Donald Trump | Bildquelle: dpa

Demokratensieg in Alabama Schwere Schlappe für Trump

Stand: 13.12.2017 06:45 Uhr

Der Wahlsieg des demokratischen Kandidaten Doug Jones in Alabama ist ein Rückschlag für all jene Republikaner, die aus der Partei eine rechtspopulistische Bewegung machen wollen. Für den US-Präsidenten tritt nun genau das ein, was er vermeiden wollte.

Eine Analyse von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Dieses Wahlergebnis ist eine Sensation. In einem der konservativsten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten hat zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert ein Demokrat eine wichtige Wahl gewonnen. Für Amerika ist das so, als würde in Bayern die SPD gewinnen.

Moore - ein Seelenverwandter von Trump

Für US-Präsident Donald Trump ist dies in mehrfacher Hinsicht eine herbe Schlappe. Gegen den Rat der Parteiführung hatte sich Trump voll hinter den umstrittenen Kandidaten der Republikaner gestellt, den erzkonservativen Richter Roy Moore. Und das, obwohl dieser von mehreren Frauen glaubhaft der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde. Darunter auch eine Frau, die damals erst 14 Jahre alt war.

Trump, der selbst mehrere Frauen belästigt haben soll, hatte sich auch deshalb für Moore stark gemacht, weil er in ihm einen Seelenverwandten sah - einen, der provozierte, der das Establishment aufmischte und der bewusst politisch inkorrekt war.

Klammheimliche Freude bei traditionellen Republikanern

Die Wahlniederlage von Moore und Trump ist auch ein Rückschlag für all jene Kräfte, die aus der Republikanischen Partei eine rechtspopulistische Bewegung machen wollen. Traditionelle Republikaner und moderate Konservative werden sich klammheimlich über Moores Wahlniederlage freuen.

Die Senatswahl in Alabama ist auch eine Quittung für die bisherige Politik von Donald Trump: Selbst im tiefen Süden sind die Wähler unzufrieden mit dem chaotischen Regierungsstil des Präsidenten und der Art, mit der er das Land spaltet.

Frischzellenkur vor den Halbzeitwahlen

Die bitterste Konsequenz dieser Wahl für Trump: Der Stimmenvorsprung im Senat schrumpft auf nur noch eine Stimme. Damit steht auch seine große Steuerreform auf wackeligen Füßen. Nun tritt ein, was er unter allen Umständen vermeiden wollte.

Für die Demokraten ist der Wahlsieg in der republikanischen Hochburg Alabama wie eine Frischzellenkur rechtzeitig vor den Halbzeitwahlen 2018. Auch dank des Last-Minute-Einsatzes von Barack Obama gelang es in Alabama, Afroamerikaner und Jungwähler zu mobilisieren. Das Erdbeben von Alabama ist letztlich auch ein Sieg für Frauen in den USA, die Me-Too-Bewegung und die "Washington Post". Ohne deren gut recherchierte Berichte wäre das wahre Gesicht des erzkonservativen Richters verborgen geblieben.

Wahl in Alabama - schwere Schlappe für Trump
Martin Ganslmeier, ARD Washington
13.12.2017 06:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Dezember 2017 um 7.01 Uhr.

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