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Blick auf den Petersplatz in Rom

"Vatileaks"-Affäre weitet sich aus

Mindestens zwei Maulwürfe und ein Rabe im Vatikan

Der "Vatileaks"-Skandal ist größer als bislang angenommen: Denn der Kammerdiener des Papstes ist wohl kein Einzeltäter. Laut Vatikan hatte er beim Dokumentenklau mindestens einen Helfer. Beiden wird der Prozess gemacht. Aber wer ist eigentlich "Signore E."?

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkkorrespondent Rom

Paolo Gabriele war kein Einzeltäter. Die wohl entscheidende Information aus dem Vatikan ist, dass der ehemalige Kammerdiener des Papstes beim Dokumentenklau Helfer hatte. Es waren also auf jeden Fall mehrere Personen in die Weitergabe der vertraulichen Schreiben vom päpstlichen Schreibtisch an Medienvertreter beteiligt. "Vor einigen Tagen haben wir ja selbst erklärt, dass Dokumente an die Öffentlichkeit geraten sind, während Gabriele im Gefängnis war", sagte Papstsprecher Federico Lombardi. "Mit anderen Worten: Es ist unmöglich zu sagen, dass er die einzige Person war, die Journalisten Dokumente übergeben hat."

Vatileaks: Prozess gegen päpstlichen Kammerdiener
S. Troendle, ARD Rom
13.08.2012 17:26 Uhr

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Wenig überraschend war dagegen die Nachricht, dass der sogenannte "Vatileaks"-Skandal definitiv gerichtlich aufgearbeitet wird. Das war allgemein erwartet worden. Erstaunlich ist jedoch, dass nicht nur Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele der Prozess gemacht wird, sondern auch einem Mitarbeiter des vatikanischen Staatssekretariats, Claudio Sciarpelletti. "Es handelt sich um einen Angestellten des Staatssekretariats - ein Informatiker, der dort gearbeitet hat", erklärt Lombardi. "Er ist ein Bekannter von Paolo Gabriele. In seinem Büro hat es gleich am Anfang eine Durchsuchung gegeben, bei der einige Dokumente gefunden wurden. Allerdings weiß man nicht, welche Bedeutung die hatten. Der Bekannte ist gleich darauf festgenommen worden. Er war aber nur eine Nacht in Gewahrsam, schon am darauffolgenden Tag wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt."

Angeklagt wird Sciarpelletti lediglich wegen Beihilfe, unter anderem wohl deshalb, weil er sich in Widersprüche verwickelte. Die Strafe für ihn dürfte eher gering ausfallen. Vatikansprecher Lombardi wollte sich nicht festlegen.

Zwei Vatikan-Mitarbeiter wegen Diebstahls angeklagt
tagesschau 20:00 Uhr, 13.08.2012, Susanne Hornberger, ARD Vatikan

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Sechs bis acht Jahre Haft drohen jedoch dem Hauptangeklagten Paolo Gabriele - wegen schweren Diebstahls. Der als "Corvo", Rabe, bezeichnete Gabriele hat nämlich möglicherweise auch geklaut wie ein solcher. Die Ermittler fanden in seiner offensichtlich nicht sonderlich aufgeräumten Wohnung nicht nur jede Menge Dokumente, sondern auch mehrere Gegenstände, die Gabriele offenbar mitgehen ließ. "In dieser Situation hat man drei Dinge gefunden: Einen Scheck der auf den Namen des Papstes ausgestellt war, ein Goldstück, das ich nicht näher definieren kann, und ein Buch aus dem 16. Jahrhundert", berichtet Lombardi. Letzteres war offensichtlich ein Gastgeschenk für Papst Benedikt XVI. Gabriele entschuldigt diese Funde mit dem allgemeinen Chaos bei sich daheim. Ob die Richter ihm das abnehmen, ist eine andere Frage.

Der ehemalige Kammerdiener des Papstes steht weiter im Vatikan unter Hausarrest, der öffentliche Prozess gegen ihn und seinen Verbündeten wird frühestens Ende September beginnen.

Der geheimnisvolle "Signore E."

Im vatikanischen Untersuchungsbericht tauchen übrigens noch andere Personen auf, die in den Fall verwickelt sind. Allerdings werden die Namen nicht genannt. So soll zum Beispiel ein "Signore E." Dokumente an den Enthüllungsautor Gianluigi Nuzzi weitergereicht haben, der diese dann in Buchform verarbeitet hat. Nur: Ermittelt wird gegen den ominösen "Signore E." bisher nicht. "Es gibt keinen Zusammenhang mit diesem Fall", sagt der Vatikansprecher. "Das ist eine Spur, die die Ermittler in Zusammenhang mit der Tat von Paolo nicht verfolgt haben."

Das kann zweierlei bedeuten. Entweder der "Vatileaks"-Fall ist wesentlich größer als bekannt, oder im Vatikan waren mehrere Maulwürfe gleichzeitig aktiv. Pater Lombardi betonte übrigens, dass es sich nur um ein vorläufiges Zwischenergebnis handle. Nach Ansicht der Ermittler sei der Fall umfangreicher. Sein Problem ist der Vatikan also vermutlich noch lange nicht los.

Stand: 13.08.2012 19:15 Uhr

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