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Sieben Jahre sind die Anschläge des 11. September heute her, inzwischen ist unstrittig, dass radikale Islamisten schuldig am Tod von fast 3000 Menschen sind. Eine kleine, wenn auch lautstarke Minderheit allerdings will dies nicht wahrhaben. Sie sehen dunkle Mächte oder gar die Bush-Regierung selbst am Werk.
Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York
Lässt man den Computer nach dem Stichwort "9/11 conspiracy" - "Verschwörung 11. September" - suchen, findet er in Sekunden über acht Millionen Treffer, und auch auf den Straßen von New York ist das Thema noch immer präsent.
"Ein Gebäude aus Stahlträgern stürzt in sechs Sekunden zusammen, wollen wir mal darüber reden?", so die rein rhetorische Frage eines Verschwörungsaktivisten am Ground Zero. Andere liefern die Antwort gleich mit: Kriminelle aus dem militärisch-industriellen Komplex stecken angeblich hinter den Anschlägen, finstere Mächte, toleriert oder gar unterstützt von der Bush-Regierung.
Selbsternannte Dokumentarfilmer finden damit im Internet ein Millionenpublikum. Die immer wieder kehrende Behauptung. Es ist ganz einfach, das World Trade Center wurde nach sorgfältiger Planung kontrolliert vernichtet, so der Verschwörungs-Vorwurf, den man angeblich auch belegen kann: Der Aufschlag der Flugzeuge habe die Statik der Gebäude nicht wirklich geschwächt, heißt es. Die Temperaturen beim Brand der Twin-Towers seien zu niedrig gewesen, um Stahlträger zum Schmelzen zu bringen.
Bleibt also nur ein Schluss: Die Türme wurden gesprengt, die Detonationswolken seien auf Filmen klar erkennbar.
Für viele spannend, aber auch klar zu widerlegen: "Der Ablauf des Einsturzes kann nur auf den Aufschlag der Flugzeuge und das Feuer zurückgeführt werden, nicht aber auf Sprengsätze", sagt Statik-Experte Matthys Levi, der den Fall eingehend untersucht hat. Richtig sei, dass die Hitze des Feuers das Stahlskelett zwar nicht zum Schmelzen gebracht hat. Sie habe seine Tragkraft jedoch um die Hälfte reduzierte: "Damit fehlt die Stabilität, die darüber liegenden Stockwerke zu tragen", so Levis Berechnungen. Ein Einsturz war damit unabwendbar.
Und die Explosionswolken? Nichts als Luft, komprimiert durch die Masse der aufeinander stürzenden Geschossdecken - wie bei einem gigantischen Akkordeon: "Diese Energie hat die Luft seitlich aus dem Gebäude herausgedrückt", sagt Gene Corley, ein Fachmann für forensische Katastrophenanalyse. Ein riesiger Gebäudekomplex wie das World Trade Center hätte zudem monatelang für eine Sprengung präpariert werden müssen - bis hin zur präzisen Festlegung - und Einhaltung - jener Stellen, an denen die Flugzeuge später in die Türme einschlugen.
Alles logisch, dennoch offenbar für viele nicht überzeugend. Psychologen sagen, der Schrecken des 11. September 2001 war einfach viel zu groß, um rein sachliche Erklärungen zu akzeptieren. Viele suchten Trost im Glauben, andere im Misstrauen gegenüber der Obrigkeit. "Es gibt Menschen, die glauben nicht an organisierte Politik und machen dann jene verantwortlich, zu denen sie das geringste Vertrauen haben - wie etwa die Regierung", erklärt die New Yorker Soziologin Dana Fisher.
Das ist allerdings kein neues, an den 11. September 2001 und die Regierung Bush gebundenes Phänomen. Auch um den Mord an John F. Kennedy und den japanischen Angriff auf Pearl Harbour ranken sich bis heute zahlreiche Verschwörungs-Theorien.
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