Protestierende Studenten in Venezuela (Bildquelle: dpa)

Proteste in Venezuela Die Studenten rütteln an der Macht

Stand: 18.02.2014 09:08 Uhr

Die Lebensbedingungen in Venezuela sind schlechter denn je, seit Präsident Chavez tot ist und der Sozialist Maduro im Frühjahr 2013 die Nachfolge antrat. Die bislang eher gemäßigte Rechte tritt nun entschiedener auf, um die Situation im Land zu verändern. Heute riefen beide Lager zu Großdemonstrationen auf. Die Lage ist angespannt.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mittelamerika

Proteste auf den Straßen in Caracas und anderen Städten Venezuelas. Seit Tagen das gleiche Bild: Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten.

Es sind vor allem Studenten die protestieren, die genug haben von der Situation in Venezuela - wie etwa dieser junge Mann: "Venezuela wacht jetzt auf. Es reicht mit der ganzen Kriminalität auf den Straßen, mit der ganzen Repression von Seiten der Regierung."

Venezuela - Proteste gehen weiter
M. Polansky, ARD Mexiko City
18.02.2014 08:27 Uhr

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Der Volkstribun Chavez fehlt

Längst geht es nicht mehr nur um einzelne Forderungen, wie etwa die nach der Freilassung festgenommener Demonstranten. Die Studenten rütteln an der Macht der Sozialisten um Präsident Nicolas Maduro, der im vergangenen April durch einen knappen Wahlsieg an die Macht kam.

Seit 15 Jahren regiert die Linke das Land. Und sie ist erkennbar angeschlagen. Zum einen fehlt Hugo Chavez, der Volkstribun, der vor einem Jahr an Krebs starb. Mit seinem Charisma konnte er immer wieder echte Begeisterung erzeugen, auch viele real existierende Probleme im venezolanischen Sozialismus kleinreden. Seinem Nachfolger Maduro fehlt dieses Charisma.

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Hugo Chávez - Bilder seiner Karriere

Hugo Chávez beim Wahlkampf 1998.

Eine von zahlreichen Wandmalereien in Caracas. In Venezuela herrscht ein Personenkult um Hugo Chávez, der am 28. Juli 1954 in Sabaneta geboren wird. (Bildquelle: AFP)

Caracas - eine der gefährlichsten Städte der Welt

Und: Die Probleme sind größer denn je. Die Inflation liegt bei mehr als 50 Prozent, manche Waren gibt es nur schwer zu kaufen: Toilettenpapier, Mehl, Milchpulver.

Dazu die ausufernde Kriminalität. Caracas gilt als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Immer wieder gibt es Schlagzeilen über spektakuläre Morde: Erst traf es eine ehemalige Miss Venezuela, am Wochenende wurden zwei hoch betagte Priester offenbar von Raubmördern getötet.

Maduro wertet Proteste als Putschversuche

Nicolás Maduro (Bildquelle: AP)
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Gibt vor, die Lage im Griff zu haben: Präsident Maduro

Präsident Maduro versucht Härte zu demonstrieren, die Lage im Griff zu behalten. Vor Anhängern hat er einen verstärkten Kampf gegen das Verbrechen angekündigt.

Ansonsten betont er immer wieder, dass die Proteste einen Staatsstreich zum Ziel hätten. Dem werde man sich entgegenstellen: "Hier ist eine Generation von Revolutionären versammelt, eine politisch-militärische Führung und noch viel mehr ein Volk, das eisern vereint ist. Und nach all den Putschversuchen ist es umso vereinter für die Revolution."

Maduro spricht von einer Verschwörung - aus dem Ausland gesteuert. Drei Mitarbeiter der US-Botschaft wurden ausgewiesen, ein kolumbianischer Nachrichtensender aus dem Kabel verbannt. Viele Sozialisten fühlen sich an das Jahr 2002 erinnert. Damals versuchte Venezuelas Rechte, den noch relativ neuen Präsidenten Hugo Chavez wegzuputschen. Ein Volksaufstand brachte ihn zurück ins Amt.

Leopoldo Lopez - der Mann an der Spitze der Opposition

Die Fronten zwischen Links und Rechts sind jetzt ganz ähnlich. Allerdings bezweifeln manche Oppositionelle, dass ein demokratischer Wechsel in Venezuela überhaupt noch möglich ist. Die Sozialisten hätten nach 15 Jahren an der Macht alle Institutionen des Landes fest im Griff - einschließlich Justiz und der elektronischen Medien.

Leopoldo Lopez (Bildquelle: REUTERS)
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Steht an der Spitze der Regierungsgegner: Leopoldo Lopez

In den vergangenen Jahren trat die Opposition eher gemäßigt auf, jetzt scheint sich Leopoldo Lopez an die Spitze zu setzen. Der 42-Jährige gilt als kompromisslos.

Er rief für heute zu einer neuen Großdemonstration auf: "Brüder und Schwestern, die Zukunft gehört uns. In diesem Moment der Dunkelheit ist es unsere Aufgabe, ein Fenster zu öffnen. Es soll unseren Kinder, allen Venezolaner eine bessere Zukunft ermöglichen."

Die Behörden erließen einen Haftbefehl gegen Lopez, weil er einer der Hauptverantwortlichen für die Gewalt auf den Straßen sei. Die Demonstration heute will Lopez persönlich anführen. Auch die Sozialisten wollen auf die Straßen gehen. Höchste Anspannung in Caracas.

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