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Seit Mitte Juli verzeichnen Seismologen auf der kleinsten Kanareninsel El Hierro Hunderte kleinerer Erdstöße. Die meisten sind für die Menschen nicht wahrnehmbar, ein knappes Dutzend waren jedoch stark und deshalb spürbar. Die Beben könnten Vorboten eines Vulkanausbruchs sein. Bislang gingen die Behörden davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr droht, doch jetzt wurden einige Gebiete der Insel vorsorglich evakuiert.
Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid
Auf dem Monitorbild der Wissenschaftler ist der westliche Teil von El Hierro kaum noch zu erkennen. Er verschwindet unter Tausenden kleiner blauer Punkte, die Experten an den Stellen eingetragen, wo sie Beben gemessen haben.
[Bildunterschrift: Unruhiger Untergrund: Das El-Golfo-Tal auf El Hierro ]
Auf El Hierro bebt es seit zwei Monaten fast ständig - auch wenn Menschen die Erdstöße nur selten wahrnehmen konnten. Geoforscherin Carmen Lopez sagt: "Die Aufzeichnungen zeigen nicht ein oder zwei Beben pro Woche, sondern zahlreiche tägliche Beben. Die aufgestaute Energie wird sich weiter entladen, auch in stärkeren Erdstößen. Was wir nicht wissen, ist, ob Lava nach oben dringen wird oder sich alles wieder beruhigt."
Allein in der Nacht zu Mittwoch gab es nach Messungen mehr als 150 schwache Beben - um die 8000 waren es seit Mitte Juli. Zuletzt erreichten einige einen Wert von drei auf der Richterskala. Etwa ab dieser Stärke können Menschen die Erdstöße wahrnehmen, so wie diese Inselbewohnerin: "In meinem Haus habe ich die Beben vorher nicht gespürt - diesmal schon."
Die Inselregierung will deshalb auf Nummer sicher gehen. Sie hat gut 50 Häuser vorsorglich evakuiert. Häuser, die ohnehin in erdrutschgefährdeten Gebieten stehen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagt der Inselbeauftragte für Katastrophenschutz, Joan Manuel Santana: "Die Wissenschaftler haben bestätigt, dass sich die Prozesse beschleunigen, aber das ist nicht ungewöhnlich und es muss nicht zu einem Ausbruch führen. Wir müssen ganz einfach wachsam sein."Eine Schule in der betroffenen Region blieb vorsorglich geschlossen, auch ein Straßentunnel wurde gesperrt. Die Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, tragen es mit Fassung: "Jetzt sind die Stöße kräftiger. Es ist besser vorzubeugen, als hinterher zu jammern."
[Bildunterschrift: Lagebesprechung im Katastrophenschutzzentrum vor der Landkarte der Insel ]
In zehn Kilometern Tiefe vermuten die Wissenschaftler eine Kammer mit flüssigem Gestein, das durch die Beben einen Weg nach oben finden könnte. Dass es ein schwerer Ausbruch droht, glauben sie jedoch nicht. Sie rechnen eher mit einigen ruhigen Lavaaustritten, die langsam talwärts fließen könnten.
Die Wahrscheinlichkeit dafür, das es so weit komme, betrage etwa zehn Prozent, schätzen sie. Und manche auf El Hierro sagen schon, das wäre gar nicht schlecht - so ein kleiner Ausbruch, meinen sie, könnte viele Touristen nach El Hierro locken.
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