Polizei bewacht Eingang zu Supermarkt in Caracas | Bildquelle: dpa

Krise in Venezuela Militär kontrolliert Supermärkte

Stand: 07.01.2018 10:13 Uhr

In Venezuela spitzt sich die Versorgungskrise zu. Nach Plünderungen von Supermärkten kontrolliert das Militär in mehreren Städten den Zugang zu den Geschäften. Zugleich überwacht es, ob Preissenkungen eingehalten werden. Doch die Regale sind leer.

Nach einer Welle von Plünderungen kontrolliert das Militär in Venezuela in mehreren Städten Zugänge zu Supermärkten und überwacht damit zugleich eine angeordnete Preissenkung. Als Reaktion auf die rasante Geldentwertung im Land hatten die Behörden für 26 Ketten angeordnet, die Preise für bestimmte Produkte des täglichen Bedarfs zu senken, die wegen der Inflation - der höchsten der Welt - erhöht worden waren.

Da der monatliche Mindestlohn nur noch ein paar Euro wert ist und die Bürger immer weniger Essen dafür bekommen, war es in den letzten Tagen zu Plünderungen und Protesten gekommen. Berichten zufolge bildeten sich landesweit lange Schlangen. Soldaten und Polizisten ließen zum Beispiel in Caracas nur in bestimmten Abständen eine Anzahl an Leuten zum Einkaufen in einige Supermärkte, in denen aber - wegen der Inflation und wegen fehlender Devisen zum Kauf von Lebensmitteln im Ausland - meist viele Regale leer sind.

Erregte Venezuelaner vor einem Supermarkt in Caracas | Bildquelle: dpa
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Vor diesem Supermarkt in Caracas kam es zu erregten Auseinandersetzungen.

Die Versorgungskrise gerät außer Kontrolle

Am schwierigsten war die Lage in der südvenezuelanischen Stadt Caicara. Mindestens 20 Geschäfte wurden dort ausgeraubt, insgesamt wurden 48 Personen festgenommen, wie das Portal "El Nacional" berichtete. Unbestätigten Berichten zufolge wurden bei den Auseinandersetzungen auch zwei Menschen getötet.

Zunächst hatten sich Händler geweigert, die praktisch wertlos gewordenenen 50- und 100-Bolivar-Scheine anzunehmen. Zwar gibt es für die ärmere Bevölkerung Lebensmittelhilfen - aber nur wenn sie sich schriftlich zur Unterstützung der Regierung bekennen.

Versorgungskrise in Venezuela
tagesschau 20:00 Uhr, 07.01.2018, Alexander Stein, SWR

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Es mangelt fast an allem

Dem ölreichen Staat droht die Pleite. Das von Präsident Nicolás Maduro mit harter Hand regierte Land hat zwar die größten Ölreserven der Welt, ist aber zum Armenhaus Südamerikas mutiert. Auch in den Krankenhäusern fehlt es an allem, im Internet fahnden verzweifelte Eltern nach Medizin für ihre Kinder.

Für einen Euro gibt es auf dem Schwarzmarkt mittlerweile rund 160.000 Bolivar - als größter Schein wurde zuletzt die 20.000-Bolivar-Note eingeführt. Zudem will sich Maduro mit einer mit den Ölreserven abgesicherten Kryptowährung ("Petro") unabhängiger von der Inflation und den Finanzmärkten machen.

Ein Grund für fehlende Devisen zum Import von Lebensmitteln ist auch die milliardenschwere Subvention von Benzin, das weit billiger ist als Wasser. Für einen auf dem Schwarzmarkt getauschten Euro können mehrere tausend Liter getankt werden.

Kunden in einem Supermarkt in Caracas | Bildquelle: dpa
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Wer konnte, lud sich die Einkaufswagen voll.

Leere Regale in einem Supermarkt in Caracas. | Bildquelle: dpa
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Doch viele Regale sind leer.

International isoliert

Das Land ist nach 18 Jahren sozialistischer Regierung und zunehmender Repression weitgehend isoliert, die USA verhängten erst am Freitag Finanzsanktionen gegen vier führende Militärvertreter, auch Maduro selbst ist schon lange auf der schwarzen Liste. Vermögen der Vier in den USA wurde eingefroren, begründet wurde dies mit Korruption.

Im August war das von der Opposition dominierte Parlament entmachtet worden, bei Protesten starben über 120 Menschen. Der monatliche Mindestlohn wurde zwar immer wieder angehoben auf nun knapp 800.000 Bolivar inklusive Sozialhilfen - aber das sind auch nur noch ein paar Euro.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Januar 2018 um 10:00 Uhr und 15:00 Uhr.

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