Die abgesetzte venezolanische Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Diaz | Bildquelle: REUTERS

Venezuela Ex-Generalstaatsanwältin flieht nach Kolumbien

Stand: 19.08.2017 10:25 Uhr

Früher lag sie voll auf Regierungslinie, dann bot sie dem Präsidenten die Stirn. Luisa Ortega verlor erst ihren Job, dann wurde ihr Haus durchsucht, schließlich drohte ihrem Mann die Festnahme. Jetzt sucht die streitbare Spitzenjuristin Schutz im Nachbarland Kolumbien.

Zwei Wochen nach ihrer Absetzung durch das Regierungslager ist Venezuelas frühere Generalstaatsanwältin Luisa Ortega nach Kolumbien geflüchtet. Ortega und ihr Mann, der Abgeordnete Germán Ferrer, seien nach einem Zwischenstopp auf der vor Venezuela gelegenen niederländischen Insel Aruba in Kolumbien eingetroffen, teilte die dortige Einwanderungsbehörde mit.

Die neue Verfassungsgebende Versammlung in Venezuela hatte Ortega Anfang August entlassen. Das von der Staatsführung neu eingerichtete Gremium bestimmte Ombudsmann Tarek William Saab zu ihrem Interimsnachfolger. Gegen Ortegas Mann hatte Venezuelas Oberster Gerichtshof einen Haftbefehl ausgestellt.

Einstige Unterstützerin wurde zur Gegnerin

Ortega, einst eine entschiedene Unterstützerin von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro, war unter den Amtsträgern in Venezuela die wichtigste Gegenspielerin des sozialistischen Präsidenten, dem sie Verfassungsbruch vorwirft. Sie hatte vergeblich versucht, mit mehreren Beschwerden die Verfassungsgebende Versammlung zu verhindern.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Präsidenten Maduro und der Mitte-Rechts-Opposition. Die auf Geheiß von Maduro gewählte Verfassungsgebende Versammlung soll die Verfassung novellieren. Die Opposition, die die Wahl Ende Juli boykottiert hatte, erkennt die Versammlung nicht an. Mehrere Staaten der Region verweigerten ihr ebenfalls die Anerkennung.

Das von der Opposition dominierte Parlament wurde inzwischen offiziell entmachtet. Die Verfassungsgebende Versammlung teilte mit, sie werde seine Befugnisse übernehmen. Das Parlament hat damit keine Entscheidungsgewalt mehr.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2017 um 06:00 Uhr.

Darstellung: