Rom: Motiv des Schützen war Wut auf Politiker

Schüsse vor dem Amtssitz des designierten italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta. (Bildquelle: dpa)

Schüsse vor Sitz des Ministerpräsidenten in Rom

Motiv des Schützen war Wut auf Politiker

Schüsse vor dem Regierungspalast haben die Vereidigung des italienischen Regierungschef Letta überschattet. Der mutmaßliche Täter gestand in einem Verhör seine Wut auf Politiker. Eigentlich habe er sie treffen wollen, so die Staatsanwaltschaft. Drei Menschen wurden bei der Schießerei verletzt.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Eigentlich sollte es der feierliche Schlusspunkt eines zwei Monate andauernden politischen Streits sein. Aber die Vereidigung der neuen italienischen Regierung im Quirinalspalast wurde durch eine Eilmeldung unterbrochen. Der Moderator des italienischen Nachrichtensenders SKY TG24 informierte mitten während der Feier: "Uns erreicht gerade die Nachricht, dass es vor dem Sitz des Ministerpräsidenten eine Schießerei gegeben haben soll."

Der Staatspräsident und die neuen Kabinettsmitglieder bekamen erst mal gar nicht mit, was sich gleichzeitig zwei Kilometer entfernt vor dem Sitz des Ministerpräsidenten abspielte. "Ein Mann in Jackett und Krawatte rannte auf das Wachpersonal dort zu", berichtete das italienische Fernsehen weiter. "Er rief: 'Erschießt mich, erschießt mich', zog dann eine Pistole und eröffnete das Feuer".

Beamte vor Regierungssitz in Rom beschossen
S. Troendle, ARD Rom
28.04.2013 15:37 Uhr

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Zwei Polizisten wurden durch die Schüsse verletzt, auch eine schwangere Passantin wurde von Splittern getroffen. Den Polizeibeamten gelang es den Attentäter zu überwältigen, bei dem Handgemenge nach einem Fluchtversuch wurde auch dieser verletzt - wie schwer ist unklar.

Attentat offenbar Verzweiflungstat eines Einzelnen

Ein Augenzeuge, der in der Nähe des Regierungssitzes wohnt, berichte, es seien einige Schüsse gefallen, es sei aber sofort klar gewesen, dass es sich nur um eine Einzelperson gehandelt habe, die dann um die Ecke eines großen Gebäudes geflüchtet sei. "Das ging ganz schnell - aber es war nur ein Mann."

Die frisch vereidigten Minister wurden nach der Zeremonie aus Sicherheitsgründen noch einige Zeit im Präsidentenpalast festgehalten. Italiens neuer Innenminister Angelino Alfano fuhr anschließend direkt in die Klinik, in der die verletzten Carabinieri behandelt werden, um sich persönlich vom Gesundheitszustand der Beamten zu überzeugen.

Nach einer ersten kurzen Kabinettssitzung gab Alfano Einzelheiten zu dem Attentat bekannt: Bei dem Mann handle es sich um einen 49 Jahre alten Arbeitslosen, der möglicherweise aus Verzweiflung gehandelt habe. In den italienischen Medien hieß es, der Mann habe vor kurzem seine Arbeit verloren, auch soll sich seine Frau von ihm getrennt haben.

Napolitano vereidigt neue italienische Regierung
tagesschau 20:00 Uhr, 28.04.2013, Peter Dalheimer, ARD Rom

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Insgesamt habe er sechs Schüsse auf die beiden Polizisten abgefeuert, teilte Alfano mit. Einer der beiden sei in beide Beine getroffen, der andere an der Wirbelsäule lebensgefährlich verletzt worden. Nach der Tat habe sich der Schütze das Leben nehmen wollen. Dies sei aber nicht möglich gewesen, das er das Magazin seiner Pistole schon leer geschossen hatte.

Wegen des Anschlags übergab der bisherige Ministerpräsident Mario Monti die Amtsgeschäfte am frühen Nachmittag in einer abgekürzten Feierstunde an seinen Nachfolger Enrico Letta. Dieser arbeitet nun seine Regierungserklärung aus und stellt sich dann morgen der Vertrauensfrage in beiden Kammern des italienischen Parlaments.

Stand: 28.04.2013 18:27 Uhr

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