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22.03.2010

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Ausland
Nach der Wahl im Iran
Mussawi ruft seine Anhänger zum Trauertag auf
Opposition plant Tag der Trauer

"Der Protest heißt Schweigen"

Die Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi wollen ihre Proteste mit einem Tag der nationalen Trauer fortsetzen. Mit friedlichen Demonstrationen oder Besuchen in den Moscheen solle der bei den Unruhen getöteten Demonstranten gedacht werden, erklärte Mussawi auf seiner Internetseite. Staatlichen Medien zufolge kamen bei den Protesten gegen die Wiederwahl von Amtsinhaber Ahmadinedschad sieben Menschen ums Leben.

In der Innenstadt Teherans hatten sich gestern erneut Zehntausende Mussawi-Anhänger trotz Verbots zu einem fünften Protesttag versammelt, um gegen die umstrittene, angeblich manipulierte Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad zu demonstrieren. Oppositionssprecher hatten zuvor dazu aufgerufen, Ahmadinedschad nicht durch beleidigende Slogans zu provozieren.

ARD-Korrespondent Peter Mezger berichtet, die Demonstranten verhielten sich sehr diszipliniert, einige hätten Blumen in den Händen. Selbst einige Mullahs - islamische Geistliche - sollen sich den Protesten angeschlossen haben und mit großem Beifall von der Menge begrüßt worden sein. Mezger zufolge nehmen die Demonstrationen eher zu als ab. "Ihr Protest heißt Schweigen - das irritiert das Regime", so Mezger. Es sei nun eine neue Taktik erkennbar, mit der die Führung versuche, gegen die immer stärker werdende Bewegung anzukommen. Sie bestehe darin, immer mehr Köpfe der Oppositionsbewegung zu verhaften.

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Nach Augenzeugenberichten trugen die Demonstranten grüne und schwarze Kleidung - Grün als Farbe der Opposition, Schwarz zum Zeichen der Trauer für die in den Vortagen ums Leben gekommenen Demonstranten. Augenzeugen schätzten die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 100.000. Ein massives Polizeiaufgebot sicherte die Innenstadt.

Nationalspieler protestieren bei Länderspiel

Mit grünen Armbändern hatten iranische Fußball-Nationalspieler bei einem WM-Qualifikationsländerspiel gegen Südkorea in Seoul ihre Unterstützung für Mussawi gezeigt. Laut Nachrichtenagentur dpa wurde dieser Protest im fußballbegeisterten Iran als sensationelle Parteinahme gewertet.

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Iranische Fußballfans demonstrieren bei dem WM-Qualifikationspiel gegen Südkorea in Seoul. ]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Irans Nationalmannschaft in Seoul: Manche Spieler tragen grüne Armbänder aus Protest.]
 

ARD-Korrespondent Mezger zufolge waren die Demonstrationen im Iran sogar extra so gelegt worden, dass sie im Anschluss an das Länderspiel begannen. Nicht alle Nationalspieler beteiligten sich an der Aktion; unter denen, die sich beteiligten, sollen der Frankfurter Bundesliga-Profi Mehdi Mahdavikia und der frühere Bayern-Spieler Ali Karimi gewesen sein.

Internet wichtigstes Kommunikationsmittel

Unterdessen wurde die Berichterstattung aus dem Iran weiter erschwert. Blogs und westliche Netzwerkdienste wie Facebook und Twitter sind zu den wichtigsten Informationsquellen geworden, nachdem die iranische Regierung ausländischen Medien als "Sprachrohr für die Bewegung der Krawallmacher" bezeichnete und ihnen verbot, direkt von den Straßenprotesten zu berichten. Reporter dürfen nur aus ihren Büros berichten. Währenddessen zeigt das iranische Staatsfernsehen Bilder, die angeblich Anhänger Mussawis bei Krawallen zeigen.

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Außenministerium bestellt ausländische Botschafter

Videoaufnahme des iranischen Staatsfernsehens von Demonstranten. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das iranische Fernsehen zeigt Demonstrationen in Teheran - ausländische Medien dürfen nicht fotografieren. ]
Aus Protest gegen "ruppige Bemerkungen" mehrerer westlicher Länder im Zusammenhang mit den Wahlen war gestern der deutsche Botschafter im Iran ins dortige Außenministerium bestellt worden. Das bestätigte das Auswärtige Amt, machte jedoch keine Angaben zu Einzelheiten des Gesprächs.

Iranische Medien berichteten, dass auch die Botschafter Tschechiens, Großbritanniens, Italiens, Frankreichs und der Niederlande einbestellt wurden.

Animation:

Animation Politisches System Iran
Weitere Meldungen Das politische System im Iran Die verschiedenen Machtzentren und ihre Beziehungen zueinander. [animation]

Großajatollah unterstützt Mussawi-Anhänger

Unterstützung bekam Mussawi vom ranghöchsten Geistlichen der Opposition: Großajatollah Hossein Ali Montaseri sagte auf seiner Webseite, das herrschende islamische System habe wegen Betrugs keine politische und religiöse Legitimation mehr. Das von der Regierung präsentierte Ergebnis mit dem Erdrutschsieg von Amtsinhaber Ahmadinedschad könne "niemand bei vollem Verstand" akzeptieren.

Bilder:

Demonstrationen im Iran  (Foto: AP)
Bilderstrecke Proteste in Teheran Gegner und Unterstützer Ahmadinedschads sind auf den Straßen [mehr]
Stand: 18.06.2009 03:59 Uhr
 

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