Seitenueberschrift

Vatileaks

Zweite Runde im Vatileaks-Prozess

Ex-Kammerdiener des Papstes sagt erstmals aus

Im Prozess um die "Vatileaks"-Affäre wird heute die Aussage des früheren päpstlichen Kammerdieners Paolo Gabriele erwartet. Der 46-Jährige hat gestanden, vertrauliche Papiere gestohlen und an einen Journalisten weitergegeben zu haben, um Korruption in der katholischen Kirche aufzudecken. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu vier Jahre Haft.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Der Innenraum des Gerichts im Vatikan.
galerie

In diesem Gerichtssal im Vatikan wird der "Vatileaks"-Prozess verhandelt.

Heute dürfte vermutlich einer der spannendsten Prozesstage werden. Denn Paolo Gabriele, der angeklagte Ex-Kammerdiener, sagt heute persönlich vor Gericht aus. Es ist das erste Mal seit seiner Verhaftung, dass sich Gabriele öffentlich äußert. Den Regeln des vatikanischen Gerichts zufolge wird er übrigens nicht von Staatsanwalt oder Verteidiger ins Kreuzverhör genommen, sondern vom Vorsitzenden Richter befragt. Spannend ist vor allem die Frage, ob Paolo Gabriele alleine gehandelt hat. Er hatte sich im Vorfeld des Verfahrens mehrfach widersprochen, in einem Fernsehinterview gar 20 Komplizen erwähnt.

Daher dürfte vor allem interessant sein, zu beobachten, welche Fragen der vatikanische Richter Gabriele stellt und ob dieser Widerspruch zur Sprache kommt. Gabriele hat - Angaben aus dem Vatikan zufolge - seine Taten gestanden und mit den Ermittlern zusammengearbeitet.

Wer wird noch aussagen?

Möglich ist auch, dass heute außer Gabriele noch weitere Zeugen befragt werden. Unter ihnen könnte Papstsekretär Georg Gänswein sein, der auf der Zeugenliste genannt ist. Ob überhaupt und wann er aussagt, ist aber vollkommen unklar. Allerdings ist Papst Benedikt XVI. gestern aus seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Vatikan zurückgekehrt. Damit ist auch sein Sekretär wieder in Rom.

Vatikan will schnelles Ende der Verhandlung

Sicher scheint nur, dass der Vatikan ein Interesse daran hat, den Prozess möglichst bald zu Ende zu bringen, da am Wochenende in Rom eine Weltbischofssynode beginnt. Der Vorsitzende Richter Giuseppe dalla Torre hatte am Samstag zu Prozessbeginn gesagt, vermutlich würden vier weitere Verhandlungstage ausreichen. Das heißt: mit einem Urteil ist möglicherweise sogar noch Ende dieser Woche zu rechnen. Bei einer Verurteilung drohen Paolo Gabriele bis zu vier Jahre Haft wegen schweren Diebstahls.

Stand: 02.10.2012 07:12 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

10 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: