Mit harten Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela tun sich die USA schwer. | Bildquelle: dpa

US-Maßnahmen gegen Venezuela Das Dilemma mit den Sanktionen

Stand: 11.08.2017 08:46 Uhr

Es sei eine "Maduro-Diktatur", was da in Venezuela zurzeit passiere - die USA verurteilen den venezolanischen Präsidenten und sein Vorgehen aufs Schärfste und haben Strafmaßnahmen gegen ihn verhängt. Mit harten Wirtschaftssanktionen tun sich die USA allerdings schwer.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die USA haben Venezuela fest im Blick. Die verfassunggebende Versammlung lehnen sie ab. Den sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro bezeichnet die US-Regierung als Diktator. Mit weiteren Sanktionen will sie ihn endlich stoppen.

Nicolas Maduro | Bildquelle: REUTERS
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Die US-Regierung bezeichnet Maduro als Diktator.

US-Finanzminister Steven Mnuchin in der vergangenen Woche: "Wir, die Vereinigten Staaten machen mit den Sanktionen unseren Widerstand deutlich, gegen die Politik dieses Regimes. Wir unterstützen das venezolanische Volk und sein Streben zurück zu einer blühenden Demokratie."

Was der Finanzminister nicht erwähnte, wie schwer sich eigentlich die US-Regierung hinter den Kulissen tut, Venezuela mit wirkungsvollen Maßnahmen zu bestrafen.

Sanktionen könnten eigene Wirtschaft hart treffen

Tatsächlich hätten die Vereinigten Staaten nur wenige Möglichkeiten, sagt Matthew Taylor vom Council on Foreign Relations, einer Denkfabrik zu außenpolitischen Fragen. Zu groß sei die Angst, dass sich die USA mit harten Wirtschaftssanktionen am Ende ins eigene Fleisch schneiden. Zu sehr seien beide Länder wirtschaftlich verbunden. Es geht ums Erdöl. "Venezuela exportiert ein besonders schweres Rohöl. Dafür braucht man bestimmte Raffinerien. Und die meisten davon stehen heutzutage in den USA."

Venezuela ist einer der wichtigsten Erdöl-Lieferanten für die USA. Umgekehrt verkaufen US-amerikanische Unternehmen in großen Mengen verarbeitetes Öl und auch Maschinen nach Venezuela. Im vergangenen Jahr betrug das Handelsvolumen umgerechnet gut 20 Milliarden Euro. Eine Win-win-Situation.

Raffinerie in Venezuela | Bildquelle: REUTERS
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Venezuela ist einer der wichtigsten Erdöl-Lieferanten für die USA.

"Da gab es großen Druck aus dem Kongress und im Besonderen aus den Bundesstaaten, in denen die Raffinerien stehen. Wegen möglicher Sanktionen kam natürlich auch Druck von den großen Öl-Firmen, die natürlich auch darunter leiden würden",

so der Politikwissenschaftler Taylor. Bisher verhängte das Weiße Haus gezielte Strafmaßnahmen gegen Einzelpersonen, darunter Präsident Maduro selbst, der in den USA nun keine Geschäfte mehr machen darf. Für viele hat das vor allem symbolische Wirkung.

Öl-Importverbot bisher tabu

An einen generellen Ausfuhrstopp nach Venezuela traut sich die Trump-Regierung derzeit nicht heran. Ebenso bisher tabu: den Import von venezolanischem Erdöl in die USA zu verbieten. Weil Trumps Berater auch wissen, dass das südamerikanische Land fast vollständig abhängig ist von seinen Erdöl-Exporten. Verdient Venezuela keine Öl-Dollar mehr, geht es der Bevölkerung dort noch schlechter, analysiert Außenpolitik-Experte Taylor: "Die USA haben bereits eine größere Zahl venezolanischer Flüchtlinge aufgenommen. Von einer Flüchtlingskrise, von einem Exodus würden die USA sicher nicht profitieren."

Einige Beobachter sind überzeugt: Die Trump-Regierung wird schon bald in den sauren Apfel beißen müssen und schmerzhafte Sanktionen im Energiebereich auf den Weg bringen. Matthew Taylor vom Council on Foreign Relations dagegen plädiert für das geringere Übel:

"Ich hasse es, das sagen zu müssen, denn die Krise hat schon jetzt enorme Auswirkungen - mit der Armut, Hunger, Unterernährung, Kindersterblichkeit. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist die einzige machbare Option für die USA, die Krise in Venezuela einfach schlimmer werden zu lassen."

Maduro will Trump treffen

Beim venezolanischen Präsidenten scheinen auch schon die bisherigen Maßnahmen erste Wirkung zu zeigen: Bei einer Ansprache vor der umstrittenen verfassunggebenden Versammlung in Caracas erklärte Maduro, sich mit US-Präsident Trump treffen zu wollen. Er wolle eine starke Beziehung mit den USA.

Noch vor kurzem hatte Maduro Trump als "Inhaber des Imperiums" verhöhnt und die USA gewarnt, Venezuela "werde niemals aufgeben".

Die USA, Venezuela und das Öl
Marc Hoffmann, ARD Washington
11.08.2017 08:00 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 11. August 2017 um 08:10 Uhr auf WDR 5 im Morgenecho.

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