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Präsidentschaftswahl in Venezuela
Endet nach vierzehn Jahren die Ära Chavez?
Die Venezolaner wählen heute einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Chavez tritt nach vierzehn Jahren an der Macht erneut an. Aber diesmal hat sich die Opposition zu einem breiten Bündnis zusammengeschlossen – und setzt auf die Stimmen enttäuschter Chavez-Anhänger.
Von Martin Polansky, ARD-Studio Mexiko, z. Zt. in Caracas
Voller Pathos ist die Rede von Venezuelas Präsident: "Hier stehe ich, Chavez. Und ich werde am Sonntag gewinnen. Denn Chavez seid ihr, Chavez ist das Vaterland, Chavez ist die Zukunft." Hunderttausende Anhänger bejubeln ihren Hugo Chavez zum Wahlkampfabschluss in Caracas im strömenden Regen. Der 58-Jährige hat gerade erst gegen den Krebs angekämpft – jetzt kämpft er mit vollem Einsatz für seine Wiederwahl. Aber die ist keineswegs sicher - viele Venezolaner sind unzufrieden nach 14 Jahren sozialistischem Staatsumbau.
Auch in den ärmeren Vierteln von Caracas, wo die Opposition ganz bewusst Wahlkampf macht. "Wir brauchen einen Wandel. Von der jetzigen Regierung erwarte ich mir gar nichts mehr", sagen sie dort, und: "Es gibt keine Sicherheit, viele Verbrechen. Und lange Schlangen vor den staatlichen Läden."
Weniger Arme, hohe Inflation
Venezuela vor der Wahl
M. Polansky, ARD Mexiko City
06.10.2012 09:44 Uhr
Hugo Chavez hat Venezuela verändert. Die reichen Öleinnahmen des Landes wurden in die Armenviertel umgeleitet, tausende Sozialmissionen mit Ärzten und Lehrern geschaffen. Chavez ließ die Mindestlöhne erhöhen und die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Sektor mehr als verdoppeln. Bilanz nach 14 Jahren: Deutlich weniger Ungleichheit, die Zahl der Armen wurde nach UN-Angaben praktisch halbiert.
Die Schattenseite: Eine hohe Inflation von gut 27 Prozent im letzten Jahr. Viele verstaatlichte Betriebe gelten als ineffizient. Der Ölkonzern PDVSA hat wegen fehlender Investitionen wachsende Probleme, mit seinen Einnahmen den Sozialismus zu finanzieren. Venezuela lebt zunehmend auf Pump. Und viele Bürger beklagen den roten Klientelismus. Wer sich nicht einreihe bei den Chavisten, habe schlechte Karten, wenn es um öffentliche Jobs oder Wohnungen gehe.
Henrique Capriles heißt der Kandidat, hinter dem sich praktisch die gesamte Opposition gesammelt hat. Der 40-jährige bisherige Gouverneur des wichtigen Bundesstaates Miranda wurde von einem breiten Parteienbündnis in einer Urwahl bestimmt. Der Sohn aus reichem Hause verspricht, viele Sozialprogramme fortzusetzen. Er wolle nicht alles anders machen, aber vieles besser. "Ich will der Präsident aller Venezolaner sein, egal, wie jemand denkt", sagt Capriles. "Es wird mit mir keine Revanche und keine Konfrontation geben. Venezuela gehört nicht einer Person sondern allen Venezolanern."
Angespannte Stimmung in Venezuela
Präsident Hugo Chavez liegt in vielen Umfragen zwar vorne – aber die gelten als wenig verlässlich. Und auch Chavez linke Verbündete in Lateinamerika dürften die Wahl aufmerksam verfolgen. Denn Länder wie Kuba oder Nicaragua werden von Chavez Regierung großzügig gesponsort.
Bei einem Sieg der Opposition ist damit Schluss, so Kandidat Capriles im Wahlkampf. Venezuela habe nichts zu verschenken. So geht es am Sonntag nicht nur um die Ära Chavez und die Zukunft des Petro-Sozialismus – sondern auch um die vielleicht wichtigste Geldquelle der lateinamerikanischen Linken.
Stand: 07.10.2012 01:11 Uhr
