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Papst-Kammerdiener kommt ins Gefängnis
Der erste Vatikan-Häftling der Neuzeit rückt ein
Im Vatikanstaat gibt es eigentlich kein Gefängnis. Doch die Kirchenoberen haben offenbar großes Interesse daran, den Ex-Kammerdiener des Papstes, Gabriele, abzuschirmen. Er war wegen der Vatileaks-Affäre verurteilt worden und kommt nicht in ein Gefängnis in Italien, sondern in Vatikan-Arrest.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Paolo Gabriele muss definitiv hinter Gitter. Der wegen Diebstahls zu eineinhalb Jahren Haft verurteilte ehemalige Kammerdiener von Papst Bendikt XVI. tritt heute seine Haftstrafe an. Das hat Vatikansprecher Federico Lombardi bekanntgegeben. Lombardi sagte, nachdem gegen das Urteil vom 6. Oktober kein Einspruch eingelegt worden sei, habe der Richterspruch nun Rechtsgültigkeit erlangt. Deswegen habe der Präsident des vatikanischen Gerichts heute Morgen angeordnet, Gabriele in Haft zu nehmen.
Verträge sähen Unterbringung in italienischem Gefängnis vor
Der Vatikan hat jedoch offenbar ein großes Interesse, Gabriele vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. Er wird nämlich im Vatikan inhaftiert, obwohl es dort eigentlich gar kein Gefängnis sondern nur einige Arrestzellen gibt. Ursprünglich war erwartet worden, dass Gabriele seine Strafe in einem italienischen Gefängnis absitzen wird. Die Lateranverträge zwischen Italien und dem Vatikan sehen ein derartiges Verfahren vor. Es ist das erste Mal in der Neuzeit, dass ein verurteilter Straftäter im Vatikan eine Strafe verbüßt.
Vatikan: Alle Gerüchte über Komplott unbegründet
In einer offiziellen Mitteilung des Staatssekretariates heißt es, mit dem Urteil sei ein Strich unter eine traurige Angelegenheit gezogen worden. Noch einmal wird darauf hingewiesen, dass Gabriele alleine gehandelt habe und nicht von anderen zu seinen Dokumentendiebstählen angestachelt worden sei. Alle Gerüchte über ein Komplott hätten sich als unbegründet erwiesen. Außerdem sei nun auch das Kündigungsverfahren gegen Gabriele eingeleitet worden.
Päpstlicher Ex-Kammerdiener Gabriele kommt in Vatikan-Arrest
S. Troendle, ARD Rom
25.10.2012 15:40 Uhr
Verfahren gegen mutmaßlichen Helfer ab 5. November
Im Bezug auf eine mögliche Begnadigung durch den Papst schreibt das Staatsekretariat nur, dafür sei vor allem auch nötig, dass der Täter seine Vergehen tatsächlich bereut. Bereits Anfang der Woche hatte der Vatikan bekannt gegeben, dass am 5. November der mutmaßliche Komplize von Paolo Gabriele vor Gericht gestellt wird. Claudio Sciarpeletti, ein Computertechniker, der im Staatssekretariat arbeitete, wird wegen Beihilfe angeklagt.
Stand: 25.10.2012 16:34 Uhr
