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Ergebnis der Stichwahl wird veröffentlicht
Mursi oder Schafik - wer wird Ägyptens neuer Präsident?
Die ägyptische Wahlkommission will heute das Endergebnis der Präsidenten-Stichwahl veröffentlichen. Dann wird sich zeigen, wer sich zu früh über seinen Sieg gefreut hat - der Muslimbruder Mursi oder der frühere Minister Schafik. Mursis Anhänger unterstellen der Wahlkommission bewusste Verzögerung.
Von Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Das Endergebnis der Stichwahl um das Präsidentenamt wird in Ägypten mit Spannung erwartet. Beide Kandidaten, der Muslimbruder Mohammed Mursi und der ehemalige Mubarak-Vertraute Ahmed Schafik, hatten den Sieg für sich beansprucht. Ursprünglich wollte die staatliche Wahlkommission schon am vergangenen Donnerstag bekannt geben, wer Ägyptens neuer Präsident ist. Der Termin wurde verschoben mit der Begründung, die Kommission müsse zuerst mehr als 400 Hinweise auf Wahlbetrug und Wählermanipulation prüfen.
"Stimmen sind längst ausgezählt"
Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo hatten in den vergangenen Tagen Tausende Ägypter gegen die Verzögerung der Bekanntgabe protestiert. Vor allem viele Anhänger der Muslimbruderschaft unterstellten der Wahlkommission und dem Obersten Militärrat Ägyptens, die Bekanntgabe bewusst hinauszuzögern. "Es hat doch nur politische Gründe, warum das Ergebnis noch nicht veröffentlicht wurde. Die Auszählung der Stimmen war doch schon am vergangenen Montag zu Ende", sagt einer der Demonstranten. "Aber sie haben das Ganze verzögert, damit der Militärrat die Macht im Land behält, sie wollen die Macht nicht abgeben, sie wollen nicht zurück in ihre Kasernen und nur noch die Grenzen schützen. Sie wollen nicht Ägypten dienen und sich dem Präsidenten unterordnen, den das Volk gewählt hat."
Ein anderer meint: "Sie verzögern doch nur, um mit allen Mitteln ihren Kandidaten Schafik durchzubringen. Sie lenken die Leute ab und dann lassen sie ihren Kandidaten gewinnen, um ihre Stellung zu halten. Aber so Gott will, werden die, die Hosni Mubarak losgeworden sind, auch ihn loswerden."
Stichwahl-Ergebnis mit Spannung erwartet
Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo
24.06.2012 01:18 Uhr
Protest gegen Verfassungsänderung
Die Demonstranten hoffen, dass ihr Kandidat Mursi Ende des Monats in das Präsidentenamt eingeführt werden kann. Ihr Protest richtet sich aber auch gegen Verfassungsgrundsätze, die der Oberste Militärrat vor kurzem veröffentlicht hat und die die Machtbefugnisse des neuen Präsidenten stark einschränken: "Ich bin gegen diese Zusätze zur Verfassung. Das ist doch gegen den Willen des Volkes", erklärt ein Demonstrant. "Die Zusätze beschränken die Rechte des Präsidenten und des Parlaments und geben alle Macht dem Militärrat. Der Militärrat versucht, länger an der Macht zu bleiben, als er sollte. Das ist das politische Spiel, das sie mit uns spielen."
Diesem grundsätzlichen Protest gegen den Militärrat haben sich auch einige Revolutionsgruppen angeschlossen. Mursi selbst hat inzwischen Verhandlungen mit Revolutionsgruppen und Demokratieaktivisten begonnen. Angeblich will er ein breites Bündnis der Gruppen für die politische Zukunft des Landes schmieden, um gemeinsam gegen ein Wiedererstarken der alten Machteliten aus der Mubarak-Ära zu kämpfen.
Stand: 24.06.2012 01:41 Uhr
