Ein Mann zählt Geld an einer Tankstelle in Venezuela. | Bildquelle: REUTERS

Drastische Maßnahmen in Venezuela Benzinpreis steigt ums Sechzigfache

Stand: 18.02.2016 10:49 Uhr

Venezuelas Präsident Maduro steht in seiner Heimat gewaltig unter Druck. So sehr, dass er sich nun dazu gezwungen sieht, den Benzinpreis zum ersten Mal seit 20 Jahren zu erhöhen - ums Sechzigfache. Eine sensible Maßnahme, die 1989 schon einmal Unruhen auslöste.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat eine Abwertung der einheimischen Währung und die erste Erhöhung der Benzinpreise seit rund 20 Jahren bekanntgegeben. So soll Benzin künftig 60-mal so viel kosten wie bisher. Die Schritte sind ein verzweifelter Versuch, die stark vom Öl-Export abhängige Wirtschaft des südamerikanischen Landes vor dem Kollaps zu bewahren.

Venezuelas Präsident Maduro bei der Verkündung der Wirtschaftsmaßnahmen | Bildquelle: dpa
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Venezuelas Präsident Maduro kündigte die erste Benzinpreiserhöhung seit 20 Jahren an.

Trotz der Erhöhung bleibt der Sprit im Vergleich zu anderen Ländern aber überaus günstig: Der Preis für einen Liter Superbenzin beträgt nun sechs venezolanische Bolivar, nachdem er bislang 0,097 Bolivar gekostet hatte. Zum Vergleich: Ein Bier kostet rund 300 Bolivar, ein Korb Erdbeeren etwa 800. Umgerechnet nach dem gebräuchlichen Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt liegt der neue Benzinpreis bei ein paar Euro-Cent.

Die gesteigerten Einnahmen aus dem Benzingeschäft sollen die Sozialprogramme der Regierung finanzieren, sagte Maduro. Er bat die Bevölkerung, die Erhöhung zu unterstützen.

Öl für 95 Prozent der Exporteinnahmen verantwortlich

Benzinpreiserhöhungen sind in Venezuela äußerst unbeliebt, zumal das Land als dasjenige mit dem billigsten Benzin der Welt gilt. 1989 kam es in der Hauptstadt Caracas zu Unruhen, nachdem eine Reihe von Sparmaßnahmen vorgeschlagen wurden - darunter eine Anhebung der Benzinpreise.

Maduro teilte ebenfalls mit, dass der stärkste der offiziellen Wechselkurse des Landes, der für Grundgüter wie Essen und Medizin verwendet wird, von 6,30 auf 10 Bolivar pro US-Dollar geändert werde. Auf dem Schwarzmarkt entsprechen rund 1000 Bolivar einem Dollar.

Diese ökonomischen Maßnahmen ergreift Maduro zu einem Zeitpunkt, an dem er um sein politisches Überleben kämpft. Öl ist für 95 Prozent der Exporteinnahmen des Landes verantwortlich. Der weltweite Absturz der Ölpreise hat die venezolanische Wirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt, die sich in dauerhafter Knappheit von Gütern und einer horrenden Inflation bemerkbar macht. Zum Nachteil Maduros hat zudem die Opposition im Januar die Kontrolle über die Nationalversammlung übernommen. Seitdem steht das Parlament auf Kollisionskurs zum Präsidenten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2016 um 09:30 Uhr.

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