South Dakota erlaubt bewaffnete Lehrer

US-Bundesstaat erfüllt Forderung der Waffenlobby

South Dakota erlaubt bewaffnete Lehrer

Lehrer und Schulbedienstete in South Dakota dürfen künftig im Klassenzimmer Waffen tragen. Drei Monate nach dem Schulmassaker von Newtown, bei dem ein Amokläufer in einer Grundschule 20 Kinder tötete, erlaubt der US-Bundesstaat flächendeckend das Waffentragen in Schulen.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

US-Amerikaner auf einem Schießstand (Bildquelle: dpa)
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Waffen sind in South Dakota in vielen Haushalten zu finden. Künftig dürfen sich auch Lehrer bewaffnen.

South Dakota ist ein extrem ländlicher und dünn besiedelter Bundesstaat. Der nächste Sheriff sei hier häufig eine dreiviertel Autostunde entfernt, sagt der Sprecher des Gouverneurs von South Dakota. "Und unglücklicherweise ist die Welt, in der wir leben, eine Welt der Schulmassaker. Denken sie nur an die Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, denken sie an die Columbine-Highschool oder das Massaker an der Universität Virgina Tec".

Zwar gab es in South Dakota noch keinen einzigen Schulamoklauf. Aber gerade deshalb müsse man jetzt tätig werden: Wir wollen proaktiv handeln und nicht erst reagieren, wenn es bereits zu spät, ist lautet die Einstellung der Republikaner, die im Kongress von South Dakota die Mehrheit haben und auch den Gouverneur stellen.

Angelernte Ersatz-Sheriffs statt professioneller Kräfte

Der republikanische Abgeordnete Scott Craig weist darauf hin, dass die meisten Schulen nicht das Geld hätten, um aus ihrem Etat professionelle Sicherheitskräfte zu bezahlen. Deshalb müsse den Lehrern die Möglichkeit gegeben werden, als Ersatz-Sheriffs zu fungieren: "Wenn jemand in unsere Schule kommt, um unsere Kinder zu erschießen, dann wollen wir den stoppen - und zwar so schnell wie möglich."

Ende letzter Woche beschloss die Republikaner-Mehrheit im Kongress von South Dakota als erstem US-Bundesstaat, dass jeder Lehrer, jeder Schulleiter, jeder Hausmeister und jeder freiwillige Aufseher ab sofort bewaffnet in die Schule kommen darf. Zwar haben zahlreiche Pädagogen und Schulleiter in den vergangen Wochen vehement gegen die Aufrüstung ihrer Schulen protestiert. "Waffen mache unsere Schulen unsicher" lautet ihr Argument.

Lehrer dürfen in South Dakota Waffen in Schule tragen
R. Sina, WDR Washington
11.03.2013 16:01 Uhr

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Parlamentarier erfüllen Forderung der Waffenlobby

Doch die Abgeordneten von South Dakota machten sich das Argument der US-Waffenlobby NRA zu eigen. Die NRA betont seit dem Massaker an der Grundschule von Newtown immer wieder, der einzige, der einen schlechten Menschen mit einer Waffe stoppe, sei ein guter Mensch mit einer Waffe. "Eine großartige Idee", meinen viele Eltern in South Dakota, die ihren Kindern häufig bereits ihr erstes Luftgewehr in die Hand drücken, wenn diese gerade mal zehn Jahre alt sind. Waffen gehören in den meisten Haushalten von South Dakota zur Grundausstattung. Schießwettbewerbe erfreuen sich großer Beliebtheit.

Wenn möglichst viele Lehrer bewaffnet seien, dann werde im Ernstfall schon einer von ihnen treffen, lautet die Einstellung der dortigen Republikaner. Dass Pädagogen die Aufgaben von Sondereinsatzkommandos wahrnehmen sollen, irritiert sie nicht weiter. Schließlich werde keine Schule gezwungen, ihre Lehrer zu bewaffnen. Und wer in South Dakota als Pädagoge bewaffnet vor die Schüler treten will, der soll in Zukunft Schießunterricht erhalten.

Dieser Beitrag lief am 11. März 2013 um 17:38 Uhr auf NDR Info.

Stand: 11.03.2013 15:37 Uhr

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