Parlamentswahl: Ein Demokratietest für Albanien

Parlamentswahl im Balkan-Staat

Ein Demokratietest für Albanien

Ein Toter, zwei Verletzte, mehrere Schlägereien - für albanische Verhältnisse war es dennoch eine ruhige Wahl. Sie gilt auch als Demokratietest für den Balkanstaat. Zwischen den Kandidaten Berisha und Rama wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

Von Karla Engelhard, ARD-Hörfunkstudio Wien

Wähler in Tirana (Bildquelle: dpa)
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Auch dieses Ehepaar aus der Hauptstadt Tirana hat seine Stimme abgegeben.

Schüsse, Schlägereien, ein Toter, zwei Verletzte und schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die wegsehe, statt für Ordnung zu sorgen - trotz alledem sprechen die albanischen Medien von einer ruhigen Wahl für albanische Verhältnisse. Ein junger Wähler in Tirana meint überzeugt: "Diese Wahl ist korrekter als die vor vier Jahren. Natürlich gibt es noch immer Gewalt und Manipulationen, aber nicht mehr so ungebremst wie früher."

Hunderte nationale und internationale Wahlbeobachter sind im Einsatz. Für die Europäische Union gilt die Parlamentswahl als Reifetest für die Demokratie in Albanien.  Der die Wahl beobachtende Europaparlamentarier Eduard Kukan zeigte sich beunruhigt über die Gewaltausbrüche. Der Slowake meinte aber zugleich: "Wir hoffen, dass Albanien den Demokratietest besteht und weiter Richtung Europa geht."

Kopf-an-Kopf-Rennen wird erwartet

Nach Europa wollen beide konkurrierenden Blöcke Albanien führen. Die rund 3,3 Millionen Wähler müssen entscheiden, ob sie die rechtskonservativen Demokraten unter Sali Berisha weitere vier Jahre regieren lassen wollen, oder ob es einen Wechsel zu den Sozialisten um Edi Rama geben wird. Zwar gibt es keine verlässlichen Umfragen, aber es wird ein Kopf-an Kopf-Rennen erwartet.

Der Sozialist Rama ist 20 Jahre jünger als der knapp 70-jährige Berisha. Der ehemalige Basketballer und Künstler steht für einen Generationswechsel bei seinen Sozialisten und für unkonventionelle Lösungen. Als Bürgermeister von Tirana ließ er in seiner Amtszeit die grauen Wohnblöcke aus der Hodscha-Diktatur bunt bemalen und illegale Bauten abreißen, um öffentlichen Raum wie Parks und Boulevards für die Bürger zu schaffen.

Sali Berisha (Bildquelle: AP)
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Zwei Kandidaten, ein Ziel: Sowohl der amtierende Regierungschef Sali Berisha...

Edi Rama bei der Stimmabgabe (Bildquelle: AFP)
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... als auch sein Herausforderer Rama wollen Albanien in die Europäische Union führen.

Berisha: Ich werde das Wählervotum akzeptieren

Die Parlamentswahlen 2009 verloren die Sozialisten unter Rama. Sie setzten daraufhin auf Protest, Blockade und Hungerstreik. Damit legten sie die  Regierungsarbeit für gut eineinhalb Jahre lahm. Auf dem Höhepunkt der Proteste wurden auf einer Anti-Regierungs-Demonstration vier Menschen in Tirana von Berishas Garde erschossen.

Ein vom Wahlkampf völlig heiserer Berisha versprach nachdem er gewählt hatte: "Ich versichere, dass  ich das Wählervotum vollkommen respektieren werde. Diese Wahl ist entscheidend für die kommenden vier Jahre, für Ihren Wohlstand, für Ihre Arbeitsplätze und für die Integration Albaniens in die EU."

Das offizielle Wahlergebnis wird noch am Abend erwartet. Allerdings werden die Stimmen von Parteimitgliedern ausgezählt. Das hat in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen und Streit geführt.

Ruhige Parlamentswahl in Albanien trotz Auseinandersetzungen
K. Engelhard, ARD Wien
23.06.2013 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juni 2013 um 09:55 Uhr.

Stand: 23.06.2013 17:23 Uhr

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