Venezuelas Erdölminister Eulogio del Pino im November vergangenen Jahres. | Bildquelle: dpa

Verhaftungswelle in Venezuela Erst abgesetzt, dann festgenommen

Stand: 30.11.2017 20:49 Uhr

Venezuelas Führung geht gegen die Korruption im Land vor. Der Generalstaatsanwalt ließ den bisherigen Erdölminister sowie den Chef des staatlichen Ölkonzerns verhaften. Sie sollen Öl abgezweigt und schwarz verkauft haben. Seit August wurden 65 Personen festgenommen.

In Venezuela haben Soldaten den abgesetzten Ölminister und den ebenfalls geschassten Chef des hochverschuldeten staatlichen Ölkonzerns PDVSA festgenommen. Der Generalstaatsanwalt Tarek William Saab teilte mit, Mitglieder des Militärgeheimdienstes Digecim hätten den ehemaligen Ölminister Eulogio Del Pino und den Ex-Konzernchef Nelson Martínez wegen mutmaßlicher Korruption festgesetzt. Es gehe darum, "das Kartell auszuheben", das die Ölindustrie heimgesucht habe.

Venezuelas Generalstaatsanwalt Tarek William Saab | Bildquelle: REUTERS
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Venezuelas Generalstaatsanwalt Tarek William Saab. Es gehe darum, "das Kartell auszuheben", das die Ölindustrie heimgesucht habe.

"Dieses Komplott hatte eine Implosion der Erdölindustrie zum Ziel", sagte Saab. Solche Maßnahmen in der von den Sozialisten mit linientreuen Politikern und Managern besetzten Schlüsselindustrie sind sehr ungewöhnlich. Ex-Minister del Pino wird unter anderem vorgeworfen, dass bei dem Ölunternehmen Petrozamora täglich 15.700 Barrel Öl abgezweigt worden seien, was Millionenverluste verursacht habe. Unter anderem in Kolumbien blüht der Schwarzmarkt mit Öl und Benzin aus Venezuela.

Saab zufolge wurde die Festnahme von insgesamt 16 Verdächtigen angeordnet. Einige von ihnen befänden sich im Ausland. Insgesamt seien seit August 65 Personen festgenommen worden.

Seit Monaten von Korruptionsaffären erschüttert

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hatte Del Pino und Martínez am Montag abgesetzt. An die Spitze von Petróleos de Venezuela S.A. stellte er den General der Nationalgarde und bisherigen Wohnungsbauminister Manuel Quevedo, der zugleich Ölminister wurde. Maduro kündigte eine "vollständige Umstrukturierung" des Staatskonzerns und eine Steigerung der Ölproduktion an.

Der Ölsektor wird seit Monaten von Korruptionsaffären erschüttert. Vergangene Woche wurden mehrere PDVSA-Kader, darunter der Chef der Konzernfiliale Citgo in den USA, festgenommen. Ihnen wird Korruption, Verschwörung und Geldwäsche vorgeworfen.

Der bisherige Erdölminister Venezuelas, Eulogio del Pino, und der Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA, Nelson Martínez, mit Staatschef Nicolás Maduro, von rechts. | Bildquelle: REUTERS
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Der bisherige Erdölminister del Pino neben dem Chef des Ölkonzerns PDVSA, Martínez, und Staatschef Maduro (von rechts).

Tiefe Wirtschaftskrise

Das lateinamerikanische Land befindet sich trotz reicher Erdölvorkommen in einer tiefen Wirtschaftskrise. Der Staat kann den Forderungen seiner Gläubiger nicht fristgerecht nachkommen. Maduro strebt eine Neuverhandlung der Auslandsschulden an. Diese belaufen sich Schätzungen zufolge auf 150 Milliarden Dollar (127 Milliarden Euro) - 30 Prozent davon entfallen auf PDVSA. Der Ölkonzern erwirtschaftet 95 Prozent der venezolanischen Exporteinnahmen.

Venezuela hat auf dem Papier die größten Ölreserven der Welt vor Saudi-Arabien, aber der gesamte Sektor leidet unter maroden Strukturen. Es fehlen Raffinerien, um genug Benzin zu produzieren.

Höchste Inflation der Welt

Die verheerende wirtschaftliche Lage hat in Venezuela zu schweren Versorgungsengpässen geführt. Wegen der eingebrochenen Einnahmen und höchsten Inflation der Welt fehlen Devisen, um ausreichend Lebensmittel und Medikamente einzuführen. Die Lage wird für die Bevölkerung immer prekärer, hunderttausende Bürger sind geflohen.

Die Opposition macht den Staatschef für die Misere verantwortlich. Bei Massenprotesten gegen die Regierung wurden zwischen April und Juli 125 Menschen getötet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2017 um 06:00 Uhr und am 29. November 2017 um 05:54 Uhr.

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