis vier Milliarden Dollar im Jahr kosten - und sie teilt sich den Betrieb der ISS mit anderen Ländern.

Darum gibt es viele Zweifel, ob private Unternehmen die Raumstation wirklich übernehmen oder bis 2025 eine Alternative ins All schießen könnten. NASA-Aufseher Paul Martin senkte schon den Daumen. Er bezweifelt, dass es ein Geschäftsmodell gibt, das ohne Staatsgelder auskommt: "So ein Geschäftsmodell braucht eine robuste Nachfrage von Privatunternehmen. Offen gesagt, bisher haben private Unternehmen nur wenig Interesse an der ISS gezeigt. Das gibt uns zu denken."

Es sei Wunschdenken, dass die NASA ab 2025 ihre ISS-Betriebskosten für andere Dinge ausgeben könnte. Erschwerend komme hinzu: Es gebe mehrere Forschungsprojekte auf der ISS, die bis 2025 noch nicht abgeschlossen seien.

"Unverantwortlich und desaströs"

Die ISS hat viele Anhänger in der Raumfahrt, aber auch in der Politik. Das wurde jetzt bei einer Anhörung im Senat deutlich. Der Demokrat Bill Nelson sagte, wenn die NASA die Raumstation aufgeben müsse, werde Expertise verloren gehen. "Dieses unglaubliche Weltraumlabor aufzugeben, wenn wir am Scheitelpunkt für eine neue Ära der Weltraum-Erforschung sind, ist unverantwortlich und desaströs."

Parteiübergreifender Widerstand

Auch bei Trumps Republikanern gibt es Widerstand gegen die Pläne, die ISS so schnell aufzugeben. Senator Ted Cruz sagte, die Entscheidung sei nicht aus wissenschaftlichen Gründen gefallen, sondern aus politischen: "Wir haben so etwas schon zu häufig in unserem Raumfahrt-Programm gesehen, wir müssen daraus lernen: Wenn man ein Programm aus politischen Gründen vorzeitig beendet, kostet das Jobs und verschwendet Milliarden an Dollar."

Der Widerstand gegen die Trump-Pläne für die Internationale Raumstation ist also parteiübergreifend. Wenn es ums Geld geht, hat der Kongress das letzte Wort. Wenn die Senatoren die Finanzen für die ISS sichern, bleibt aber die Frage, wie die USA für die ganzen anderen ambitionierten Pläne bezahlen wollen, für die Flüge zum Mond und zum Mars.

ISS privatisieren? Parteiübergreifende Kritik an Trump-Plänen
Jan Bösche, ARD Washington
18.05.2018 07:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2018 um 05:41 Uhr.

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