Lopez in seinem Garten | Bildquelle: AP

Bewegung in Venezuela-Krise "Erster Schritt der Befreiung"?

Stand: 09.07.2017 07:22 Uhr

Seit Monaten demonstrieren Tausende in Venezuela gegen die Regierung. Die entließ Oppositionsführer Lopez nun überraschend in den Hausarrest. Seine Anhänger feiern den "ersten Schritt der Befreiung".

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko

Sein Haus ist nun sein Gefängnis. Davor hatten sich gestern dutzende Unterstützer und Parteifreunde von Leopoldo Lopez eingefunden. Sie jubelten ihm zu, als er mit weißem T-Shirt auf eine Mauer vor seinem Haus stieg und die venezolanische Nationalflagge schwenkte. Es lebe Venezuela, es lebe die Freiheit, skandierten sie. Der oppositionelle Abgeordnete Freddy Guevara verlas eine Nachricht von Lopez:

"Das ist ein erster Schritt in Richtung Freiheit. Ich bin weder verbittert noch werde ich meine Überzeugungen aufgeben. Meine Haltung gegen das Regime steht so stark wie meine Überzeugung, für echten Frieden, Koexistenz, Wandel und Freiheit zu kämpfen", ließ Lopez verkünden.

Drei Jahre Haft

Lopez, der Vorsitzende der Oppositionspartei Voluntad Popular, war im Februar 2014 wegen angeblicher Anstiftung zu Gewalt bei Anti-Regierungs-Protesten festgenommen und zu fast 14 Jahren Haft verurteilt worden. Bei den Protesten waren 43 Menschen ums Leben gekommen.

Nach mehr als drei Jahren Haft hatte der Oberste Gerichtshof nun erklärt, Lopez aus humanitären Gründen in den Hausarrest zu entlassen. Diese Entscheidung kam auch für den Anwalt von Lopez überraschend. Dem Sender "NTN24" sagte Javier Cremades, Venezuela sei kein Rechtsstaat. Morgen könne die Regierung ihre Meinung wieder ändern. "Ich hoffe sehr, dass das nicht der Fall ist. Aber wir haben gesehen, dass sie zu allem fähig sind. Es gibt nach wie vor noch 300 politische Gefangene und Lopez wird versuchen, aus dem Hausarrest heraus für sie zu kämpfen", kündigte er an.

Maduro: Differenzen mit Lopez sind bekannt

Auch Präsident Nicolas Maduro meldete sich zu Wort. Bei einer Rede vor seinen Anhängern, die im Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, betonte er: "Die großen Differenzen zwischen Lopez und mir sind allen bekannt. Dennoch hoffe ich, dass die Maßnahme verstanden wird und er eine friedensstiftende Botschaft aussendet. Denn das Land will Frieden. Wir stehen kurz vor der Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung."

Mit der geplanten Verfassungsreform will Maduro angeblich die dramatische politische und wirtschaftliche Krise bewältigen. Dagegen gibt es jedoch massive Proteste. Die Opposition befürchtet, dass Maduro sich damit noch mehr Macht sichern will und das Land in eine Diktatur umwandelt.

"Symbol der Hoffnung"

Die Opposition plant deswegen am 16. Juli eine Volksabstimmung darüber. Die Entlassung von Oppositionsführer Lopez ist ein Schritt der Annäherung.

Doch die Proteste werden weitergehen, meint dieser Anhänger der Opposition. "Für uns ist die Entlassung ein Symbol der Hoffnung", sagt er. "Das gibt mir die Energie zurück. Das ist ein erster Schritt der Befreiung. Leopoldo kann jetzt wieder bei seiner Familie sein."

Oppositionsführer will Kampf im Hausarrest
Anne Demmer, ARD Mexiko-Stadt
09.07.2017 06:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Juli 2017 um 09:00 Uhr.

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