Polens Ex-Präsident Lech Walesa | Bildquelle: AP

Vorwürfe gegen polnischen Ex-Präsidenten Hat Walesa für den Geheimdienst spioniert?

Stand: 18.02.2016 14:39 Uhr

Neue Dokumente sollen belegen, dass Polens Ex-Präsident Walesa für den kommunistischen Geheimdienst gearbeitet hat. Es ist nicht das erste Mal, dass er damit konfrontiert wird. Bereits im Jahr 2000 war er jedoch vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Der polnische Ex-Präsident Lech Walesa hat nach Erkenntnissen des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) in Warschau für den Geheimdienst gearbeitet. Walesas Verpflichtungserklärung sei gefunden worden, sagte der IPN-Direktor Lukasz Kaminski. Es sei "eine handschriftliche Zusage zur Zusammenarbeit" entdeckt worden, unterschrieben mit "Lech Walesa" und dem Tarnnamen "Bolek". Außerdem lägen Quittungen über Honorarzahlungen vor.

Walesa, der sich derzeit im Ausland aufhält, wies die Anschuldigungen umgehend zurück. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", erklärte er. Er werde sich juristisch gegen die neuerlich erhobenen Vorwürfe wehren.

Wie ARD-Korrespondent Henryk Jarczyk berichtet, behauptet Walesa weiter, die Stasi wollte ihn mit diesen Dokumenten "gezielt diskreditieren". Die Kontakte zum Geheimdienst bestreite er gar nicht: Er sei unter Druck gesetzt worden, solche Gespräche zu führen, habe aber nie "wirklich wichtige Informationen" weitergegeben.

Erneute Vorwürfe gegen polnischen Ex-Präsidenten Lech Walesa
tagesschau 20:00 Uhr, 18.02.2016, Griet von Petersdorff, MDR

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Vor mehr als 15 Jahren freigesprochen

Bereits früher war dem Friedensnobelpreisträger in zwei IPN-Büchern vorgeworfen worden, in den 70er-Jahren Werftkollegen für die kommunistische Geheimpolizei SB bespitzelt zu haben. Ein Sondergericht sprach Walesa aber vor mehr als 15 Jahren von allen Spitzelvorwürfen frei.

Das IPN ist das polnische Pendant der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde. Es habe laut Jarczyk trotz der nun entdeckten Dokumente dazu aufgerufen, man solle Walesa nicht vorverurteilen. Er sei ein großartiger Mensch gewesen, der aber auch Schwächen habe.

Walesa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Im Dezember warnte der Freiheitsheld angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem "Bürgerkrieg" in Polen.

Spionagevorwürfe gegen polnischen Ex-Präsidenten Lech Walesa
H. Jarczyk, ARD Warschau
18.02.2016 13:20 Uhr

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