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29.05.2012

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Ausland
Neue Spitze in Bosnien-Herzegowina gewählt
Wahlen in Bosnien-Herzegowina

Muslime stimmen für Wechsel im Staatspräsidium

Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina hat die muslimische Gemeinschaft des Landes offenbar für einen Führungswechsel gestimmt.

Wie die Wahlkommission in Sarajevo nach Auszählung von 75 Prozent der Stimmen bekanntgab, setzte sich der moderate Kandidat Bakir Izetbegovic gegen den nationalistischen Amtsinhaber Haris Silajdzic im Rennen um den muslimischen Posten im Staatspräsidium durch.

Bakir Izetbegovic (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Vertritt künftig die Muslime im Staatspräsidium: Bakir Izetbegovic. ]
Dem dreiköpfigen Staatspräsidium gehören jeweils ein Serbe, ein Kroate und ein Muslim an. Die drei Mitglieder lösen sich alle acht Monate als amtierender Präsident ab.

Izetbegovic, Sohn des verstorbenen ersten bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic, lag den Angaben zufolge mit einem Stimmenanteil von knapp 34 Prozent in Führung. Silajdzic kam mit etwa 27 Prozent dagegen nur auf Rang drei. An zweiter Stelle lag der bosnische Medienmogul Fahrudin Radoncic mit rund 30 Prozent. Izetbegovic hatte im Wahlkampf dafür geworben, die Gräben zwischen den ethnischen Gruppen in Bosnien-Herzegowina zu überwinden.

Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Serben

Während sich bei der Neubesetzung des kroatischen Postens im Staatspräsidium ein deutlicher Sieg von Amtsinhaber Zeljko Komsic abzeichnete, lieferten sich die serbischen Kandidaten Nebojsa Radmanovic und Mladen Ivanic ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wie die Wahlkommission nach Auszählung eines Teils der Stimmen bekannt gab, lag Amtsinhaber Radmanovic mit etwa 50 Prozent knapp vor dem Herausforderer Ivanic (47 Prozent). Die Wahlbeteiligung war mit 55 Prozent etwa so hoch wie vor vier Jahren, teilte die Wahlkommission mit.

Mehrere Abstimmungen im Vielvölkerstaat

Die Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina hatte in einem komplizierten Verfahren eine neue politische Führung gewählt. Abgestimmt wurde neben der Besetzung des Staatspräsidiums über das gesamtstaatliche Parlament sowie über die Parlamente der beiden Gebietseinheiten, der Republika Srpska und der Muslimisch-Kroatischen Föderation.

Die komplexe Staatlichkeit war nach dem Bosnien-Krieg 1995 mit dem Friedensabkommen von Dayton geschaffen worden. Während die beiden Teilrepubliken weitgehende Autonomie genießen, gilt die Zentralregierung als äußerst schwach. Die ethnischen Konflikte lähmen Reformen in dem Land und schmälern dadurch die Aussichten auf einen Beitritt zur NATO und zur EU.

Stand: 04.10.2010 02:22 Uhr
 

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