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Welt-Aids-Konferenz in Washington
Leben mit dem Virus - in den USA
In den USA gibt es in manchen Gegenden mehr HIV-Infizierte als in einigen Entwicklungsländern. In der Hauptstadt Washington, wo derzeit die Welt-Aids-Konferenz mit mehr als 20.000 Teilnehmern tagt, hat sich die Lage besonders verheerend entwickelt. Die 53-jährige Sophia lebt seit 23 Jahren mit HIV und arbeitet daran, die Situation für andere Betroffene zu verbessern.
Von Timo Fuchs, SR-Korrespondent Washington
Sophia kommt kaum durch die Tür. Auf einen Rollator gestützt, bemüht sich die korpulente Frau, einen Schritt vor der anderen zu setzen, aber ihre Gehhilfe bleibt immer wieder am Türrahmen hängen. Das Virus lege die Nerven in ihren Beinen lahm, erklärt sie. Außerdem werden die Augen trübe.
"Vielleicht liegt das auch nur am Alter", sagt sie. "Aber Leute mit dem Virus müssen immer wieder die Augen checken lassen, auch da greift er nämlich die Nerven an." Doch trotz der zunehmenden Beschwerden ist Sophia ist stolz und zufrieden. Seit 23 Jahren lebt sie schon mit dem HI-Virus. Als sie erfuhr, dass sie positiv war, kam der Schock. Und dann die Disziplin.
Jeden Tag ohne Ausnahme öffnet Sophia ihre Pillendose mit dem rosa Deckel und schluckt ihre bunten Tabletten. Sie verursachen Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen - aber sie helfen. Die Medikamente müssen täglich eingenommen werden, damit sie das Virus im Körper auf ein Minimum zurückdrängen. So sinkt auch die Ansteckungsgefahr.
Leben mit dem HI-Virus
T. Fuchs, SR Washington
24.07.2012 21:25 Uhr
Viele schwänzen den Arzt
Doch zu viele Kranke in Amerika schwänzen den Besuch beim Arzt, der die Medikamente regelmäßig anpassen muss. Sophia arbeitet deshalb in der Organisation Common Health Action daran, Menschen aufzurütteln, sie aus den eigenen vier Wänden zu holen und zum Doktor zu bringen. Das beste Argument ist: sie selbst. "Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich selbst HIV habe, fallen die vom Hocker", sagt Sophia. "Du hast das seit 27 Jahren und gehst arbeiten. Dann kann ich das auch, sagen sie."
In der US-Hauptstadt sind fast drei Prozent der Menschen mit dem HI-Virus infiziert, mehr als in einigen Entwicklungsländern. Weil die Leute leichtsinnig geworden seien, sagt Sophia. Außerdem nutzen sie die neuen Medikamente nicht. Über 40 Prozent gehen nicht regelmäßig zum Arzt. In den gesamten USA seien es sogar 60 Prozent, erklärt eine Kollegin Sophias.
Demonstranten fordern mehr Geld für den Kampf gegen Aids
nachtmagazin 00:00 Uhr, 25.07.2012, Stefan Niemann, ARD Washington
Hohe Rate bei armen Menschen
Besonders hoch ist die Rate der Infizierten grundsätzlich unter den armen Menschen. Sie schämen sich, verstehen den Arzt nicht, können nicht lesen oder haben kein Geld für den Bus zum Doktor. Dabei steht das amerikanische Gesundheitssystem bereit, gerade HIV-Kranke ohne Geld zu unterstützen: Jeder von ihnen kann HIV-Medikamente kostenlos bekommen, wenn er sich dazu überwindet, sie zu beantragen.
Genau an dieser Stelle beginnt aber auch die nächste große Herausforderung im Kampf gegen Aids: Die Kosten für den Staat. Je mehr Infizierte sich behandeln lassen, umso mehr Mittel müssen bereit stehen. Allein die US-Regierung zahlt jetzt schon rund eine Milliarde Dollar pro Jahr für Medikamente - die Bundesstaaten schießen nochmal Gelder hinzu. Und dabei nimmt erst ein Bruchteil der HIV-Kranken die Hilfe in Anspruch.
Jahresration kostet 10.000 Dollar
Ein Ausweg könnten Verhandlungen mit der Pharmabranche sein, denn die wehrt sich bislang in Amerika gegen deutliche Preissenkungen. In Afrika etwa können Menschen dagegen mit billigen Nachahmerprodukten behandelt werden, sie erzielen die gleiche Wirkung. Der Unterschied: Eine Jahresration kostet 10.000 Dollar in den USA, nur 180 Dollar sind es in Afrika.
Stand: 24.07.2012 18:35 Uhr
