Voyager 1 und 2 40 Jahre im All | Bildquelle: dpa

Voyager-Jubiläum Eine Reise in die Unendlichkeit

Stand: 19.08.2017 13:08 Uhr

Vor 40 Jahren startete mit den Sonden Voyager 1 und 2 eine Mission, die das Wissen über das Weltall erheblich erweitert hat. Eigentlich sollte sie nur vier Jahre dauern - doch sie dauert noch immer. Die Reise der Sonden könnte noch Millionen Jahre weitergehen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die beiden Sonden sind Veteranen der Weltraum-Forschung: Voyager 1 ist das menschengemachte Objekt, das mit 21 Milliarden Kilometern am weitesten von der Erde entfernt ist. Voyager 2 hat als einzige Sonde alle vier äußeren Planeten unseres Sonnensystems besucht: Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

In den 40 Jahren ihrer Mission haben sie viele Geheimnisse entschlüsselt, sagte Projektwissenschaftler Ed Stone: "Vor Voyager wussten wir nur von aktiven Vulkanen auf der Erde. Dann flogen wir an Jupiters Mond Io vorbei, der zehnmal so viel Vulkanaktivität wie die Erde hat. Vor Voyager wussten wir nur von Ozeanen auf der Erde. Dann flogen wir am Jupitermond Europa vorbei, der einen Ozean unter seiner Eiskruste hat. Immer wieder haben wir gelernt, dass unser Wissen viel zu beschränkt war."

1/8

Seit 40 Jahren sind die beiden "Voyager"-Sonden im All unterwegs

Voyager 1 und 2 40 Jahre im All

20. August 1977: Eine Titan-Rakete trägt die Raumsonde "Voyager 2" von Cape Canaveral aus ins All. Am 5. September folgt die Zwillingssonde "Voyager 1". |Bildquelle: /NASA/JPL/dpa | Bildquelle: dpa

Programmiersprachen, die nur noch wenige beherrschen

Die Idee zur Voyager-Mission entstand in den 60er-Jahren. Astronomen hatten berechnet, dass sich die vier äußeren Planeten unseres Sonnensystems im Jahr 1980 in einer seltenen Weise aufreihen würden. Das bot die Möglichkeit, dass Sonden mit Hilfe der Anziehungskräfte von einem Planeten zum nächsten springen könnten, was die Reisezeit erheblich verkürzte. Darum starteten die beiden Voyager-Sonden im Jahr 1977 - im Abstand von knapp zwei Wochen. "Wir hatten zwei Sonden, damit die Chance größer ist, dass zumindest eine Erfolg hat", sagt Stone. "Beide hatten Erfolg, in großem Maße."

Zunächst sollte die Mission nur vier Jahre dauern - doch sie dauert noch immer. Das Budget wurde gekürzt, die Techniker und Wissenschaftler wurden mit den Sonden älter. Chefwissenschaftler Stone ist 81 Jahre alt.

Die Erfahrung ist wichtig: Die Sonden haben Computer-Technik der 70er-Jahre an Bord. Sie werden in Programmiersprachen gesteuert, die nur noch wenige beherrschen. Aber noch immer funkten die Sonden regelmäßig ihre Messdaten zur Erde. Ihre Mission: die Grenzen unseres Sonnensystems erforschen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Voyager 1 die Grenze schon überschritten hat und jetzt im Interstellaren Raum unterwegs ist - im Raum zwischen den Sonnensystemen.

Um das Jahr 2030 ist Schluss

Die Energie der Sonden lässt langsam nach. Schon jetzt müssen die Techniker sie ständig umprogrammieren, um mit dem Strom so sparsam wie möglich umzugehen. Rund um das Jahr 2030 ist dann Schluss. Bis dahin hofft das Voyager-Team aber noch auf viele Überraschungen, sagte Stone im National Public Radio (NPR): "Voyager macht immer noch Dinge, die keine Sonde vorher getan hat, und gibt uns immer neue Rätsel auf."

Wenn die Energie aufgebraucht ist, werden die beiden Sonden als Botschafter der Menschheit alleine weiter durchs All fliegen. An Bord haben sie je eine goldene Schallplatte. Aufgespielt sind Bilder von der Erde, Begrüßungen in 55 Sprachen und Musik von verschiedenen Kontinenten. Die Reise der Sonden könnte noch Millionen Jahre weitergehen. Vielleicht findet ja eine andere Lebensform die Sonden - und erfährt vom Leben auf der Erde, selbst wenn unsere Sonne längst erloschen ist.

Vor 40 Jahren startete Voyager-Mission
J. Bösche, MDR Washington
19.08.2017 10:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2017 um 07:49 Uhr.

Darstellung: