Eine Frau wählt in Ecuador. | Bildquelle: AFP

Neuer Präsident Ecuador wählt - Assange bangt

Stand: 02.04.2017 07:20 Uhr

Zehn Jahre war der linke Correa Präsident, nun bestimmt Ecuador in einer Stichwahl einen neuen Staatschef. Für das Land ist es eine Richtungsentscheidung, für WikiLeaks-Gründer Assange möglicherweise das Ende seines Asyls in der Botschaft in London.

In einer richtungsweisenden Stichwahl bestimmen die Bürger in Ecuador heute einen neuen Präsidenten. In Umfragen liegt der linke Regierungskandidat Lenín Moreno von der Partei Alianza País (AP) knapp vor dem Konservativen Guillermo Lasso von der Partei Creando Oportunidades ("Chancen schaffen"), doch viele der 12,8 Millionen Wahlberechtigten sind noch unentschieden.

Wende oder weiter so?

Lenin Moreno | Bildquelle: AP
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Gegensätzliche Kandidaten: Der Sozialist und Verwaltungsfachmann Moreno ist der Kandidat des scheidenden linken Präsidenten Correa...

Guillermo Lasso | Bildquelle: REUTERS
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...Der konservative Oppositionskandidat Lasso hingegen will mit
der linken Regierungspolitik brechen und verspricht Steuererleichterungen.

Bei der Wahl zwischen Moreno und Lasso geht es darum, ob das Land am Äquator weiter vor allem auf Verstaatlichungen und einen Ausbau der Sozialprogramme setzt - oder ob es wie in anderen Ländern Südamerikas eine Wende mit weniger Staat und einer stärkeren Öffnung für private Investoren bevorzugt.

Der 64-jährige, frühere Vizepräsident Moreno steht für die Fortführung der Politik des amtierenden Präsidenten Rafael Correa. Er will die Sozialprogramme ausweiten und setzt verstärkt auf Tourismus. Der konservative Lasso wirbt dagegen für einen radikalen Politikwechsel. Der 61-jährige Ex-Bankier und Millionär will die Wirtschaft liberalisieren und das Justizsystem reformieren.

Asyl-Ende für Assange?

Sollte Lasso gewinnen, bedeutet dies wohl für WikiLeaks-Gründer Julian Assange das Ende seines seit 2012 bestehenden Asyls in der ecuadorianischen Botschaft in London. Lasso hatte bereits angekündigt, diese Maßnahme dann zu ergreifen. Wenn Assange die Botschaft in London verlassen muss, droht ihm die Auslieferung an Schweden oder die USA und eine lange Haftstrafe.

Ecuador am Scheideweg: Stichwahl um das Präsidentenamt
I. Marusczyk, ARD Buenos Aires
02.04.2017 08:40 Uhr

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Daten zu Ecuador

Ecuador ist das einzige Land in Südamerika, in dem der US-Dollar heute die offizielle Währung ist. Neben Vulkanen und den Galapagos-Inseln lockt auch ein Teil des Amazonasgebiets Touristen an. Das Land grenzt an Kolumbien im Norden, im Süden und Osten an Peru und hat 16,2 Millionen Einwohner. 85 Prozent sind katholisch, es gibt viele indigene Gemeinschaften.

Durch die Förderung von Ölvorkommen hat Ecuador einen erheblichen Modernisierungsschub erlebt: Neue Straßen, Schulen und Krankenhäuser wurden gebaut. Als der Ölpreis fiel, schwächte sich das Wachstum ab. Es wurden daher zeitweise Schutzzölle von 45 Prozent auf Importwaren zum Beispiel aus der EU erhoben, um den Kauf inländischer Produkte zu stärken. Ein Viertel der Beschäftigten arbeitet im Agrarsektor. Ecuador ist einer der größten Exporteure von Blumen und Bananen, zudem setzt es auf hochwertigen Kakao und den Export von Fisch. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2015 fast 6200 US-Dollar (rund 5840 Euro), weit mehr als noch vor zehn Jahren.
Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio am 01. April 2017 um 06:45 Uhr

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