Volkswagen-Filiale in New York | Bildquelle: dpa

Kosten des Dieselskandals für VW 70 Milliarden Euro und ein kaputtes Image

Stand: 07.10.2015 03:49 Uhr

Wie teuer der Dieselskandal für VW wird, kann niemand genau beziffern. Nach Einschätzung von US-Rechtsexperten könnte am Ende ein Gesamtschaden von bis zu 70 Milliarden Euro auf VW zukommen. Der Löwenanteil davon wird wohl in den USA fällig.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

Die erste saftige Strafe wird vermutlich die US-Umweltschutzbehörde EPA dem VW-Konzern aufbrummen. Weil die knapp 500.000 Diesel-Fahrzeuge von VW die strengen Abgas-Werte in den USA weit überschritten haben, könnte die Umweltschutzbehörde eine Strafe von bis zu 16 Milliarden Euro verhängen. Da sich VW jedoch kooperativ zeigt, dürfte die tatsächliche Strafe deutlich niedriger ausfallen.

"Ganz offensichtlich vorsätzlicher Betrug"

Allerdings war der Verstoß gegen die Vorschriften in den USA kein bloßer technischer Defekt, sondern ganz offensichtlich vorsätzlicher Betrug. Deshalb ermitteln auch das US-Justizministerium sowie die Justizminister von 27 Bundesstaaten. Diese Verfahren könnte VW mit der Einigung auf eine Strafzahlung beenden - ebenfalls in Milliardenhöhe.

Zum Vergleich: General Motors hat sich kürzlich wegen des Zündschloss-Skandals mit dem Justizministerium auf die Zahlung von 900 Millionen Dollar geeinigt. Toyota musste nach dem Skandal um defekte Gaspedale 1,2 Milliarden Dollar zahlen.

Ein weiteres Risiko für Volkswagen: Die für den Betrug verantwortlichen Manager könnten auch persönlich bestraft werden. Bei den Einigungen mit GM und Toyota gab es in den USA heftige Kritik, dass keiner der verantwortlichen Manager verurteilt wurde.

Weitere Milliardenstrafen könnten durch über 230 Sammelklagen aus fast allen US-Bundesstaaten auf die Wolfsburger zukommen - von betrogenen VW-Diesel-Besitzern, von VW-Aktionären, aber auch von VW-Händlern, deren Geschäft eingebrochen ist.

Die Flut von Sammelklagen wird normalerweise zu einem Gerichtsverfahren zusammengefasst. Dies könnte entweder in Los Angeles stattfinden, weil es in Kalifornien die meisten VW-Diesel-Fahrer gibt oder in Alexandria im Bundesstaat Virginia, wo die USA-Zentrale von VW sitzt.

Amerikaner sind nicht nachtragend

Hinzu kommen die Rückruf-Kosten, für die Volkswagen 6,5 Milliarden Euro zurückgelegt hat. Einige Anwälte wollen VW jedoch zwingen, die betroffenen Diesel-Fahrzeuge nicht zurückzurufen, sondern zurückzukaufen. Dies könnte weitere zwei Milliarden Euro kosten.

Unbezahlbar ist schon jetzt der Image-Schaden - gerade in den USA: Hier galt VW als Vorbild in Sachen umweltschonender Technologie. Um diesen Ruf wiederzuerlangen, werden viele teure Image-Kampagnen nötig sein. Einziger Trost für Volkswagen: die Amerikaner sind nicht nachtragend. Auch Konkurrent Toyota hat zehn Jahre nach seinem Debakel mit klemmenden Gaspedalen das Vertrauen der Kunden zurückerobert.

Volkswagen entschuldigt sich bei US-Kunden

Unterdessen hat sich Volkswagen in einem Brief an seine US-Kunden für den Abgasskandal entschuldigt. In einem Schreiben vom 29. September, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, erklärte US-VW-Chef Michael Horn, dass der Konzern das Vertrauen der Fahrzeugkäufer verletzt habe. Er bitte deshalb persönlich die Kunden um Verzeihung. Der Konzern arbeite hart daran, die betroffenen Autos so bald wie möglich in Ordnung zu bringen.

VW-Diesel-Skandal - welche Strafen in den USA drohen
M. Ganslmeier, ARD Washington
07.10.2015 01:51 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 07. Oktober 2015 um 09:10 Uhr bei Inforadio.

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