ÖVP-Chef Sebastian Kurz, der österreichische Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (l-r) | Bildquelle: dpa

Wahl in Österreich Es wird alles anders - aber wie?

Stand: 15.10.2017 04:29 Uhr

Verdruss über die rot-schwarze Koalition in Österreich, ein Wahlkampf mit Schmutzkampagnen - und Rechtspopulisten, die für die FPÖ daraus Kapital schlagen wollen: Bei der heutigen Wahl in Österreich ist der Konservative Kurz Favorit, doch gerade vom FPÖ-Ergebnis hängt vieles ab.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Ein älterer Herr, der am Wiener Stadtrand seinen Hund spazieren führt, gibt sich resigniert: "Es wird sich nicht viel verändern. Ich hoffe nur, dass das was versprochen worden ist, eingehalten wird - aber bis jetzt ist das immer negativ ausgegangen."

Außenminister Kurz als Favorit

Einer, der Veränderung verspricht, ist Sebastian Kurz. Was die Umfragewerte anbetrifft, gilt der 31-jährige Außen- und Integrationsminister als aussichtsreichster Kandidat für das Kanzleramt. Kurz ist es gelungen, die lahmende konservative Volkspartei ÖVP neu zu erfinden und sie als frische und junge Bewegung zu positionieren.

Das betont Kurz immer wieder, auch im Wahlkampfabschluss: "In der Vergangenheit hat es eigentlich nie an Programmen, Ideen und Visionen gemangelt. Sondern woran es gefehlt hat, das war oftmals Kraft, Mut und Entschlossenheit, diese auch umzusetzen. Und genau das ist unser Angebot bei dieser Wahl."

Pannenserie bei Sozialdemokraten

Bei den Sozialdemokraten im traditionellen Zelt am Wiener Burgtheater gibt man sich kämpferisch - Bundeskanzler und Spitzenkandidat Christian Kern nutzt die letzten Wahlkampfmeter, um seine Wähler zu mobilisieren: "Ich möchte Euch einen Vorschlag machen: Jeder von euch überzeugt noch drei Leute, uns am Sonntag eine Stimme zu geben und ich garantiere euch, diese Party hier und heute wird nicht die letzte gewesen sein. Wir werden gewinnen, ihr werdet es sehen."

Österreich stimmt über seinen Nationalrat ab
tagesschau 13:15 Uhr, 15.10.2017, Till Rüger, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Glaubt man den Umfragen, ist ein Sieg der Sozialdemokraten unwahrscheinlich. Im Wahlkampf stolperte die SPÖ von einer Panne in die nächste - 14 Tage vor der Wahl wurde bekannt, dass aus dem SPÖ-Wahlkampfteam manipulierte Facebookseiten gesteuert wurden, mit dem Ziel den politischen Gegner zu beschädigen.

Rechtspopulisten könnten zweitstärkste Kraft werden

Die SPÖ liefert sich seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei mit der rechtspopulistischen FPÖ. Ihr Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache bemühte sich im Wahlkampf um einen gemäßigten Tonfall und profitierte von der Wechselstimmung im Land: Viele Österreicher haben genug von der großen Koalition aus ÖVP und SPÖ, die das Land mit wenigen Unterbrechungen praktisch ununterbrochen regiert.

Heinz-Christian Strache versucht daraus auch im Wahlkampfabschluss Kapital zu schlagen: "Die Freiheitliche Partei Österreich ist die einzige Kraft für eine wirkliche und notwendige Veränderung in unserem Land."

Nationalrat im Ausweichquartier in der Hofburg | Bildquelle: dpa
galerie

16 Parteien wollen in den Nationalrat einziehen.

Welche Koalition wird kommen?

Erwartet wird, dass keine der drei großen Parteien die absolute Mehrheit erreichen wird, der Wahlsieger wird also auf Koalitionspartner angewiesenen sein. Rechnerisch möglich ist eine Neuauflage der großen Koalition aus ÖVP und SPÖ, ebenso ein Bündnis der Sozialdemokraten mit den Rechtspopulisten von der FPÖ.

Die größten Chancen werden aber einer bürgerlich-rechtspopulistischen Koalition aus ÖVP und FPÖ eingeräumt. Peter Filzmaier, Wahlexperte des ORF und Politikwissenschaftler, hält den Wahlausgang aber noch für völlig offen und warnt davor, die Umfragewerte allzu ernst zu nehmen: "Ich habe eine große Umfragen-Skepsis, was die öffentlich zugänglichen Umfragen anbetrifft, weil sie über einen zu langen Zeitraum auffallend zu ähnlich waren. Statistische Zufallsfehler, die eigentlich vorkommen müssten, sind da nicht aufgetreten und das stimmt mich eben misstrauisch".

Heinz-Christian Strache von der FPÖ, Kanzler Christian Kern und Außenminister Sebastian Kurz stehen in einem Fernsehstudio. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Heinz-Christian Strache von der FPÖ, Kanzler Christian Kern und Außenminister Sebastian Kurz.

Hinzu kommt, dass viele Österreicher noch nicht entschieden haben, wem sie ihre Stimme geben werden. Das Wiener Wahlforschungsinstitut SORA schätzt die Zahl dieser unentschlossenen Wähler auf etwa eine Million. Das gebe es noch Potential für Last-Minute-Bewegungen. Offen bleibt auch die Frage, welchen Einfluss die Skandale der letzten beiden Wahlkampfwochen auf ihre Wahlentscheidung haben werden.

Insgesamt 6,4 Millionen Österreicher sind zur Wahl aufgerufen,  fast 900.000 haben bereits per Briefwahl abgestimmt, so viele wie noch nie. Experten gehen davon aus, dass die Wahlbeteiligung hoch sein wird, weil der emotional geführte Wahlkampf zu einer Politisierung der Gesellschaft geführt habe. Erste Ergebnisse werden um 17 Uhr erwartet, wenn die Wahllokale schließen.

Österreich wählt ein neues Parlament
Srdjan Govedarica, ARD Wien
14.10.2017 22:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 15. Oktober 2017 die tagesschau um 04:25 Uhr und 09:59 Uhr sowie Deutschlandfunk um 05:00 Uhr und Inforadio um 08:07 Uhr.

Darstellung: