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Venezuela vor der Wahl

Der Kampf um die Armenviertel

Am Sonntag wählen die Venezolaner einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Chavez konnte bisher vor allem auf die Stimmen in den ärmeren Vierteln setzen. Aber auch dort haben sich inzwischen manche abgewandt. Und Oppositionskandidat Capriles geht ganz bewusst in die barrios, um Wahlkampf zu machen.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko, zzt. Caracas

Aus einem Lautsprecherwagen dröhnt das Kampagnenlied von Henrique Capriles Radonski. Tausende seiner Anhänger sind schon da im Viertel La Pastora. Die Sonne brennt, in manchen Fenstern der dicht bebauten, leicht brüchigen Häuser hängen Bilder des 40-jährigen Oppositions-Kandidaten aus reicher Familie. Ausgerechnet hier. La Pastora gehört zu den eher ärmeren Vierteln von Caracas, wo eigentlich die Chavisten das Sagen haben.

Aber manche hier wollen vom sozialistischen Comandante nichts mehr wissen: "Präsident Hugo Chavez betrügt die Venezolaner seit 14 Jahren. Die Unsicherheit hat zugenommen, viele haben keinen richtigen Job. Und wer im öffentlichen Dienst etwas bekommen will, muss voll auf Chavisten-Linie sein. Die wollen keine Leute, die unabhängig denken." Ein anderer sagt: "Viele haben erkannt, dass es ein Fehler war, Chavez an die Macht zu lassen. Das Viertel hier ist gespalten. Und Chavez spaltet unser Land."

Präsidentschaftskandidat Henrique Capriles bei Wahlkampfveranstaltung in San Carlos
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Henrique Capriles, Präsidentschaftskandidat der Opposition, gewinnt immer mehr Anhänger in den Armenvierteln.

Im Armenviertel auf Stimmenfang gehen

Warten auf den Oppositionskandidaten. Der geht ganz bewusst in die ärmeren Viertel, um enttäuschte Chavisten auf seine Seite zu ziehen. Aber viele Anhänger des Präsidenten sehen das als Provokation. Und auch hier in La Pastora sind sie nicht weit. An einigen Kreuzungen des Straßenlabyrinths haben sich die Chavisten gesammelt, leicht zu erkennen an ihren roten Hemden oder T-Shirts. Wem gehört das barrio?

Venezuela vor der Wahl
M. Polansky, ARD Mexiko City
05.10.2012 02:33 Uhr

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Eine junge Frau brüllt ins Megaphon, dass die Konterrevolution keine Chance hat. Beschimpfungen, Stinkefinger in Richtung der Capriles-Anhänger. Ein junges Paar sitzt auf einem Motorrad, das mit einem Chavez-Plakat geschmückt ist: "Das hier ist Chavisten-Territorium. Die Opposition hat hier nichts zu sagen." Und ein anderer erklärt: "Die meisten von denen sind doch gar nicht von hier. Das wahre Volk steht bei uns. Wir sind ein sozialistisches Land. Heute gibt es Bildung, kostenlose Arztbehandlungen. Wir sind jetzt ein freies Volk."

Mit Granaten gegen die Opposition

Hugo Chavez bei strömenden Regen im Wahlkampf
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Hugo Chavez bei strömenden Regen im Wahlkampf

Polizeimotorräder fahren auf, Beamte in Demonstrationsmontur stellen sich zwischen die Gruppen und versuchen die Straße freizuhalten, damit der Kandidat kommen kann. Plötzlich schmeißt jemand eine Tränengasgranate in die Oppositions-Anhänger. Die rennen auseinander. Capriles dürfe auf keinen Fall die Wahl gewinnen, ruft die Frau auf dem Motorrad mit dem Chavez-Plakat: "Das wäre das Chaos total. Wir, das Volk, werden unsere Revolution verteidigen."

Erst ist es nur ein Gerücht, aber schnell macht es die Runde und wird zur Gewissheit. Der Kandidat Capriles kommt nicht. Zu aufgeheizt, zu gefährlich, heißt es. Seine Anhänger strömen auseinander - unter den Flüchen der Chavisten. Alejandro, 18, mit Capriles-Anstecker, schwant schon Böses für den Wahltag: "Wenn Chavez verliert, werden sie das nie akzeptieren. Denn dann sind sie weg von den Fleischtöpfen, mit ihrer ganzen Korruption. So ist das."

Stand: 05.10.2012 04:40 Uhr

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