Gedenkstätte in Washington

Korea-Veteranen warnen vor Krieg "Dieses Feuer wird größer sein"

Stand: 11.08.2017 02:46 Uhr

Das Säbelrasseln in den USA und Nordkorea geht einigen Amerikanern besonders nah: Veteranen fühlen sich an den Beginn des Korea-Kriegs erinnert. Bei den Kämpfen zwischen 1950 und 1953 starben rund vier Millionen Menschen. Doch "dieses Feuer wird größer sein."

Von Antje Passenheim, ARD-Studio Washington

Korea-Krieg-Veteran Williams in den USA
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Korea-Veteran Williams

Die Fernsehnachrichten am Flughafen von Washington wecken Alpträume. Während US-Präsident Donald Trump mit einem Angriff gegen Nordkorea droht, schaut Doug Williams mit Sorge zu. Williams hat im Korea-Krieg gekämpft und um sein Leben gebangt. Das ist 65 Jahre her, aber immer noch in seinem Kopf: "Wir schossen aufeinander, hatten Angst auf unseren Patrouillen. Es gab so viele Gefechte", erinnert sich der Mitt-Achtziger.

"Ich bin rausgekommen, viele meiner Freunde nicht"

Mit einer Gruppe von Korea-Kriegsveteranen ist er von Chicago nach Washington gekommen. Am Kriegsdenkmal auf der großen Nationalmeile wollen sie der Gefallenen gedenken. Vier Millionen Menschen überlebten nach Schätzungen diesen Krieg 1950 und 1953 nicht. Die meisten aus Korea und China. "Ich bin rausgekommen, viele meiner Freunde nicht." Mit Sorge betrachtet Williams die angespannte Situation.

Sehr gefährlich seien die Kriegsrufe aus Pjöngjang und Washington. Sie erinnerten ihn an damals, als das heutige Nordkorea mit den Chinesen nach Südkorea einmarschiert sei. Und die amerikanischen Soldaten im Rahmen von UN-Truppen gegen sie kämpfen mussten. Williams hofft, dass sich das nicht wiederholt. "Dieses Feuer wird größer sein als das, was ich erlebt habe", sagt er. "Es wäre so schlimm, wenn wir da reingezogen werden würden." Trump sei klug, fällt ihm ein anderer Veteran ins Wort. "Wir können diesen Diktator nicht dulden und sollten ihn von der Landkarte pusten."

Lisa Vetch
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Lisa Vetch mit einem ...

Lisa Vetch
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... Bild ihres Vaters.

"Du kannst nicht diplomatisch mit einem Diktator verhandeln"

Von der ganzen Gruppe überlebte damals nur ihr Vater. Sein Standpunkt sei auch ihrer, sagt sie. "Du kannst nicht diplomatisch mit jemandem verhandeln, der ein Diktator ist." Korea sei eine Bedrohung, sagt eine Frau, die andächtig um die steinernen Soldaten geht, die sich an der Gedenkstätte durch den Efeudschungel schleichen.

Mein Vater hätte da eine ganz andere Meinung, sagt Lisa Vetch, während sie ein altes Foto hervorholt. Es zeigt einen lachenden jungen Mann inmitten anderer US-Soldaten. "Das ist mein Vater", sagt Vetch. Dann fährt sie mit dem Finger über die anderen: "Dieser hier starb im Gefecht, dieser bekam einen Schuss durch den Nacken, dieser wurde auch tödlich verwundet."

"Es macht mir Angst"

Eine Gruppe Chinesen kommt vorbei. Staunend hören junge Studenten ihrem Reiseleiter zu. Rund eine Million Chinesen starben im Koreakrieg. Jetzt kommt der Konflikt schon wieder so nah an sie heran. "Wir wollen Frieden", sagt eine junge Chinesin. Eine Amerikanerin mit einem Zwillings-Kinderwagen stimmt ihr zu: "Es ist anders, das nur im Fernsehen zu sehen. Es macht mir Angst."

Dieses Feuer wird groß - Koreakriegs-Veteranen warnen vor Krieg
Antje Passenheim, ARD Washington
11.08.2017 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 11. August 2017 um 06:13 Uhr.

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