Vatileaks-Skandal: Der Vatikan kommt nicht zur Ruhe

Blick auf den Petersplatz in Rom (Bildquelle: dpa)

Vatileaks-Skandal

Der Vatikan kommt nicht zur Ruhe

Der Vatikan kämpft derzeit mit einem täglich wachsenden Imageverlust, kaum ein Tag vergeht ohne neue schlechte Nachrichten: Heute war das die Durchsuchung der Büro- und Wohnräume des Ex-Vatikanbank-Chefs Tedeschi. Als nächstes steht das Verhör des festgenommenen Papst-Kammerdieners an.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die neueste Meldung im Vatileaks-Skandal lautete heute Morgen, dass die Staatsanwaltschaft Neapel Büro und Wohnhaus von Ettore Gotti Tedeschi durchsuchen ließ. Gotti Tedeschi war bis zu seiner Entlassung vor eineinhalb Wochen Chef der Vatikanbank IOR. Mit der Vatikanbank habe die Durchsuchung zwar nichts zu tun, es würde auch nicht gegen ihn ermittelt, es gehe vielmehr um die Auftragsvergabe in einem anderen Fall, berichten italienische Medien. Trotzdem schädigt das Vorgehen gegen den ehemaligen Bankier des Papstes natürlich dessen Glaubwürdigkeit und damit auch erneut das Image des Vatikans.

Vatikan kommt nicht zur Ruhe - Neue Dokumente aufgetaucht
S. Troendle, ARD Rom
05.06.2012 14:10 Uhr

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Im Vatileaks-Skandal reagiert der Vatikan als Getriebener und fast hilflos, fast täglich kommen neue Indiskretionen ans Tageslicht, die sich inzwischen auch gezielt gegen Benedikt XVI. richten. Die letzte Veröffentlichung vom Sonntag nimmt nämlich Papstsekretär Georg Gänswein ins Visier und ist eine eiskalte Drohung: Veröffentlicht wurden da Dokumente, bei denen nur das Datum, der 19. Februar 2009, der Briefkopf und die Unterschrift von Papstsekretär Gänswein zu erkennen sind - der Text wurde unkenntlich gemacht, angeblich, um den Papst zu schützen.

Es handle sich um heikle Dokumente, schrieb der anonyme Tippgeber nach Angaben der Zeitung "La Repubblica". Der Mann droht damit, den Text zu veröffentlichen. Erpressung also - im Papstpalast dürfte man nämlich schon am Datum relativ schnell erkennen, um welche, möglicherweise brisanten, Schreiben es sich handelt.

Erneut gestohlene Vatikan-Dokumente an italienische Zeitung gesendet
ARD-Morgenmagazin 06:00 Uhr, 05.06.2012, Susanne Hornberger, ARD Rom

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Stellungnahme vom Regierungschef des Vatikans

Vielleicht auch deswegen hat Papst Benedikt gestern seine Nummer zwei vorgeschickt, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, den vatikanischen Regierungschef, der den Hauptnachrichten des italienischen Staatsfernsehens ein langes Interview gab. Es war die erste ausführliche und konkrete Stellungnahme zum Vatileaks-Skandal. Tarcisio Bertone sagte: "Das Traurigste an diesen Vorgängen ist die Verletzung der Privatsphäre des Heiligen Vaters und seiner engsten Mitarbeiter. Trotzdem möchte ich sagen, dass dies keine Tage der Teilung sind, sondern der Einheit."

Mit "engste Mitarbeiter" meint Bertone auch sich selbst, schließlich gilt er auch als eines der Ziele, das durch die systematischen Attacken getroffen werden soll. "Instrumentalisierte Angriffe hat es zu allen Zeiten gegeben. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Zeit von Paul VI., das ist ja noch nicht so lange her. Aber: Diesmal sieht das nach zielgerichteteren Attacken aus, die auch ziemlich grausam und zerfleischend und gut organisiert sind", analysiert Bertone. "Ich möchte unterstreichen, dass Benedikt XVI. ein gemäßigter Mann von großem Glauben ist. Und der lässt sich nicht durch wie auch immer geartete Angriffe oder harte Vorverurteilungen einschüchtern."

Hermann Häring (Theologe) zum "Vatileaks"-Skandal
tagesschau 24 15:00 Uhr, 05.06.2012

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Kammerdiener wird verhört

Der Mann, der die meisten Dokumente gestohlen und weitergegeben haben soll, der Kammerdiener des Papstes, wird heute verhört, er sitzt derzeit in einer vatikanischen Arrestzelle. Bei einer Durchsuchung waren in seiner Wohnung vier Kisten mit vertraulichen Unterlagen aus dem Papstpalast gefunden worden. In Rom geht man aber davon aus, dass er nicht alleine gehandelt hat und Hintermänner hatte. Insofern muss man damit rechnen, dass demnächst noch weitere Indiskretionen aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangen.

Stand: 05.06.2012 14:37 Uhr

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