Empörte Reaktionen auf Vorschläge der US-Waffenlobby

Waffengesetze in den USA - NRA

Kritik an Vorschlägen der US-Waffenlobby

"Unverantwortlich", "krank", "durchgeknallt"

Mehr Waffen - der Vorschlag der US-Waffenlobby zum Schutz vor Amokläufen hat Empörung hervorgerufen. Der Bürgermeister von New York sprach von einer "paranoiden" Vision Amerikas. Auch die Kommentare in der US-Presse waren eindeutig. Kein Kommentar kam hingegen von Präsident Obama.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Selten waren zumindest Journalisten und Politiker gleichermaßen so gespannt auf eine Pressekonferenz wie auf diese. Schließlich äußerte sich die NRA-Spitze zum ersten Mal nach dem Massaker von Newtown, und voraus gegangen waren mehrere Auftritte von Präsident Barack Obama nach dem Motto "Genug ist genug". Doch selten gab es nach einer Pressekonferenz so wenige Kommentare von Politikern wie nach diesem Auftritt der Waffenlobby. Auch der Präsident äußerte sich nicht.

Reaktionen auf den NRA-Vorschlag
S. Hasselmann, MDR Washington
22.12.2012 18:46 Uhr

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Der republikanische Abgeordnete Tim Huelskamp aus Kansas traute sich auf NBC immerhin vor: Er glaube einfach nicht, dass ein Verbot von halbautomatischen Sturmgewehren und bis zu 30 Schuss-Magazinen irgendwem helfen würde. Er sei wie die NRA-Spitze der Meinung, dass "nicht die Waffen, sondern die Menschen das Problem" sind. Er selbst habe einen elfjährigen Sohn. Sein Lösungsvorschlag: "Eltern, schaut euch an, wie ihr mit euren Kindern umgeht. Schenkt ihr ihnen auch diesmal zu Weihnachten wieder Gewalt- und Killerspiele?" 

"Paranoide Version der USA"

Dagegen erklärte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schriftlich zu dem "beschämenden Ausweichen" der NRA vor der nationalen Krise: "Statt Lösungen zu einem Problem anzubieten, das sie mit geschaffen hat, zeigte sie eine paranoide Vision eines noch gefährlicheren und gewalttätigeren Amerikas, wo jeder bewaffnet und kein Ort sicher ist."

Wayne LaPierre, Vizechef der US-Waffenlobby NRA (Bildquelle: AFP)
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Wayne LaPierre, Vizechef der US-Waffenlobby NRA

Tatsächlich hatte NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre den Kongress aufgefordert, dafür zu sorgen, künftig vor jede der mehr als 130.000 amerikanischen Schulen bewaffnete Wachleute zu stellen. Die hätten ein Massaker wie jenes in der Grundschule von Newtown verhindern können, argumentierte er. Aber: "Politiker haben Schulen per Gesetz zu waffenfreien Zonen erklärt und damit jedem kranken Killer in Amerika bedeutet, dass Schulen der sicherste Ort für ihre Verbrechen sind. Wie konnten wir unser Prioritäten derart durcheinander bringen? Wir sorgen uns um unser Geld, also schützen wir die Banken mit bewaffneten Wachleuten." Das Gleiche gelte für Bürohäuser, Gerichte, Sportstadien, den Präsidenten und die Kongressmitarbeiter. "Doch wenn es um die am meisten geliebten, unschuldigen, zerbrechlichen Mitglieder unserer amerikanischen Familie geht - um unsere Kinder - dann lassen wir die jeden Tag höchst wehrlos."

"Ein bisschen irre"

Protest gegen die Waffenlobby in den USA (Bildquelle: dpa)
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Protest gegen die Waffenlobby in den USA

Die NRA will auf eigene Kosten eine Machbarkeitsstudie erstellen. Zudem hatte LaPierre klar gemacht, dass die 4,3 Mio Mitglieder zählende Organisation amerikanischer Schusswaffenbesitzer weiterhin keinen Anlass sieht, ihren politischen Widerstand gegen ein Verbot von hochleistungsfähigen Sturmgewehren oder gegen die Registrierung von Käufern und Waffen aufzugeben.

"Unverantwortlich", "krank", "durchgeknallt" - so viele Kommentare in der Presse. Der Direktor der Bürgermeisterinitiative "Mayors against Guns", Mark Glaze, sagte auf MSNBC: "Man sagt uns, wir sollten Wayne LaPierre nicht als verrückt bezeichnen. Doch sogar die rechts-konservative Zeitung aus dem Rupert-Murdoch-Imperium "New York Post" titele über dem Foto des NRA-Chefs: "Gun Nut" (etwa: Waffenidiot). Das belege: "Auch viele Waffenbesitzer finden ein bisschen irre, was LaPierre gestern gesagt hat."

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Die NRA erklärte, sie habe nach der Pressekonferenz sehr viele Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten - und zwar überwiegend positive. Die gesetzestreuen Amerikaner möchten ihr Recht auf Privatbesitz von Schusswaffen nicht durch übereifrige Politiker eingeschränkt sehen, und viele fänden es auch angezeigt, bewaffnete Beamte vor die Schulen zu stellen.

Laut einer ersten Analyse der Agentur Slate.com würde dies die Steuerzahler jährlich 5,4 Milliarden Dollar zusätzlich kosten. Doch während die einen eine weitere Militarisierung des öffentlichen Lebens ablehnen, finden andere, dass der Schutz der Schulkinder es wert ist. Das kann man in zahllosen leidenschaftlichen Internetdebatten verfolgen. Nur Politiker halten sich bislang auffällig zurück.

Dieser Beitrag lief am 22. Dezember 2012 um 18:22 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 22.12.2012 20:17 Uhr

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