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Verbrechen in französischer Urlaubsidylle

Vierjährige zwischen ermordeter Familie gefunden

Nach einem mysteriösen Gewaltverbrechen mit vier Toten in den französischen Alpen ist ein weiteres Kind entdeckt worden, das die Tat überlebt hat. Das vier Jahre alte Mädchen habe knapp acht Stunden im hinteren Teil eines Autos unter den Beinen seiner toten Mutter gelegen.

Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris

Die Autofenster wurden von den Kugeln durchsiebt. Als die Polizei gestern Nachmittag am Tatort ankam, sperrte sie sofort alles ab, um keine Spuren zu verwischen. Aus dem Auto mit den Toten drang kein Laut, durch die Löcher der Kugeln konnten sie nur die Toten sehen. Erst als die Spezialisten alles aufgenommen und die Leichen gegen Mitternacht aus dem Wagen herausholten, entdeckten sie ein kleines Mädchen, das sich unter den Beinen seiner toten Mutter hinter den Vordersitzen versteckt hatte.

Staatsanwalt Eric Maillaud erklärte, niemand habe das Kind bemerkt, weil es sich völlig lautlos unter den Toten zusammengekauert hatte. Acht Stunden lang habe die Vierjährige in dieser Lage verharrt - "eine furchtbare Situation für das Kind. Das Mädchen wurde untersucht, es geht ihm soweit gut, aber es hat natürlich ein ganz entsetzliches Drama erlebt."

Blick auf Annecy
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Annecy ist bei vielen britischen und deutschen Urlaubern beliebt.

Die Vierjährige ist zusammen mit ihrer siebenjährigen Schwester die einzige Zeugin des grausamen Überfalls, bei dem ihre Eltern und offenbar auch ihre Großmutter getötet wurden. Auch die Schwester wurde angeschossen und schon gestern ins Krankenhaus gebracht. Sie ist aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Der Polizeipsychologe Jean Pierre Bouchard geht davon aus, dass sie aussagekräftige Hinweise geben kann. Die beiden Mädchen seien für die Ermittlungen extrem wichtig, betont er, dabei könne eine Siebenjährige die Situation natürlich anders beschreiben, als eine Vierjährige. Da beide Mädchen Englisch sprechen, wurden britische Polizeipsychologen nach Frankreich gebracht.

Die Familie hatte Urlaub auf einem Campingplatz an einem See in den französischen Alpen bei Annecy gemacht. Die Gegend ist wegen ihrer schönen Lage besonders bei Briten und Deutschen beliebt.

Touristenfamilie erschossen - Vierjährige überlebt versteckt
E. Seibert, SWR Paris
06.09.2012 11:40 Uhr

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Entsetzen bei den Einheimischen

Die Bewohner des Ortes können sich das Drama nicht erklären. "Vier Tote hier bei uns? Am Ende der Welt, in diesem winzigen Dorf? Wer macht denn sowas?", fragt ein Anwohner. Der Parkplatz, wo das Drama geschah, sei "völlig einsam, mitten im Wald", da seien normalerweise nur Wanderer oder Fahrradfahrer unterwegs. "Hier bei uns ist normalerweise wirklich nichts los, wir sind einfach ein kleines Dorf mitten in der Natur."

Campingplatz in Annecy
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Der Camping-Platz, auf dem die ermordete Familie wohnte, wurde abgeriegelt.

Auch ein Einheimischer wurde bei dem Überfall getötet. Er war unter Umständen unfreiwillig Zeuge des Dramas, als er mit seinem Fahrrad am Tatort vorbeikam. Der Familienvater, der gerade Elternurlaub machte, wurde erschossen. 

Die Zusammenhänge dieser Tat, mögliche Motive oder Täter sind noch völlig unbekannt. Polizeieinheiten haben die ganze Nacht und den ganzen Vormittag die Wälder abgesucht. Der leitende Ermittler Benoit Vinnemann sagt: "Wir sind jetzt auf der Suche nach Zeugen, die etwas bemerkt haben könnten, was uns auf die Spur der Täter bringen könnte."

Der Campingplatz, auf dem der Wohnwagen der Familie steht, wurde abgeriegelt, die übrigen Urlauber werden vernommen. Am Nachmittag sollen die ersten Ergebnisse auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden.

Stand: 06.09.2012 12:11 Uhr

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