Walesa in Venezuela | Bildquelle: AP

Walesa zu Spionagevorwürfen "Ich habe einen Fehler gemacht"

Stand: 19.02.2016 15:08 Uhr

Polens früherer Präsident Walesa hat die Anschuldigungen, er sei ein kommunistischer Spion gewesen, zurückgewiesen. Gleichzeitig gestand er jedoch "einen Fehler" ein. "Der Täter, der die Wahrheit aufklären kann", lebe noch, schrieb der 72-Jährige etwas kryptisch in einem Blog.

Polens früherer Präsident Lech Walesa hat eine tatsächliche Zusammenarbeit mit der kommunistischen Staatssicherheit in den 1970er-Jahren erneut abgestritten. Er habe im Dezember 1970 keine Mitarbeit begonnen und auch später niemals mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet, versicherte Walesa in einem Blog.

"Ich habe nie Geld angenommen und niemals mündliche oder schriftliche Berichte über irgendjemanden gegeben", schrieb der 72-Jährige. Walesa gestand jedoch ein, "einen Fehler" gemacht zu haben. Mehr könne er nicht zur Wahrheitsfindung beitragen. "Der Mann, der Täter, der die Wahrheit aufklären kann, lebt noch und ich zähle darauf."

Authentisch bedeutet nicht wahr

Walesa reagierte auf Vorwürfe eines staatlichen Instituts, das nach Sicherstellung von Dokumenten im Haus des letzten kommunistischen Innenministers Czeslaw Kiszczak erklärt hatte, es gebe eine Verpflichtungserklärung Walesas gegenüber dem Geheimdienst sowie Berichte und Quittungen aus den Jahren 1970 bis 1976. Lukasz Kaminski, Direktor des für die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit zuständigen Instituts des Nationalen Gedenkens (IPN), schränkte im Nachrichtensender TVN24 jedoch ein, ein authentisches Dokument des Sicherheitsdienstes bedeute nicht, dass auch der Inhalt wahr sei.

Walesa hatte 1980 den Streik der Danziger Werftarbeiter angeführt und der kommunistischen Regierung die Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) abgetrotzt.

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Lech Walesa - Gewerkschaftsführer, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Präsident Polens

Lech Walesa

1967 begann Walesa als Elektriker auf der Leninwerft in Danzig zu arbeiten. Als gewählter Betriebsrat hatte er schon bei den blutig niedergeschlagenen Streiks im Jahr 1970 eine wichtige Rolle gespielt. Nach einer weiteren Streikaktion wurde er 1976 fristlos entlassen. Eine der Forderungen der streikenden Arbeiter auf der Leninwerft 1980 war die Wiedereinstellung Walesas, die am 14. August 1980 dann erfolgte. Walesa wurde dann weltberühmt als Anführer des Streiks. | Bildquelle: picture-alliance / dpa/epa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2016 um 20:00 Uhr.

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