Seitenueberschrift
Kardinalstaatssekretär Bertone gibt Interview zu "Vatileaks"
"Der Papst lässt sich nicht einschüchtern"
In der Affäre um gestohlene Dokumente aus dem Vatikan hat sich nun auch Kardinalstaatssekretär Bertone zu Wort gemeldet. Er sagte in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender RAI, Benedikt XVI. lasse sich durch die gezielte Indiskretion nicht einschüchtern.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Es ist die erste ausführliche und konkrete Stellungnahme aus dem Vatikan von fast ganz oben: Gestern Abend hat sich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone im italienischen Fernsehen zum sogenannten "Vatileaks"-Skandal um gestohlene Dokumente geäußert, die von Unbekannten gezielt an die Öffentlichkeit gegeben werden.
Bertone, die Nummer Zwei im Vatikan und damit sozusagen der Regierungschef, gilt selbst als eines der Ziele, das durch die systematischen Attacken getroffen werden soll. Er sagte der Hauptnachrichtensendung der staatlichen RAI, auch wenn die Angriffe sehr hart seien, lasse sich der Papst nicht einschüchtern. Im Vatikan würden diese aktuell mehr für Einheit sorgen, als für Spaltung, so Bertone.
Hermann Häring (Theologe) zum "Vatileaks"-Skandal
tagesschau 24 15:00 Uhr, 05.06.2012
Trotzdem erschienen ihm die derzeitigen Indiskretionen besser organisiert und grausamer, als dies beispielsweise früher bei ähnlichen Situationen der Fall gewesen sei. Transparenz und die volle Wahrheit könne man auf jeden Fall nicht dadurch erreichen, indem man an Dokumente gelange, die dann teilweise veröffentlicht würden.
Am schlimmsten sei jedoch die Verletzung der Privatsphäre des Papstes. Benedikt XVI. hatte sich bereits vergangene Woche öffentlich geäußert und gesagt, die Affäre mache ihn traurig, er vertraue aber seinen Mitarbeitern.
Bertone: Der Papst lässt sich nicht einschüchtern
S. Troendle, ARD Rom
05.06.2012 02:46 Uhr
Kammerdiener des Papstes in der Arrestzelle
In den letzten Monaten sind immer wieder vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan nach außen gelangt. Zuletzt hatte ein Journalist einen ganzen Stapel dieser internen Briefe und Notizen in einem Buch als Faksimile abgedruckt. Daraufhin war der Kammerdiener von Benedikt XVI. festgenommen worden, bei einer Durchsuchung waren in seiner Wohnung vier Kisten mit vertraulichen Unterlagen aus dem Papstpalast gefunden worden. Der Mann sitzt derzeit in einer vatikanischen Arrestzelle.
Da am Sonntag weitere Dokumente lanciert wurden, mit denen jetzt offensichtlich der Sekretär des Papstes, Georg Gänswein erpresst werden soll, ist aber davon auszugehen, dass der verhaftete Kammerdiener nicht alleine gehandelt hat.
Stand: 05.06.2012 02:43 Uhr
