Eine Gruppe Militärs hat in Venezuela einen Stützpunkt überfallen. | Bildquelle: dpa

Militäraufstand in Venezuela Maduro sieht Drahtzieher im Ausland

Stand: 07.08.2017 17:09 Uhr

Nach dem Überfall auf einen Militärstützpunkt in Venezuela vermutet Präsident Maduro die Hintermänner im Ausland. Terroristen aus Miami und Kolumbien seien verantwortlich, nicht eigene Streitkräfte. Zweifel an der Loyalität des Militärs will Maduro nicht aufkommen lassen.

Nach dem bewaffneten Angriff auf einen Armeestützpunkt in Valencia hat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro ausländische Kräfte verantwortlich gemacht. Im Fernsehen sprach er von einer Gruppe von "Söldnern", die den Stützpunkt angegriffen hätten, "Terroristen aus Miami und Kolumbien" stünden hinter der Attacke. Dass den Aufstand eigene Streitkräfte angezettelt hätten, schloss er aus. Verteidigungsminister Vladimir Padrino sprach von "rechtsextremen Militanten, die in Kontakt mit ausländischen Regierungen stehen".

Die Streitkräfte wiesen die Verantwortung einem desertierten venezolanischen Leutnant zu, der in Miami im US-Bundesstaat Florida Zuflucht gesucht habe. Nach Maduros Angaben ist der Leutnant unter den acht Festgenommenen. Er habe im Verhör zu dem Fall ausgesagt, berichtete der Präsident. Den Streitkräften dankte Maduro für die "unmittelbare Reaktion" bei der Niederschlagung des Angriffs.

Angreifer sprechen von "rechtmäßiger Rebellion"

Die Angreifer waren selbst an die Öffentlichkeit gegangen. In einem online gestellten Video war ein Mann zu sehen, der sich selbst als Kommandeur bezeichnete und umringt von rund 15 militärisch gekleideten und teils bewaffneten Männern eine "rechtmäßige Rebellion" ausrief. Diese solle "die mörderische Tyrannei von Nicolás Maduro" beenden, sagte der Uniformierte. Er forderte die "sofortige Bildung einer Übergangsregierung und freie Wahlen" in Venezuela. Ob es sich bei dem Sprecher um den festgenommenen Ex-Leutnant handelt, war zunächst unklar.

Der oppositionelle Parlamentspräsident Julio Borges forderte die Regierung auf, die "Wahrheit" über den Vorfall in Valencia zu sagen. Er warnte vor einer "Hexenjagd" auf Regierungsgegner.

Der Angriff am Sonntag hatte sich gegen einen Stützpunkt in der Stadt Valencia gerichtet. Bei dem Überfall waren nach Regierungsangaben zwei Angreifer erschossen worden.

Schlüsselstellung des Militärs

Das ölreiche südamerikanische Land wird seit Monaten von politischen Unruhen und einem erbitterten Machtkampf zwischen Regierungslager und Opposition erschüttert. Eine Schlüsselstellung für den Machterhalt von Präsident Maduro kommt dabei der Armee zu. Maduro stützt sich auf die Streitkräfte, denen er breiten Einfluss auf Politik und Wirtschaft zugesteht. Die Opposition hatte das Militär immer wieder aufgefordert, sich gegen Maduro zu erheben. Der Präsident und die Armeeführung versuchten, Zweifel an der Loyalität der Streitkräfte zu zerstreuen.

Ein neuer Höhepunkt der Konfrontation war die Einsetzung einer verfassunggebenden Versammlung, mit der Maduro das von der Opposition dominierte Parlament ausbootete.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. August 2017 um 17:15 Uhr.

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