Wahlhelfer in Liberia | Bildquelle: REUTERS

Wahlen in Liberia Ex-Fußballstar gegen Vizepräsident

Stand: 10.10.2017 03:27 Uhr

Wer folgt auf Friedensnobelpreisträgerin Johnson-Sirleaf? 20 Kandidaten bewerben sich in Liberia für das Präsidentenamt. Als Favoriten gelten Vizepräsident Boakai und Ex-Fußballstar Weah. Beide stünden vor großen Herausforderungen.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Wohin man in Liberias Hauptstadt auch blickt. An Hauswänden, Busstationen und Laternenmasten hängen Wahlplakate. Lautstark zogen hier in den vergangenen Wochen Anhänger der verschiedenen Wahlkampagnen durch die Straßen.

Die Wahl in Liberia gilt als historisch: Das erste Mal seit mehr als 70 Jahren wird ein demokratisch gewählter Präsident friedlich die Macht an seinen Nachfolger übergeben. In diesem Fall ist es sogar Afrikas erste demokratisch gewählte Präsidentin: Ellen Johnson-Sirleaf.

Präsidentschaftswahlen in Liberia
tagesschau 12:00 Uhr, 10.10.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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"Liberia muss bereit sein"

Johnson-Sirleaf gibt nach zwei limitierten Amtszeiten ihr Amt freiwillig ab - und sieht die Wahl als Bewährungsprobe für ihr Land: "Liberia muss bereit sein. Es ist ein Wandel, auf den das ganze Land jetzt gespannt wartet. Er ist wichtig für Liberias Zukunft, er ist historisch. Ja, es gibt Herausforderungen mit unserem Wahlsystem, aber wir sind dabei, sie zu bewältigen."

Die Friedensnobelpreisträgerin ist beliebt und einflussreich im Ausland, aber umstritten in ihrer Heimat. Ihr wird vorgeworfen, Familienmitgliedern zu hohen Ämtern verholfen zu haben. Der Kampf gegen die Korruption fruchtet kaum. Die Wirtschaft zeigt wenig Fortschritt.

Die jemenitische Journalistin Tawakkul Karman, die liberianische Bürgerrechtlerin Leymah Gbowee und Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf (v.l.n.re.)
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Johnson-Sirleaf (rechts) - hier bei der Nobelpreisverleihung 2011 - tritt nicht mehr an.

Trotzdem: Für afrikanische Frauen gilt sie als Vorreiterin und Vorbild. Die 78-Jährige brachte nach blutigen Bürgerkriegen und der Terrorherrschaft von Ex-Diktator Charles Taylor Frieden ins Land.

Vizepräsident im Zwist mit Johnson-Sirleaf

Vizepräsident Joseph Boakai (li.) sitzt bei einer Wahlkampfveranstaltung auf einem Stuhl. | Bildquelle: REUTERS
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Vizepräsident Joseph Boakai (li.) gilt als einer der Favoriten.

20 Kandidaten treten bei der Präsidentschaftswahl an. Einer der aussichtsreichsten ist Joseph Boakai, der derzeitige Vizepräsident der regierenden Einheits-Partei. Er befindet sich im Zwist mit der Präsidentin und wurde im Wahlkampf nicht von ihr unterstützt.

Boakai verspricht dringend notwendige Arbeitsplätze. Er meint: "Mit all den Ressourcen, die wir haben, mit dem landwirtschaftlichen Potenzial, das wir haben, mit den Minen, da sollten wir nicht auf ausländischer Hilfe angewiesen sein!"

Vom Fußballer zum Präsidenten?

Boakais stärkster Gegenkandidat ist ein Ex-Fußballstar, Volksheld und Senator. George Weah war einst Spieler bei Paris Saint-German und dem AC Mailand. Er trat schon bei der letzten Wahl an und unterlag der amtierenden Präsidentin in der Stichwahl.

Weah will die Bildung und das Gesundheitssystem verbessern und Frieden zwischen zerstrittenen Religionsgruppen schaffen.

Umstrittene Hilfe

Ex-Fußballstar George Weah umringt von Unterstützern | Bildquelle: AFP
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Auch Ex-Fußballstar George Weah hat viele Unterstützer.

Einer seiner größten Vorteile verschafft Weah aber gleichzeitig Kritik: Er wird unterstützt von Jewel Howard-Taylor, der Ex-Frau des früheren Diktators Taylor. Der sitzt eine 50-jährige Haftstrafe wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit ab. Seine Ex-Frau ist Senatorin und gilt als einflussreich. Mit ihrem bevölkerungsreichen Bezirk soll sie dem Ex-Fußballstar Weah zu vielen Wählerstimmen verhelfen.

Während des Wahlkampfes machte beiden aber die Nähe zum Ex-Diktator zu schaffen. Immer wieder hätten sie sie dementieren müssen, Kontakt zum Ex-Diktator zu halten, beklagt Weah: "In unserer Gesellschaft hat fast jeder am Krieg teilgenommen. Wenn Sie also mit dem Zeigefinger auf Leute zeigen wollen, könnte sich am Ende niemand mehr zur Wahl stellen. Die, die heute im Rennen sind, - fast jeder von ihnen war im Krieg. Jeder war Charles Taylors Freund."

Viele leben unterhalb der Armutsgrenze

Gleich, wer am Ende das Präsidentschaftsamt ergattern wird, die Wahlen in Liberia werden zur Bewährungsprobe. Der Frieden im Land ist fragil. Liberia ist immer noch eine der ärmsten Nationen der Welt, mehr als zwei Drittel der Menschen leben unter der Armutsgrenze, viele haben nicht genug zu essen. Die Strom-, Wasser- und Gesundheitsversorgung ist für die meisten Bewohner schlecht.

Wirtschaftlich stagniert das Land, es gab in den drei vergangenen Jahren kein Wachstum. Liberia befindet sich immer noch im Schockzustand nach der Ebola-Epidemie, die rund 5000 Menschen das Leben gekostet hat.

Die Rohstoffpreise, insbesondere für wichtige Exportprodukte wie Kautschuk oder Eisenerz, sind eingebrochen. Die Menschen im Land erwarten, dass sich ihr Leben verbessert, aber vor allen Dingen wollen sie eins.

Ein Kind blickt in Monrovia auf einen See. | Bildquelle: AFP
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Liberia kämpft mit Armut, den Folgen von Ebola und niedrigen Rohstoffpreisen - in welche Zukunft blickt dieses Kind?

Hoffnung auf Frieden und Ruhe

"Liberia braucht viele Dinge. Zuallererst Frieden", sagt ein Mann. "Zweitens brauchen wir Jobs, um uns und unsere Familien zu unterstützen."

Und diese Frau hofft einfach: "Es gibt nicht viel, was es über die Parteien zu sagen gibt, außer: lasst es ruhig ablaufen und friedlich."

Es wird wohl ein Mann

Kommt keiner der Präsidentschaftskandidaten über 50 Prozent, wird es zur Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten kommen. Nahezu sicher ist aber: dieses Mal wird keine Frau an die Spitze des Staates gewählt werden. Die einzige Frau im Rennen um das Präsidentschaftsamt gilt als chancenlos.

Liberia wählt neuen Präsidenten
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
09.10.2017 23:18 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Oktober 2017 um 22:15 Uhr.

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