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Vatileaks-Prozess

Urteil im zweiten "Vatileaks"-Prozess

"Schuldig wegen Behinderung der Autoritäten"

Geheimdokumente waren nicht darin - und doch wurde dem Vatikan-Computertechniker Sciarpelletti der Briefumschlag, der bei ihm gefunden wurde, zum Verhängnis. Er wurde zu Haft auf Bewährung verurteilt. Licht ins Dunkel der "Vatileaks"-Affäre brachte aber auch dieser Prozess nicht.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Manchmal hält sich Claudio Sciarpelletti bei dieser Verhandlung die Hände vor das Gesicht, wie um sich abzuschirmen von diesem Prozess, der dem 48-jährigen Computertechniker bisweilen kafkaesk vorkommen muss. Die Tatsache, dass die vatikanischen Ermittler in seiner Schreibtischschublade einen Umschlag mit der Aufschrift "Paolo Gabriele" gefunden hatten, machte ihn zum Mitangeklagten im spektakulärsten Gerichtsverfahren in der Geschichte des Vatikanstaats.

Dabei enthielt der Briefumschlag mit dem Namen des päpstlichen Kammerdieners gar keine Geheimdokumente, so wie man sie massenweise in der Wohnung Gabrieles gefunden hatte. Umso überraschender war das Urteil, das am frühen Samstagnachmittag im kleinen Gerichtssaal des Vatikanstaats verkündet wurde: "Claudio Sciarpelletti ist nach Artikel 125 des Strafgesetzbuches schuldig, weil er die Untersuchungen der Autoritäten behindert hat", führte Richter Giuseppe Dalla Torre aus. "Er wird zu vier Monaten Haft verurteilt."

Urteil im Zweiten "Vatileaksprozess" - Auch Computertechniker schuldig
T. Kleinjung, ARD Rom
11.11.2012 09:02 Uhr

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Umschlag von ihm - oder von einem Vorgesetzten?

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Sciarpelletti im Zuge der Ermittlungen durch widersprüchliche Aussagen die Justiz behindert hat. Einmal hatte er angegeben, dass der bei ihm gefundene Umschlag von Gabriele persönlich stamme. Ein anderes Mal behauptete er, den Umschlag von seinem Vorgesetzten im vatikanischen Staatssekretariat erhalten zu haben.

Deshalb wurde Sciarpelletti zu vier Monaten Haft verurteilt, zwei Monate werden ihm erlassen. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, die Prozesskosten muss der Verurteilte tragen. Sciarpellettis Verteidiger kündigte noch im Gerichtssaal an, in Berufung gehen zu wollen: Er sagte, man könne "niemanden für eine derart irrelevante Sache verurteilen".

Vatikankorrespondentin Bettina Gabbe fällt ein hartes Urteil über den Prozess. Große Klarheit habe er nicht geschaffen: "Anklage und Verteidigung scheinen sich ja in einem einig gewesen zu sein, nämlich dass die eigentliche Anklage eigentlich irrelevant ist", sagt sie. "Der Umschlag, der im Schreibtisch gefunden wurde, hat keine Informationen und vertraulichen Dokumente enthalten. Also war dieser Prozess nicht relevant."

Gerichtssaal im Vatikan
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Das Tribunal des Heiligen Stuhls

Zeuge wurde mit Samthandschuhen angefasst

Denn einmal mehr haben Richter und Staatsanwalt wenig zur Aufklärung des sogenannten "Vatileaks"-Skandals beigetragen. Die entscheidenden Fragen wurden, wie schon im Prozess gegen Paolo Gabriele, nicht gestellt. Ein Monsignore aus dem Staatssekretariat, der dieses Mal als Zeuge geladen war, wurde mit Samthandschuhen angefasst.

Beide Prozesse scheinen dem vorgegebenen Ziel zu folgen, Gabriele als skurrilen Einzeltäter zu entlarven. Der zu 18 Monaten Haft verurteilte Kammerdiener bestätigte diese These als Zeuge erneut. Er sagte aus: "Ich habe Sciarpelletti die Dokumente gegeben, die in seinem Schreibtisch gefunden wurden."

"Es scheint doch die Tendenz zu geben, keine Nachfragen zu stellen", sagt Gabbe - "und nicht zu versuchen die Hintergründe oder Informationen über Komplizen herauszufinden". Denn es steht ja die Aussage von Gabriele aus einem Fernsehinterview im Raum: Er habe zwanzig Gesinnungsgenossen im Vatikan.

Justiz setzt die Ermittlungen fort

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi
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Laut Vatikan-Sprecher Lombardi ist die Affäre juristisch noch nicht abgeschlossen.

Und deshalb werden die Ermittlungen der vatikanischen Justiz auch fortgesetzt. Das zumindest bestätigte Papst-Sprecher Federico Lombardi nach der Urteilsverkündung: "Die Justiz hat gesagt, dass das Ermittlungverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Das wird doch bedeuten, dass die Untersuchungen weiter durchgeführt werden. In welcher Form, das hängt vom Untersuchungsrichter ab."

Für den inhaftierten Paolo Gabriele könnte die Zeit der Buße bald vorbei, wie italienische Medien spekulieren. Sie berichten, Papst Benedikt XVI. habe seinem ehemaligen Kammerdiener als Zeichen der Versöhnungsbereitschaft ein handsigniertes Psalmenbuch geschickt. Lombardi wollte das nicht bestätigen. Er sagte, einzig und allein der Papst könne einen Ex-Butler offiziell begnadigen.

Dieser Beitrag lief am 10. Oktober 2012 um 18:30 Uhr im Deutschlandfunk

Stand: 10.11.2012 18:07 Uhr

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