Harvey Weinstein | Bildquelle: AFP

Missbrauchsvorwürfe Polizei ermittelt gegen Weinstein

Stand: 20.10.2017 02:32 Uhr

Mehr als 40 Frauen soll der US-Filmproduzent Weinstein sexuell belästigt haben. Im Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung ermittelt nun die Polizei in Los Angeles. Ein prominenter Regisseur gab an, von den Fällen gewusst zu haben.

Die Polizei in Los Angeles ermittelt wegen Missbrauchsvorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Ein mögliches Missbrauchsopfer sei von der Polizei befragt worden, sagte Polizeisprecher Sal Ramirez. Der Vorfall aus dem Jahr 2013 werde nun von den Ermittlern untersucht. Nähere Angaben zu dem möglichen Opfer machte der Sprecher zunächst nicht.

Der "Los Angeles Times" zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Demnach soll die Frau, die auch als Model arbeitet, angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills sexuell missbraucht worden zu sein. Die Frau wollte vorerst anonym bleiben, hieß es. In der Zeitung erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den Produzenten: Sie habe Weinstein kurz bei einem italienischen Filmfest in Los Angeles gesprochen, danach sei er "ohne Warnung" in der Lobby ihres Hotels erschienen, berichtet die Frau. Er habe auf ihr Zimmer kommen wollen, doch sie habe "nein" gesagt. Er habe dann an ihre Tür geklopft und gesagt, er wollte nur mit ihr sprechen, sagte die Frau. Dann sei er "sehr aggressiv" geworden. Er habe sie ins Badezimmer gezogen und dort vergewaltigt. "Als er ging, hat er so getan, als sei nichts passiert", schilderte die Frau.

Die Hollywood-Schauspielerinnen Rose McGowan (links) und Ashley Judd (rechts). | Bildquelle: AP
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Mit ihren Aussagen haben sie den Skandal ins Rollen gebracht: Die Hollywood-Schauspielerinnen Rose McGowan (links) und Ashley Judd (rechts).

Weinstein bestreitet Vorwürfe

In dem Zeitungsinterview gibt sie weiter an, dass sie Angst gehabt habe, Weinstein bei der Polizei anzuzeigen. Sie habe aber einem Priester, einem Freund und einem Kindermädchen von dem Vorfall erzählt. Zur Zeit des angeblichen Vorfalls habe sie mit ihren drei Kindern in Italien gelebt.

Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister reagierte auf die neuen Vorwürfe. "Mr. Weinstein kann sich natürlich nicht zu anonymen Anschuldigungen äußern, aber er weist Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex eindeutig zurück", heißt es in einer Mitteilung.

Ermittlungen auch in New York und London

Auch die Polizeibehörden in New York und London kündigten bereits an, Ermittlungen gegen Weinstein aufnehmen zu wollen. Die New Yorker Polizei wolle eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufrollen, hieß es. Scotland Yard bestätigte, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den 1980er-Jahren.

Der lange einflussreiche Hollywood-Produzent Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Rund 40 Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet, unter anderen die Top-Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Mindestens fünf Frauen werfen Weinstein vor, er habe sie vergewaltigt.

Quentin Tarantino
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Oscar-Preisträger Quentin Tarantino wusste offenbar von den Vorwürfen gegen Weinstein.

Tarantino: "Wusste von Weinsteins Handlungen"

Der US-Regisseur Quentin Tarantino wusste nach eigenen Angaben von einigen Vorfällen des unangemessenen Verhaltens von Weinstein. Er bereue, nicht mehr dagegen unternommen zu haben, sagte Tarantino in einem Interview mit der "New York Times". Er habe genug gewusst, um mehr zu unternehmen, gab er an. Er habe aus erster Hand von Weinsteins Verhalten von der US-Schaupielerin Mira Sorvino erfahren, mit der Tarantino zu dieser Zeit eine Beziehung hatte. Auch eine zweite Schauspielerin, deren Namen er nicht nannte, habe ihm davon berichtet. Er habe auch über die außergerichtliche Abmachung zwischen Weinstein und US-Schauspielerin Rose McGowan gewusst, so Tarantino. Der Regisseur arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Weinsteins Produktionsfirma zusammen. Aus der Zusammenarbeit entstanden Filme wie "The Hateful Eight" oder "Pulp Fiction". Es sei unmöglich gewesen, dass jemand, der sich im näheren Kreis um Weinstein aufhielt, nicht von mindestens einem Vorfall gehört hatte, sagte Tarantino.

Über dieses Thema berichtete am 20. Oktober 2017 die tagesschau um 07:30 Uhr und NDR Info um 07:45 Uhr.

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