Seitenueberschrift

Vorortzug in Schweden gekapert

Geklauter Zug kracht in Wohnhaus

Richard Herrey hörte zuerst ein Geräusch, dann ein lautes Krachen: Genau in diesem Moment fuhr eine 22-jährige Putzfrau einen Stockholmer Vorortzug mitten in das Haus des Musikers, der einst mit seinen Brüdern den Eurovision Song Contest gewann. Die Behörden rätseln nun über die Hintergründe.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Als der 71-jährige Bertil Grandinson heute Nacht die Polizei anrief, wollte ihm zunächst niemand so richtig glauben. "Da steht ein Zug in dem Haus gegenüber", erzählte er - eine nun wirklich absurd anmutende Geschichte, die man eigentlich immer noch nicht so richtig fassen kann.

Zug kracht in Wohnhaus, Polzisten im Vordergrund
galerie

Scherz oder Wahrheit? Die Polizei wusste nicht so richtig, was sie glauben sollte, als der Notruf einging: "Da steht ein Zug in dem Haus gegenüber."

Herr Grandinson aus Nacka bei Stockholm hatte aber Recht mit dem, was er der Polizei erzählte. Der erste Waggon des Vorortzuges Saltsjö-Bahn steht tatsächlich auf voller Länge in der großzügigen Erdgeschosswohnung eines eleganten dreistöckigen Mehrfamilienhauses.

Alle Bewohner kamen mit Schrecken davon

Neun Personen hielten sich in dem Haus auf, als der Zug hineinkrachte. Und alle kamen mit dem Schrecken davon.

Einer von ihnen ist ein Sänger, den in Schweden so ziemlich jeder kennt. Richard Herrey hatte mit den "Herreys" 1984 den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest) gewonnen. Dass er und seine Familie die letzte Nacht unbeschadet überlebt haben, ist für die Polizei ein kleines Wunder.

Gestohlener Vorortzug kracht in Mehrfamilienhaus bei Stockholm
T. Krohn, ARD Stockholm
15.01.2013 17:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Wir wohnen ja direkt an den Gleisen"

"Zuerst hörte man ein langes Geräusch und dann den Crash", erzählt Herrey: "Meine Tochter hatte sofort gesagt: Das muss der Zug sein, weil wir ja direkt an den Gleisen wohnen. Wir sind dann sofort raus aus dem Haus." Herreys Haus liegt 30 bis 40 Meter hinter dem Zugdepot an der Endhaltestelle Saltsjöbaden.

Dort hatte eine junge Frau aus dem Reinigungsteam es irgendwie geschafft, den Zug in Bewegung zu setzen - alleine und offenbar mit einem Schlüssel für den Triebwagen. Die Frau durchbrach mit dem Zug einen Prellbock und der erste der vier Waggons krachte in das Wohnhaus.

Junge Frau kapert Pendlerzug und verursacht Totalschaden
nachtmagazin, 16.01.2013

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Hintergründe der Zugentführung unklar

Die 22-Jährige wurde dabei schwer verletzt. Das Team von Einsatzleiter Thomas Liljedal brachte sie sofort ins Krankenhaus: "Unser Krankenpfleger sagt, es gehe ihr den Umständen entsprechend gut", berichtet Liljedal: "Wie das passieren konnte, wissen auch wir nicht. Wir haben uns nur auf die Rettungsarbeit konzentriert."

Die 22-jährige Frau soll bei Bewusstsein sein und inzwischen auch erste Aussagen gemacht haben. Die Polizei in Stockholm nannte bislang aber keine Einzelheiten. Die Hintergründe dieser doch etwas merkwürdigen Zugentführung sind also immer noch völlig unklar.

Wie ist die Frau an den Schlüssel gekommen?

Auch die Sprecherin des Stockholmer Nahverkehrs, Suss Forssman Thullberg, tappt noch völlig im Dunkeln: "Wir untersuchen das. Was wir wissen ist, dass nur die Zugführer und die Leute, die die Züge im Depot rangieren, einen Schlüssel haben."

Wie also ist die Frau an den Schlüssel gekommen? War das kriminelle Energie? Oder hat der Schlüssel womöglich gesteckt? Die Ermittler haben noch viele offene Fragen. Die Stockholmer Polizei steht mit ihrer Arbeit erst am Anfang. Das Wohnhaus von Herrey und seinen Nachbarn wird kaum noch zu retten sein.

Stand: 15.01.2013 21:16 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

9 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: