Eine Frau aus Venezuela ruht sich aus, nachdem sie die Brücke nach Kolumbien überquert hat. | Bildquelle: AFP

Menschen verlassen Venezuela "Mein ganzes Leben in zwei Koffern"

Stand: 27.07.2017 05:44 Uhr

Leere Supermärkte und Apotheken sowie eine unklare Sicherheitslage: Viele Venezolaner fliehen über die Grenze nach Kolumbien. Die kolumbianische Regierung verhandelt inzwischen mit Nachbarstaaten über die Weiterverteilung.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

Die Schlangen an den Grenzübergängen scheinen von Tag zu Tag länger zu werden. Zehntausende Menschen überqueren jeden Tag die Grenze von Venezuela ins benachbarte Kolumbien. Mindestens 25.000 zählen die kolumbianischen Beamten Tag für Tag, an einzelnen Tagen waren es schon mehr als 30.000.

Die meisten Menschen versuchen, sich in Kolumbien mit Lebensmitteln oder Medikamenten zu versorgen. "Es gibt nichts zu essen, es gibt keine Sicherheit und wer weiß, was ab Sonntag noch passiert", sagt eine der Grenzgängerinnen.

Ähnlich klingt es bei einer anderen Frau: "Es ist schwer, an Nahrungsmittel zu kommen. Besonders schlimm ist es, dass man keine Medikamente mehr bekommt und dass es keine Zukunft mehr für eine Familie gibt."

Ecuador, Peru, Chile - Hauptsache weg

Doch immer mehr Venezolaner kommen auch mit ihren Familien und Gepäck in der Grenzstadt Cucuta an. Sie kommen, um zu bleiben. "Leider ist es jetzt soweit, dass wir das Land verlassen und uns nach anderen Optionen umschauen müssen. Die meisten Venezolaner die mit uns unterwegs waren wollten nach Ecuador, Peru, Chile - oder in Kolumbien bleiben", erzählt ein junger Mann.

Zwei Venezolaner warten in Cucuta, Kolumbien, vor einem Migrationszentrum. | Bildquelle: AFP
galerie

Zwei Venezolaner warten in Cucuta vor einem Migrationszentrum auf Hilfe.

"Ich habe mein ganzes Leben in zwei Koffern dabei - ich mache es für meine Kinder, die haben keine Zukunft in Venezuela", klagt eine Frau. "Wir müssen unser schönes Land als Flüchtlinge verlassen, weil man dort nicht mehr leben kann."

Kolumbien setzt auf Solidarität der Nachbarn

Genaue Zahlen gibt es im Moment nicht, weil viele Menschen ohne Registrierung über die grüne Grenze gekommen sind. Andere haben sich zunächst legal in Kolumbien aufgehalten, inzwischen ist ihre Aufenthaltserlaubnis längst abgelaufen.

Christian Krüger, der Chef der kolumbianischen Einwanderungsbehörde schätzt, dass derzeit 300.000 bis 350.000 Menschen aus Venezuela in Kolumbien leben. Und wie Italien oder Griechenland hofft auch Kolumbien jetzt auf die Solidarität der Nachbarländer. Er sagt: "Auf regionaler Ebene verhandeln wir über Kontingente. Wir sprechen mit Peru, Brasilien, aber auch Panama und Mexiko. Denn diese Situation betrifft nicht nur Kolumbien, sondern die ganze Region."

Zu unsicher für Flugverbindungen

Immer mehr Verbindungen von Venezuela in die Nachbarländer werden gekappt. Die Fluggesellschaft Avianca kündigte an, ab Mitte August die Flüge nach Caracas zu streichen. Lufthansa hatte die Flüge nach Venezuela schon vor einem Jahr eingestellt.

Zehntausende Venezolaner flüchten ins Nachbarland

27.07.2017 05:32 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 27. Juli 2017 tagesschau24 um 10:00 Uhr und NDR Info um 11:38 Uhr.

Darstellung: