Empörte Inder nach dem Urteil (Bildquelle: AFP)

Drei Jahre Haft für Gruppenvergewaltiger Indien empört über das Urteil

Stand: 31.08.2013 15:57 Uhr

Für den 18-jährigen Mittäter einer Gruppenvergewaltigung in Indien ist das Urteil eine zweite Chance: Drei Jahre muss er ins Gefängnis. Viele Inder dagegen fordern die Todesstrafe. Die Familie des Opfers will Berufung einlegen.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

"Hängt ihn, hängt ihn" - die Forderung empörter Demonstranten vor dem Jugendgericht in Neu-Delhi klingt sehr eindeutig. Das Urteil, drei Jahre Besserungsanstalt, war zwar erwartet worden, aber dennoch empörte es viele Menschen in Indien.

Indien Prozess Jugendlicher (Bildquelle: AFP)
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Der verurteilte 18-Jährige wird aus dem Gerichtssaal geführt.

Am Gerichtsgebäude strömten Minuten, nachdem das Urteil durchgesickert war, Hunderte zusammen. Am Wochenende dürfte es in vielen Städten Indiens ähnliche Demonstrationen geben und den Ruf nach härteren Strafen. Auch in sozialen Netzwerken haben bereits tausende Inder ihrem Ärger freien Lauf gelassen.

"Ich will, dass sie alle gehängt werden"

Unter Tränen trat die Mutter des Opfers vor das Gerichtsgebäude, sie hatte die meisten Verhandlungstage im Saal verfolgt. Jetzt, sagt sie, sei eine Welt zusammen gebrochen: "Ich will, dass sie alle gehängt werden. Nicht mehr und nicht weniger. Dieser Tag ist beinahe noch schlimmer als der Tag, an dem meine Tochter vergewaltigt wurde. Ich habe acht Monate auf diesen Tag gewartet und darauf, dass die Richter Gerechtigkeit walten lassen. Aber das hier ist nur enttäuschend."

Reaktionen auf das erste Urteil im Vergewaltigungsfall von Delhi
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
31.08.2013 15:42 Uhr

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Der Vater des Mädchens ergänzte, er fühle sich von der indischen Justiz betrogen. Die Familie werde in Berufung gehen. Die Richter hatten den zur Tatzeit 17-Jährigen nach dem Jugendstrafrecht verurteilt und nach diesem Recht die Höchststrafe verhängt. Viele Inder forderten jedoch, den jungen Mann wie einen Erwachsenen zu behandeln. Der Anwalt des Angeklagten gab sich schmallippig: "Mein Mandant ist nicht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Aber die Details kann ich Ihnen erst nennen, wenn das Urteil rechtskräftig ist."

Drei Jahre Haft für jugendlichen Vergewaltiger
tagesthemen 23:15 Uhr, 31.08.2013, Gabor Halasz, ARD Neu Delhi

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Höchststrafe - aber nur für Jugendliche

Klar war jedoch angesichts der Höhe der Strafe: In den Hauptanklagepunkten Mord und Vergewaltigung hat das Gericht den jungen Mann für schuldig befunden. Er soll mit fünf anderen Männern im vergangenen Dezember eine 23-jährige Studentin, die gerade mit ihrem Freund aus dem Kino kam, in einen Bus gelockt, stundenlang brutal vergewaltigt und so schwer gefoltert haben, dass sie zwei Wochen später im Krankenhaus starb.

Nachdem all die grausamen Details bekannt wurden, ging ein Aufschrei durchs Land, zumal der Fall so symbolisch ist: Ein junges Mädchen aus armen Verhältnissen, das sich in Indien nach oben kämpft. Medien nannten sie rasch "Löwenherz".

Die Täter bezeichnen sie bis heute als die "meistgehassten Männer Indiens". Einer der fünf volljährigen Angeklagten starb im Gefängnis. Ob er ermordet wurde oder sich selbst das Leben nahm, ist unklar. Alle Männer hatten von Beginn an auf unschuldig plädiert. Die vier weiteren Angeklagten dürften ebenfalls schon bald verurteilt werden, ihnen droht die Todesstrafe. Doch ob die Urteile etwas bewirken, das bezweifeln viele Menschen in Indien.

Erstes Urteil im Vergewaltigungsfall in Indien gesprochen
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
31.08.2013 12:44 Uhr

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Wenig Vertrauen in indische Behörden

Erst heute wurde in Noida, einer Vorstadt von Delhi, ein neuer, schwerer Fall bekannt. Vier Männer sollen dort ein Mädchen überfallen und versucht haben, es zu vergewaltigen. Zwei der Festgenommenen sind Polizisten.

Das Vertrauen der Menschen in die Behörden ist ohnehin sehr gering. In vielen Fällen haben Polizei und Justiz in der Vergangenheit die Täter wieder laufen lassen, während die Opfer vor allem auf dem Land von der Gesellschaft ausgestoßen wurden.

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