Mauricio Macri | Bildquelle: AFP

Macri ist neuer Präsident Argentiniens Ein Konservativer beendet die Ära Kirchner

Stand: 23.11.2015 05:06 Uhr

Erstmals musste das Präsidentenamt in Argentinien per Stichwahl vergeben werden - und das Ergebnis markiert einen Richtungswechsel: Der konservative Kandidat Macri hat gewonnen und beendet so die Ära Kirchner. Sein Programm: mehr Marktwirtschaft und weniger Staat.

Von Anne Herrberg, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires

"Si se puede": Ja, er hat es tatsächlich geschafft - Mauricio Macri ist neuer Präsident von Argentinien. Kandidat des Oppositionsbündnisses "Cambiemos" ("lasst uns verändern, lasst uns wechseln"). Die Wahlkampfzentrale platzt aus allen Nähten, es regnet Luftballons, es wird gesungen und der Protagonist dieser Party hat feuchte Augen, als er zum Mikrofon greift: "Heute habt ihr mit eurer Wahlstimme das Unmögliche möglich gemacht, viele sind vielleicht schon schlafen gegangen mit der Frage im Kopf: 'Wird es möglich sein, dass wir mit unserer Stimme die Geschichte Argentiniens verändern?' Und ja, es ist so, es ist die Wahrheit, wir haben es geschafft!"

Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri | Bildquelle: AP
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Luftballons und Konfetti für den neuen Präsidenten

Von Links zu Mitte-Rechts

Es ist ein Richtungswechsel nach zwölf Jahren Kirchner-Regierung. Ein Richtungswechsel nach Mitte-Rechts. Macri, von Beruf Ingenieur, ist Sohn eines der reichsten Unternehmer Argentiniens. Er machte als Präsident des Fussballklubs Boca Juniors auf sich aufmerksam und regierte zuletzt acht Jahre die Hauptstadt Buenos Aires. Rund drei Prozentpunkte liegt er nun vor seinem Kontrahenten, dem Regierungskandidaten Daniel Scioli.

Der Gouverneur der Provinz von Buenos Aires war angetreten, das Erbe der scheidenden Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner zu verteidigen - und galt in der ersten Runde Ende Oktober noch als Favorit. Nun hat er dem Gewinner Mauricio Macri gratuliert: "Es wurde ein Wandel gewählt. Möge Gott dem Ingenieur Mauricio Macri den Weg weisen, dass dieser Wandel der Beste für das Wohl unseres Landes und unseres Volkes ist ."

Keine Selbstkritik, aber ein Appell an den neuen Präsidenten Argentiniens, auf den Errungenschaften der vergangenen zwölf Jahre Kirchner-Regierung aufzubauen. Im Wahlkampf hatte Scioli Macri als Hardliner dargestellt. Als denjenigen, der das Land zurück in den Neoliberalismus der 1990er-Jahre führen wird, die mit sozialem und wirtschaftlichem Chaos endeten.

Daniel Scioli | Bildquelle: REUTERS
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Ein Lächeln des Unterlegenen: Daniel Scioli gratulierte seinem Gegner bereits zum Sieg.

Angewiesen auf internationale Geldgeber

Macri propagiert mehr Marktwirtschaft und weniger Staat, will im Streit mit Hedgefonds um nicht bezahlte Auslandsschulden eine Einigung erzielen und internationale Geldgeber anlocken. Doch er hat in seinem Wahlkampf auch betont, die sozialen Hilfen für die Ärmsten beizubehalten.

Letztlich ist es ihm gelungen, das Bild des Erneuerers zu vermitteln, der auf Dialog setzt und dem die Leute vor allem zutrauen, die schwächelnde Wirtschaft des Landes wieder auf Kurs zu bringen: "Das ist ein epochaler Wandel, und er muss uns in Richtung Zukunft leiten, deswegen lasst uns keine Energie in Revanchen verschwenden, oder indem wir Quittungen für die Vergangenheit verteilen. Lasst uns alle Energie in den Traum von einem besseren Argentinien investieren. Eines ohne Armut, ohne Drogenhandel, mit Unternehmergeist und starken demokratischen Institutionen. Und ich möchte unseren Freunden in Lateinamerika und in der Welt sagen, wir setzen auf gute Beziehungen und eine gute Zusammenarbeit mit allen."

Konservativer Politiker Macri gewinnt Stichwahl
tagesschau 20:00 Uhr, 23.11.2015, S. Maier, SWR

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Viel mehr als nur eine Stichwahl

Es war nicht nur eine Stichwahl in Argentinien: Der Sieg des Mitte-Rechts-Kandidaten hat Signalwirkung für die ganze Region Lateinamerika. Zumindest im linken Lager macht man sich Sorgen. Rund 50 Politiker und Intellektuelle hatten im Vorfeld ein Manifest unterzeichnet, darunter der bolivianische Präsident Evo Morales aber auch der brasilianische Befreiungstheologe Frei Betto. Der Wahlsieg des rechts-konservativen Oppositionskandidaten Macri bedeute den Vormarsch der "konservativen Restauration" in Lateinamerika. Einen Wandel, das bedeutet er auf jeden Fall.

Mauricio Macri gewinnt Stichwahl um das Präsidentenamt
A. Herrberg, ARD Buenos Aires
23.11.2015 05:22 Uhr

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