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Skandal im US-Wahlkampf
Was sollen "legitime Vergewaltigungen" sein?
Vergewaltigungen machen selten schwanger - das äußerte der republikanische US-Abgeordnete Akin. Zudem sprach der Senatskandidat von "legitimen" Vergewaltigungen. Spitzenkandidat Romney distanzierte sich schnell, doch der Skandal ist da - und könnte ihm wichtige Stimmen kosten.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington
Der vielen bisher unbekannte US-Abgeordnete Todd Akin könnte eine erhebliche Belastung für Mitt Romneys Wahlkampf werden. Akin, ein klarer Abtreibungsgegner und Liebling der konservativen Tea-Party-Bewegung, hatte am Sonntag eine äußerst abstruse These von sich gegeben. In einem Interview war der 65-Jährige gefragt worden, ob er auch dann gegen eine Abtreibung sei, wenn eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger werde.
Akin antwortete, so wie er das von Ärzten verstehe, sei das ziemlich selten. Und: "Wenn es sich um eine legitime Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper die Möglichkeit, das zu verhindern."
Wissenschaftlicher Unsinn
Eine legitime Vergewaltigung? Niemand weiß, was das sein soll. Und auch dass Vergewaltigungen selten zu Schwangerschaften führen, ist wissenschaftlicher Unsinn. Innerhalb kürzester Zeit hagelte es Kritik. Akin entschuldigte sich noch am Sonntagabend schriftlich. Er habe sich versprochen. Gestern äußerte er sich in einem Radio-Interview: "Ich habe dieses Statement irrtümlich gemacht. Lassen Sie mich das ganz klar sagen: Vergewaltigung ist niemals legitim. Es ist eine bösartige Tat. Ein gewalttätiger Akt. Ich habe die falschen Worte im falschen Zusammenhang benutzt. Was ich gesagt habe, war falsch und dafür entschuldige ich mich."
Wirbel um Akins Aussage über Vergewaltigungen
A. Engelke, NDR Washington
21.08.2012 05:05 Uhr
Nun ist Todd Akin nicht irgendein republikanischer Politiker. Er ist seit elf Jahren Kongressabgeordneter und will in diesem Jahr in den US-Senat gewählt werden. Es hängt unter anderem von seiner erfolgreichen Kandidatur ab, ob die Republikaner es schaffen, den Demokraten im Senat die Mehrheit abzunehmen. Viele Republikaner gehen davon aus, dass Akin nun aber nicht mehr gegen seine demokratische Konkurrentin gewinnen kann. Deswegen forderte der Vorsitzende der Republikanischen Partei, Reince Priebus, Akin unverhohlen zum Rückzug auf.
Angst vor dem Thema Abtreibung
Die Republikaner drohen offen damit, den Senatswahlkampf von Akin nicht weiter finanziell zu unterstützen. Bis heute soll er sich überlegen, ob er seine Kandidatur aufgibt. Die republikanische Führung will verhindern, dass das Thema Abtreibung in den Mittelpunkt des Wahlkampfs tritt. Auch deswegen distanzierte sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Romney gemeinsam mit seinem Vize Paul Ryan umgehend von Akins Äußerungen. "Eine Regierung unter Romney und Ryan wäre nicht gegen eine Abtreibung nach Vergewaltigung", ließen die beiden per Presseerklärung wissen.
Diese Debatte hat unter anderem daran erinnert, dass auch Ryan bisher gegen jegliche Abtreibung war. Einzige Ausnahme: wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Präsident Barack Obama ließ sich die Vorlage nicht nehmen. Er nannte Akins Äußerungen widerwärtig. "Vergewaltigung ist Vergewaltigung", betonte Obama. Es wäre besser, wenn sich Politiker, vor allem Männer, nicht in Gesundheitsangelegenheiten von Frauen einmischten.
Es ist klar, wen der Präsident dabei im Blick hat: die weiblichen Wähler, die - geht es nach Obama - am 6. November nicht bei Romney und den Republikanern ihr Kreuz machen sollen, sondern bei ihm und den Demokraten.
Stand: 21.08.2012 13:43 Uhr
