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In vielen Bundesstaaten der USA ist der Wahlkampf quasi vorbei. Die Präsidentschaftskandidaten Obama und McCain konzentrieren sich beim Stimmenfang mittlerweile auf nur noch wenige Staaten, die sogenannten "Battleground-States" oder auch Schlachtfeldstaaten. Hier leben die meisten unentschlossenen Wähler. Aber gerade sie können die ganze Wahl entscheiden.
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington
John McCain und Barack Obama kommen sich näher. Aber nur bei ihren Wahlkampfauftritten. In den großen Vereinigten Staaten treten sie an einem Tag fast zur selben Stunde nur 140 Kilometer voneinander entfernt auf. Der eine in Hershey, dort wo die beliebteste Schokolade für Amerikaner hergestellt wird. Der andere in Chester, einer Stadt mit jahrhundertelanger Geschichte. Beide Orte liegen in Pennsylvania, einem "Battleground-State".
Obama liegt hier in den Umfragen rund 10 Prozentpunkte vor McCain. In seiner Wahlkampfrede warnt er deshalb seine Anhänger, sich nicht zu sehr in Sicherheit zu wiegen: "Wir können es uns nicht leisten, nun nachzulassen und uns zurückzulehnen. Egal, ob es regnet oder schneit. Wir werden wählen, weil es um sehr viel geht."
[Bildunterschrift: Lässt sich vom Vorsprung seines Konkurrenten nicht unterkriegen: John McCain bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania ]
Während Obama vor Übermut warnt, muss McCain seine Anhänger aufmuntern. Er betont, dass noch eine Woche Zeit sei und die Republikaner nur ein paar Punkte zurücklägen. "Unsere Kritiker haben uns bereits abgeschrieben, so wie sie dies zuvor schon ein paar Mal gemacht haben. Mein Gegner fühlt sich bereits als Sieger. Ich bin da vielleicht ein wenig altmodisch. Ich lasse erst einmal die Wähler entscheiden und maße mir nicht an, das Ergebnis schon zu kennen."
Beide Kandidaten geben in Pennsylvania viel Geld für die Werbung aus. Beiden ist wichtig, hier zu gewinnen. Weil Pennsylvania aufgrund der erwarteten Ergebnisse in anderen Staaten die Präsidentschaftswahl 2008 für Obama entscheiden könnte. Deshalb müsse McCain in diesem Staat gewinnen, so Tom Ridge, ebenfalls Republikaner und ehemaliger Gouverneur dieses Staates: "Ich glaube, dass wir uns in Pennsylvania durchsetzen müssen, damit John McCain gewinnt."
[Bildunterschrift: Hofft darauf, die Wahlmänner der "Battleground-States" für sich zu gewinnen: Barack Obama ]
Tom Ridge hat recht. Dies hat mit dem amerikanischen Wahlsystem zu tun. Letztlich geht es um die Mehrheit unter Wahlmännern, mindestens 270 benötigt der Sieger. Je nach Größe eines Staates gibt es entsprechend viele Wahlmänner, für Pennsylvania beispielsweise 21. Und der Sieger in diesem Staat, wie knapp die Entscheidung letztlich auch immer ausfällt, bekommt sie alle.
Schon jetzt sind aus den verschiedensten Staaten, deren Ergebnis als eindeutig vorher gesagt ist, Obama 192 Wahlmänner sicher und McCain 122. In den Staaten, die zu jeweils einem der beiden Kandidaten tendieren, ohne dass das Ergebnis aber schon als relativ sicher gelten kann, kommen für McCain noch einmal 52 Wahlmänner dazu und für Obama 64.
Verwirrend viele Zahlen, die aber eines sagen: Gewinnt Obama alle Staaten, bei denen er in den Prognosen schon als klarer Sieger gilt, und dann noch die, die in seine Richtung tendieren, so brächte ihn Pennsylvania über die magische Grenze von 270 Stimmen und damit ins Weiße Haus.
Ihm käme es dann auf die Staaten gar nicht mehr an, in denen sich die beiden Kandidaten gegenwärtig ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern: Florida und North Carolina, sowie Indiana und Nevada. Alle diese Staaten haben gemeinsam, dass im Moment das Abstimmungsergebnis nicht vorhersehbar ist, Obama aber auch hier in den Umfragen vorn liegt - wenn auch nur ganz knapp.
[Bildunterschrift: Von den Republikanern sind viele Hispanics enttäuscht. Viele von ihnen setzen nun auf den Kandidaten der Demokraten ]
Dabei spielen bei der Entscheidung in diesen Staaten Sonderfaktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle. In Florida etwa ist es das Abstimmungsverhalten der Zuwanderer aus Süd- und Mittelamerika, der Hispanics, wie sie sich selbst nennen. Viele von ihnen stammen von der Zuckerrohrinsel Kuba. Die Mehrheit der Exil-Kubaner steht den Republikanern näher. Haitianer dagegen stimmen überwiegend für die Demokraten. Unter dem Strich heißt dies, so Rosa Kasse, die Sprecherin der "Hispanic Coalition", einer Hilfsorganisation: "Die meisten sind Republikaner und als Republikaner registriert. Viele haben aber ihre Meinung geändert. Sie sagen, wir wählen sie diesmal nicht, weil sie nicht glauben, dass die Republikaner Lösungen für ihre Probleme anbieten können."
North Carolina, ein Staat, der letztmals 1976 demokratisch und damit Jimmy Carter wählte, gilt als Hochburg der Republikaner. Aber selbst in diesem Staat, in dem viele Militärstützpunkte liegen und eine eher konservative Wählerschaft hat, liegt Obama im Moment leicht vorn.
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Zwar werden die Soldaten auch diesmal wieder überwiegend McCain wählen. Doch sei wohl die Anzahl derer deutlich gestiegen, die mit Obama sympathisieren, so Henry Cunningham, der als Militärberichterstatter für die Tageszeitung "Fayetteville Observer" am Rande des legendären Fort Bragg schreibt: "Ich glaube, dass Obama eine überraschende Unterstützung genießt, ganz besonders bei schwarzen Soldaten und bei schwarzen Veteranen."
Das reicht zwar nicht für eine Obama-Mehrheit beim Militär, vielleicht aber für eine Mehrheit in North Carolina. Ganz besonders eng ist es Umfragen zu Folge im Staate Indiana, eigentlich ebenfalls eine Bank für die Republikaner. Dass Obama hier nicht mit noch größerem Abstand führt, erklärt der Demokrat Fred Bauer mit der Hautfarbe des demokratischen Präsidentschaftskandidaten: "Es gibt viele grundlegende Gefühle gegen Schwarze. Wenn er weiß wäre, läge er uneinholbar vorn, hier und auch landesweit."
Eine Vorentscheidung für Barack Obama liegt in der Luft und John McCain will sie verhindern. Barack Obama will den Schlussstrich ziehen. Und so jagen sie beide, wie auch ihre Vize Joe Biden und Sarah Palin in dieser Woche noch durch die Vereinigten Staaten und legen so manchen Stopp in den "Battleground-States" ein. Dort wird im Fernsehen und im Radio geworben, was das Budget der Kandidaten noch hergibt. Im Rest der Vereinigten Staaten aber, da ist der Wahlkampf schon vorüber. Da müssen, wie in den hart umkämpften Staaten auch, nur noch die Wähler ihre Stimme abgeben.
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