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23.02.2012

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Ausland
Afghanistan: Gespräche zwischen USA und Taliban
Karsai bestätigt Verhandlungen zwischen USA und Extremisten

"Die Gespräche mit den Taliban haben begonnen"

Der afghanische Präsident hat erstmals das ausgesprochen, was seit längerem vermutet wird: Die USA haben Kontakt zu den Taliban aufgenommen. Unklar ist bislang, auf welcher Ebene die Verhandlungen stattfinden und was genau auf dem Verhandlungstisch liegt.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Kabul

Afghanistans Präsident Karsai bei einer Pressekonferenz zur künftigen Strategie gegen die Taliban. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Präsident Karsai begrüßt die Gespräche mit den Extremisten (Archivbild). ]
Gerüchte und Berichte, dass die USA mit den Taliban verhandelten, hatte es schon viele gegeben - nun gibt es erstmals auch eine Bestätigung. Und zwar vom afghanischen Präsidenten höchstpersönlich. Hamid Karsai sprach zu einer Versammlung von afghanischen Jugendlichen in Kabul, als er erklärte: "Die Gespräche mit den Taliban und anderen haben begonnen und so Gott will, gehen sie auch weiter. Gespräche mit denjenigen, die die afghanische Verfassung akzeptieren, den afghanischen Fortschritt, afghanische Freiheit und Demokratie. Die ausländischen Truppen, vor allem die USA befassen sich mit den Verhandlungen."

Unklar, worüber verhandelt wird

Damit sprach der afghanische Präsident erstmals das laut aus, was viele seit längerem vermuteten: dass die USA sich ganz direkt um Kontaktaufnahme zu den Extremisten bemühten. Dass es erste Annäherungen zwischen dem Westen und den Extremisten gegeben hatte, war klar. Unklar ist bislang, auf welcher Ebene diese stattfanden und was genau auf dem Verhandlungstisch liegt. Beobachter vermuten, dass es sich zunächst um Vorgespräche über möglicherweise später tatsächlich stattfindende Gespräche handeln dürfte. Sie warnen davor, zu schnell irgendein Ergebnis zu erwarten.

Militante Taliban in der Provinz Helmand in Afghanistan (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Taliban-Kämpfer in der Provinz Helmand in Afghanistan (Archiv) ]
Obwohl der Krieg am Hindukusch derzeit erbitterter geführt wird als je zuvor, war im Westen die Erkenntnis gereift, dass so etwas wie Stabilität in der Region ohne Verhandlungen mit den Taliban nicht möglich sein wird. Ein ziemlich deutliches Versöhnungssignal hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen jetzt an die Extremisten ausgesendet: Er hatte angekündigt, in Zukunft getrennte Sanktionslisten für Al Kaida und Taliban zu führen. Das dürfte es demnächst erleichtern, Taliban von diesen Listen herunterzunehmen.

Streichung von Namen

Diese Namenslisten sind in der unübersichtlichen Verhandlungs-Gemengelage ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wie auch der Sprecher der Afghanistan-Mission der Vereinten Nationen, Kieran Dwyer, dem ARD-Hörfunkstudio Südasien in Kabul bestätigte: "Von Afghanen und interessanterweise auch von Aufständischen wird es offenbar als Schandmal aufgefasst, auf der sogenannten Sanktions-Liste des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen geführt zu werden. Die afghanische Regierug hat eine Liste von Namen vorgelegt, die gestrichen werden könnten und gesagt, das könnte zu einem politischen Klima beitragen, in dem ein Dialog vorankommen könnte."

UN-Sicherheitsrat Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Weltsicherheitsrat führt die Taliban und Al Kaida künftig auf getrennten Sanktionslisten. ]
Es bewegt sich also einiges in Sachen Verhandlungen. Gerade nach dem Tod Osama Bin Ladens, so die Hoffnung, könnte die amerikanische Bevölkerung nun eher an den Gedanken gewöhnt werden, dass man mit genau den Islamisten reden müsse, die den Top-Terroristen einst in Afghanistan beherbergten und als Gast behandelten. Die Frage aber ist: Wie sehr bewegen sich die Taliban?

Verhandlungswille oder Taktik?

Die Extremisten hatten bislang stets abgestritten, in Verhandlungen eingetreten zu sein und als Vorbedingung verlangt, dass die ausländischen Truppen aus Afghanistan abziehen müssten. Viel dürfte davon abhängen, wie sehr sich die Taliban in einer Position der Stärke sehen. Viele seien kampfesmüde, so heißt es. Gleichzeitig könnte deren Taktik aber auch so aussehen: Da der Westen ja ohnehin so schnell wie möglich seine Truppen nach Hause holen möchte, warum die Zeit bis dahin nicht einfach aussitzen und abwarten.

Stand: 18.06.2011 16:36 Uhr
 

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