Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen. Kinder stehen an für Trinkwasser | Bildquelle: AFP

Warnung der Vereinten Nationen Der Gazastreifen droht auszutrocknen

Stand: 27.03.2016 16:07 Uhr

Das Leitungswasser in Gaza stinkt, es ist schmierig und schmeckt bitter: Wenn sich die Wasserversorgung dort nicht sehr bald verbessert, werde das abgeriegelte Palästinensergebiet schon in vier Jahren unbewohnbar sein, warnen die UN.

Von Christian Wagner, ARD-Studio Tel Aviv

Wasser kommt noch aus der Leitung im Gaza-Streifen, aber trinken kann man es nicht. Mag der Durst noch so groß sein. Der Chef der Wasserbehörde in Gaza-Stadt, Rebhy el-Sheikh, warnt, in den allermeisten Fällen sei das Wasser sehr stark mit Salz und Nitrat belastet und stelle eine unmittelbare Gesundheitsgefahr dar. Häufig sei das Wasser auch noch mit Keimen belastet.

Zu wenig Wasser für zu viele Menschen

Und das hat viele Gründe, sagt el-Sheikh. Es lebten einfach zu viele Menschen in dem abgeriegelten Palästinensergebiet: 1,8 Millionen, wahrscheinlich mehr. Die Folge: Es werde mehr Wasser gepumpt, als die Grundwasserschicht hergibt, salziges Meerwasser fließt durch die Gesteinsschichten nach. Und: Kläranlagen fehlen, Abwasser sickert ins Grundwasser. Die Vereinten Nationen warnten zum Weltwassertag: Ohne radikale Verbesserungen bei der Trinkwasser-Versorgung werde der Gaza-Streifen schon in vier Jahren unbewohnbar sein.

Palästinenser füllt Trinkwasser in ein Fass in der Stadt Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen | Bildquelle: AFP
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Wasser bekommen die Menschen im Gazastreifen nur im Kanister oder mit dem Tankwagen nach Hause

Teuer, ungenießbar und keimbelastet

El-Sheikh nennt Einzelheiten. So seien die meisten Familien darauf angewiesen, Wasser aus privaten Entsalzungsanlagen zu kaufen. Das komme in Kanistern oder Tankwagen und werde in einen Speicher auf dem Dach gepumpt. Das sei teuer und das Wasser werde nur zum Trinken und Kochen verwendet. Aber in drei von vier Fällen seien auch in diesem gekauften Wasser zu viele Keime.

Das Wasser in Gaza macht krank. Es schmeckt salzig und bitter. Wer es sich leisten kann, greift beim Zähneputzen zur Wasserflasche, beim Duschen bleibt ein schmieriger Salz-Film auf der Haut. Deshalb muss Wasser auf anderen Wegen nach Gaza kommen, sagt Rebhy el-Sheikh.

Bau von Meerwasserentsalzungsanlagen

Geplant seien Entsalzungsanlagen. Zunächst sollen drei kleinere Entsalzungsanlagen Trinkwasser aus dem Meer gewinnen. Wenn man das mit dem Salz-belasteten Leitungswasser mische, sei das schon eine Verbesserung. Auch eine große Entsalzungsanlage und eine Hauptwasserleitung durch den Gaza-Streifen sollen entstehen, für 500 Millionen Dollar. Einen großen Teil dieser Summe hofft der Chef der Wasserbehörde durch Spenden zu decken, aus Katar, anderen arabischen Staaten und aus Europa. Das Geld sei gar nicht das große Problem.

In der Stadt Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen füllt ein palästinensisches Mädchen Trinkwasser in eine Flasche. | Bildquelle: AFP
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Sauberes Trinkwasser - für viele Bewohner des Gazastreifens ein teures Gut.

Droht die Zerstörung beim nächsten Krieg?

El-Sheikh kennt die Bedenken bei Palästinensern und den internationalen Geldgebern. Sie fragten sich, ob ihre Investitionen denn überhaupt sinnvoll seien. Vielleicht gebe es wieder einen Krieg und alles werde zerstört. Man bemühe sich um Zusagen der israelischen Seite, die Entsalzungsanlage bei einem weiteren Konflikt zu verschonen.

Keine Bomben auf die Wasserversorgung, das habe die israelische Seite gerade erst schriftlich zugesichert, sagt El-Sheikh. Seit Jahren verhandelt er mit den Vertretern der israelischen Behörden über den Bau von Entsalzungs- und Kläranlagen und Wasserleitungen.

El-Sheikh hat noch ein weiteres Problem. Sollte das Bau-Material weiter so spärlich nach Gaza hineinkommen wie bisher, dann wäre all das erst in 100 Jahren fertig. Diese Zeit habe der Gaza-Streifen einfach nicht.

Wasser-Notstand in Gaza
C. Wagner, ARD Tel Aviv
27.03.2016 14:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 22. März 2016 um 05:22 Uhr.

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